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13.9.2017 - Astrid Labbert

Nah dran: Erfolgreiche Web-Serie „Wishlist“

Erfolgsgeschichten

Wie Radio Bremen mit der Web-Serie „Wishlist“ Aufsehen erregt

Wie junge Leute erreichen? Die Frage beschäftigt Fernseh- und Radiomacher seit Jahren. Auch Radio Bremen experimentiert mit neuen Formaten, und das mit Erfolg: Die Web-Serie „Wishlist“ räumt Preise ab, die zweite Staffel ist gerade abgedreht und soll noch in diesem Jahr online gehen.

Gerade wurde die zweite Staffel der preisgekrönten Web-Serie „Wishlist“ gedreht.
Gerade wurde die zweite Staffel der preisgekrönten Web-Serie „Wishlist“ gedreht. © funk, Radio Bremen, MDR Sputnik - Outside the Club

Jury lobt und wünscht sich mehr

Als im Frühjahr das renommierte Grimme-Institut die Web-Serie „Wishlist“ mit einem Preis adelte, war es das vorläufig letzte Indiz: Radio Bremen ist 2017 mit seinem experimentierfreudigen Personal auf dem richtigen Weg, wenn es darum geht, junge Menschen mit Angeboten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu erreichen. „Wishlist ist leidenschaftlich, spannend, hervorragend produziert und originell“, lautete das Fazit der Jury aus Medienmachern und Medienwissenschaftlern zur Mystery-Serie, die nicht im Fernsehen, sondern auf YouTube zu sehen ist, und wünschte sich „definitiv mehr“ davon. 124.000 Abonnenten des YouTube-Kanals sahen es ähnlich.

Wunscherfüllung per App

Wie weit würdest du gehen, um deine größten Wünsche zu erfüllen? Das ist die Frage, um die sich die Serie dreht. Die 17-jährige Mira und ihre Freunde entdecken die App „Wishlist“, die jeden Wunsch erfüllt, dafür aber auch eine Gegenleistung verlangt, die es zu erfüllen gilt. Je größer der Wunsch, desto größer die Gegenleistung. Was verheißungsvoll und harmlos beginnt, endet in der ersten Staffel, die im Oktober 2016 auf YouTube und als App startete, mit einem Mord und der Erkenntnis, dem Teufelspakt so schnell nicht zu entkommen. Gerade ist die zweite Staffel in Wuppertal, dem Spielort der Serie, abgedreht. Über die Inhalte wird nicht viel verraten: „Es wird aufwändiger, und es wird düsterer“, sagt Helge Haas nur, Leiter des Programmbereichs Junge Angebote bei Radio Bremen. Dem Produktionsteam standen jetzt mehr finanzielle Mittel zur Verfügung als die recht sparsamen 170.000 Euro der ersten Staffel.

Helge Haas, Leiter des Programmbereichs Junge Angebote bei Radio Bremen
Helge Haas, Leiter des Programmbereichs Junge Angebote bei Radio Bremen © Radio Bremen / Pascal Mühlhausen

„Wishlist ist wie eine Indie-Band“

„Wishlist“ war und ist ein Experiment: Die Folgen sind bis zu 20 Minuten lang und haben damit ein im Netz gängiges Videoformat, liefern aber gleichzeitig Spielfilmqualität. Für Idee und Geschichte wurden junge Talente (Produzententeam: Marc Schießer, Marcel Becker-Neu und Christina Ann Zalamea) engagiert, vor der Kamera stehen Jungschauspielerinnen und YouTube-Stars. Der Apparat dahinter besteht indes aus erfahrenen Fernsehmachern. „Wishlist ist wie eine Indie-Band, die ins Studio gegangen ist und ein Hitalbum produziert hat. Wir haben dafür die Studiotür aufgestoßen“, sagt Haas.

Mit mehreren Preisen ausgezeichnet

Diese Mischung ist neu und sorgte in den vergangenen Monaten für einige Auszeichnungen, vom erwähnten Grimme-Preis über den Deutschen Fernsehpreis (Förderpreis) bis hin zur Nominierung zum Deutschen Radiopreis (Kategorie „beste Innovation“) für die parallel von einem jungen Team produzierte Radio-Hörspielserie.

