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5.9.2017 - Jann Raveling

Digitalisierung studieren in Bremerhaven

Digitalisierung / Industrie 4.0
Master Digitalisierung, Innovation und Informationsmanagement: fit für das digitale Zeitalter
Viele Praxisanteile machen den Studiengang Digitalisierung, Innovation und Informationsmanagement aus
Viele Praxisanteile machen den Studiengang Digitalisierung, Innovation und Informationsmanagement aus © Hochschule Bremerhaven

Der neue Masterstudiengang „Digitalisierung, Innovation und Informationsmanagement“ in Bremerhaven ist nichts für Langschläfer: Praxisnah arbeiten Studierende mit Unternehmen zusammen an digitalen Herausforderungen. Ermüdende Vorlesungen sind hier ein Fremdwort.

Worum geht es im Masterstudium Digitalisierung, Innovation und Informationsmanagement?

Fast jedes Unternehmen hat heute von der Digitalisierung gehört und die Zeichen der Zeit erkannt. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt? Wohl kaum, vielen Unternehmen fällt es schwer, die Digitalisierung konkret für sich umzusetzen. Ihnen fehlt es an Wissen und an Personal. Viele Herausforderungen sind neu, viele Fragen ungeklärt. Mit einem Studiengang bereitet die Hochschule Bremerhaven jetzt Studierende darauf vor, bald im Unternehmen die Glocke zum digitalen Zeitalter läuten zu können.

Was kann das Studium?

Die Digitalisierung zeichnet sich durch eine hohe Dynamik aus. Was heute wichtig ist, ist morgen veraltet. Ebenso ist das Studium aufgebaut, es reagiert auf aktuelle Themen und vermittelt Inhalte mit Blick auf gegenwärtige Trends. Statt langatmiger Vorlesungen geht es gleich in die Vollen: Jeder Jahrgang bearbeitet von Anfang an ein Praxisprojekt, das zwei Semester dauert und einen Großteil der Studienzeit einnimmt.

Praxisprojekt klingt gut – wie sieht das denn genau aus?

Im ersten Jahrgang 2017 arbeiten die Studierenden mit dem bremischen Softwaredienstleister ABAT zusammen. Für ein Logistikunternehmen optimieren sie dessen Warentransporte. ABAT steht mit Know-how, Rat und Tat zur Seite, die Ideen und die Ausführung kommt von den Teilnehmenden. „Die Studierenden teilen sich in Zweierteams, sogenannte Tandems, auf und bearbeiten in Kleinprojekten die Aufgabe unter realen Bedingungen. Sie behalten Kosten, Budgets und Rentabilität im Auge und achten auf die Umsetzbarkeit für das Unternehmen. Es soll funktionieren“, sagt Professor Claas Legenhausen. Der Studiengangsleiter ist Mitinitiator des neuen Studiengangs an der Hochschule Bremerhaven.

Wer kann sich auf einen Studienplatz im Studium Digitalisierung, Innovation und Informationsmanagement bewerben?

Jeder Jahrgang besteht zur Hälfte aus Informatik- und Wirtschaftsabsolventen, im ersten Jahr ging es mit 20 Teilnehmenden los. Durch die Mischung lernen die Studierenden gleich, interdisziplinär zu arbeiten. „Das ist unverzichtbar für das digitale Zeitalter, neue Technologien können nur realisiert werden, wenn alle im Unternehmen an einem Strang ziehen, abseits von Hierarchien und Abteilungen. Aus diesem Grund sind die Tandems gemischt zusammengesetzt“, führt Legenhausen weiter aus. Zugelassen sind Absolventen der Informatik, Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaftslehre, Cruise Tourism Management, Transportwesen / Logistik oder ähnlichen Studiengängen.

Prof. Dr. Claas Legenhausen ist Studiengangsleiter und Mitinitiator des neuen Studiums.
Prof. Dr. Claas Legenhausen ist Studiengangsleiter und Mitinitiator des neuen Studiums. © WFB/Raveling

Müssen alle Bewerberinnen und Bewerber perfekt programmieren können?