Web-TV für junge Zielgruppen

Weil auch bei der Zielgruppe die Resonanz gut war, gibt es jetzt die zweite Staffel der Web-Serie. „Ich glaube, wir haben etwas richtig gemacht. Wir haben hohe Abrufzahlen, wir erreichen die unter 30-Jährigen“, sagt Haas. „Aber wir stehen ganz am Anfang. Es ist etwas Neues, was sich entwickelt. Man muss probieren.“ Um genau das zu ermöglichen, hatten ARD und ZDF das Gemeinschaftsangebot „funk“ gestartet und mit jährlich 45 Millionen Euro ausgestattet. „funk“ soll die 14- bis 29-Jährigen erreichen – ausschließlich online. „Gute Ideen, die sonst oft am Geld scheitern, können so umgesetzt werden“, freut sich Haas. Auch „Wishlist“ wurde aus diesem Topf bezahlt und in Kooperation mit dem Jugendradio des Mitteldeutschenrundfunks, MDR Sputnik, realisiert.

Leute finden und sie machen lassen

Vier Formate hat Radio Bremen bislang zu „funk“ beigesteuert. Dass der kleine Landessender dort gut vertreten ist, kommt nicht von ungefähr: Vor einigen Jahren wurde die Redaktion „digitale Garage“ gegründet, mit einem jungen Team, das neue journalistische wie auch Unterhaltungsformate entwickeln sollte. „Was wir bei Radio Bremen können, ist, solche Leute zu finden und sie machen zu lassen“, sagt Haas. „Wir haben nicht so viel Geld, können ihnen aber die Freiheit geben und sagen: Realisiert so, wie ihr es für richtig haltet.’“

Was früher der Beat-Club war, ist heute YouTube

Für den Sender hat sich mit „Wishlist“ auch ein eigener Wunsch erfüllt:

Wir wollten an die Tradition von Radio Bremen anknüpfen, junge spannende Formate mit einem jungen Team zu realisieren.

Helge Haas, Leiter des Programmbereichs Junge Angebote bei Radio Bremen

Formate wie der Beat Club sind einst in Bremen entstanden, auch Hape Kerkeling startete hier seine Fernsehkarriere. „Was früher der Beat-Club war, ist heute YouTube“, sagt Haas.

Lieblingsstars sind YouTuber, keine Fernsehschauspieler

Denn das klassische Fernsehen ist für junge Leute zunehmend nicht mehr interessant. Der ständige Begleiter im Alltag ist das Smartphone – und damit die Plattformen im Netz. So zeigte eine im Mai vom Digitalverband Bitkom veröffentlichte repräsentative Studie, dass bereits 94 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland ein eigenes Smartphone besitzen. Zum Vergleich: 44 Prozent haben einen eigenen Fernseher. Und jeder dritte Befragte zwischen 6 und 18 Jahren gab als Lieblingsstar einen YouTuber an, statt wie früher Sportler oder Schauspieler. Der Trend ist eindeutig – und vollzieht sich rasant.

Wie macht man ein gutes Programm für junge Menschen?

„Im Fernsehen erreichen wir mit unseren Flaggschiffen ‚Tatort’ und ‚Tagesschau’ natürlich auch junge Menschen, aber es gibt keine Programme mehr, von denen sie sagen können: Die sind nur für uns gemacht“, beschreibt Haas die Situation. 1990 hatte ihn in seiner Journalistik-Diplomarbeit noch die Frage umgetrieben: „Inwieweit erfüllt das Jugendprogramm im Fernsehen die Bedürfnisse der Jugendlichen?“ Heute stellt sich die Frage anders: Wie und wo macht man ein gutes Programm für junge Menschen? „Ganz werden wir die Bedürfnisse nie erfüllen, aber viel besser als in den letzten zwei Jahrzehnten“, ist sich Haas sicher. „Wir sind gerade nah dran.“

Mehr unter: www.youtube.de/wishlistserie, http://presse.funk.net/format/wishlist/


Pressekontakt:

Radio Bremen, Michael Glöckner, Pressesprecher, Tel.: 0421-246 410 50, E-Mail: presse.pr@radiobremen.de


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