„Nein!“, sagt Professor Legenhausen. Je nachdem, aus welcher Fachrichtung man kommt, ob aus der Informatik oder aus der Betriebswirtschaft, kann sich jede Absolventin und jeder Absolvent eigene Schwerpunkte im Studium setzen; Ziel ist es, interdisziplinär zu arbeiten. „In der Betriebswirtschaft wollen wir möglichst gute Vorhersagen machen. Die Technologien der Digitalisierung geben uns die Möglichkeit dafür. Deshalb müssen Betriebswirte lernen, damit umzugehen“, so Legenhausen. Umgekehrt hilft es Informatikerinnen und Informatikern, wenn Sie kaufmännische Geschäftsprozesse besser verstehen und so Digitalisierungsprojekte managen können. Das Studium kann daher mit den beiden Abschlüssen M.Sc. oder M.A. abgeschlossen werden.

Welche Inhalte kommen noch im Studium vor neben dem Praxisprojekt?

In Seminaren und Kolloquien geht es um den digitalen Handel, das digitale Rechnungswesen, Geschäftsprozessmanagement, Logistikdigitalisierung und Entrepreneurship. Ein Modul beschäftigt sich ausschließlich mit neuesten Technologien und wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Digitalisierung. Außerdem lernen die Studierenden, mit den Gefahren von IT-Systemen umzugehen. Dabei geht es neben IT-Security und Schutz vor Cyberangriffen auch um die sozialen Dimensionen von Industrie 4.0: Welche Auswirkung hat sie auf die Arbeit von morgen? Wie gehen Unternehmen mit Datenschutz und -kontrolle um, welche Auswirkungen hat das auf die Netzkultur?

Kann ich das noch woanders studieren?

Digitalisierung als Studiengebiet ist noch jung in Deutschland. Nur an einer Handvoll Universitäten und Hochschulen gibt es ähnliche Angebote. Mit der guten Verbindung zur Bremer Hochschullandschaft und den lokalen Unternehmen ist das Bremerhavener Angebot ein exzellentes Aushängeschild dieser Entwicklung. Das hat sich auch bei den Studierenden herumgesprochen. Obwohl die Bewerbungszeit für den ersten Jahrgang mit nur zwei Wochen extrem kurz war, bewarben sich 55 Neugierige auf die 20 freien Plätze.

Was sagen die Studierenden zum Studienangebot?

„Das Zusammenspiel zwischen BWL und Informatik bereitet mir viel Freude, sowohl auf fachlicher wie auch auf persönlicher Ebene mit den Kommilitonen“, sagt Juliane Fricke. Die Betriebswirtschaftlerin ist für ihren Bachelor von Celle nach Bremerhaven gezogen. Mit dem neuen Master will sie an der Schnittstelle zwischen BWL und Informatik künftig zwischen beiden Disziplinen vermitteln. „Das Studium ist zukunftsorientiert, der Kontakt zu den Professoren eng, das gefällt mir“, so die 29-jährige und fügt schmunzelnd hinzu: „Nur der Informatik-Teil, der ist noch anspruchsvoll!“

Mein Unternehmen muss sich digitalisieren – können die Studierenden mir dabei helfen?

Definitiv. Für kommende Jahrgänge sucht Legenhausen noch Unternehmen, die im Praxisprojekt mitmachen – ob als Mentor oder als Projektpartner. Und auch für kleinere Ideen ist der Professor jederzeit zu haben: „Im Studiengang Digitalisierung oder den anderen Fächern an der Hochschule Bremerhaven sind interessante Praxisprojekte immer einer Bereicherung für die Lehre. Die beteiligten Unternehmen ziehen daraus nicht nur neue Ideen und Projekte, sondern können auch gleich den Kontakt zu vielversprechenden Nachwuchskräften knüpfen.“


Weitere Informationen sind über die Webseiten der Hochschule Bremerhaven unter www.hs-bremerhaven.de/studienangebot/masterstudiengaenge/digitalisierung-innovation-und-informationsmanagement/studiendarstellung/ zu finden.

Kontakt: Prof. Dr. Claas Legenhausen, clegenhausen@hs-bremerhaven.de, T +494714823138



Welche Services die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH bei der Digitalisierung Ihres Unternehmens bietet, finden Sie auf der Übersichtsseite Digitalisierung.

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