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3.3.2017 - Annica Müllenberg

Auf der sicheren Seite

Start-ups

Hanseatisches Schutzschild: Bremer Unternehmensgründer baut Schutzräume für Gefahrensituationen

Jörg Allstädt, Inhaber des Bremer Firma Turtle Saferooms
Jörg Allstädt, Inhaber der Bremer Firma Turtle Saferooms © Pressedienst Bremen

Das Leben ist der wertvollste Schatz, den wir haben. Doch wohin soll man sich zurückziehen, wenn selbst das eigene Haus kein Hort der Sicherheit mehr ist, weil beispielsweise Einbrecher die Türen aufgebrochen haben? „In einen Saferoom“, antwortet Jörg Allstädt. Er konstruiert Schutzräume in Häusern und öffentlichen Einrichtungen. Beim Wort Schutzraum denken viele sofort an den Film „Panic Room“, in dem Jodie Foster und ihre Filmtochter mit angsterfüllten Gesichtern vor Verbrechern in eine bunkerartige Schaltzentrale fliehen. Jörg Allstädt hat den Film nur einmal gesehen, wird aber häufiger darauf angesprochen, obwohl seine Konstruktionen mit weniger Technik ausgestattet sind und er die Bezeichnung Schutzraum bevorzugt.

„Sie können nachträglich in jedes Haus integriert werden oder sind vorab schon vom Architekten mit geplant“, erklärt der Turtle Saferooms-Gründer, dessen Logo eine Schildkröte mit Schutzpanzer ist. Das Bedürfnis nach Schutz treibt auch in Deutschland immer mehr Menschen um, Hausbesitzer werden allerortens zusehends nervös. Diebe schrecken nicht davor zurück, selbst in Häuser einzusteigen, in denen Besitzer schlafen oder arbeiten. Rollläden werden angehoben, Türen aufgehebelt und Scheiben von abgelegenen Kellerfenstern eingeschlagen. Vor Langfingern hat Allstädt Respekt. Auf die Idee für die Sicherheitstechnik made in Bremen, einen von innen verriegelbaren Raum, kam er, weil er selbst Schätze sicher verwahrt wissen wollte. Der Oldtimer-Liebhaber schraubt seit Jahren an einem Automobil und besitzt eine stattliche Sammlung an Spezial-Werkzeugen. Um diese wirksam vor Dieben wegzuschließen, entwickelte der Diplom-Ingenieur einen einbruchsicheren Safe. Bisher ist alles an seinem Platz geblieben – nur der Besitzer wechselte die Position. Den vertrauten Job als leitender Angestellter mit Personalverantwortung gab er für die Gründung des eigenen Ein-Mann-Unternehmens auf.

Von der Weser in die Welt

Nach gut eineinhalb Jahren ist der 46-Jährige auf dem Markt etabliert. Rückblickend ist er froh, in die Selbstständigkeit gegangen zu sein, obwohl es nicht immer einfach war. Der Jungunternehmer, der aus einer sicheren Anstellung kam, musste mit Rückschlägen kämpfen, lernte mit jedem Auftrag dazu und schärfte das Profil nach. Seine ursprüngliche Vision ließ sich nicht eins zu eins umsetzen. „Ich wollte mich auch an Senioren wenden. Ihnen mehr Sicherheit anzubieten war der Gedanke. Viele sind jedoch nicht bereit, Geld für einen Saferoom auszugeben.“ Stattdessen kommen die Aufträge nun aus ganz Deutschland, Frankreich und jüngst sogar aus dem Emirat Katar. Die Schutzräume werden in Häusern jenseits der Weser errichtet, doch Turtle Saferooms bleibt ein lokales Label. Allstädt ist stolz auf seine hanseatische Mentalität, seit Kindertagen ist er fest verankert in Bremen. Nachdem er das Studium und den ersten beruflichen Weg hier beschritten hatte, war klar, dass er der Stadt auch als Gründer treu bleibt.

Ästhetik und Sicherheit

Dezent und leichte Handhabung, so lauten Allstädts Ansprüche an sein Produkt. Dem Familienvater ist es wichtig, dass die Schiebetür sich auch von Kindern problemlos bewegen und schnell verschließen lässt.

Meine Saferooms sind alle individuell. Sie verstecken sich hinter Schrankwänden oder Bücherregalen oder können zusätzlich als begehbarer Kleiderschrank genutzt werden.

Jörg Allstädt, Unternehmesgründer von Turtle Saferooms GmbH & Co. KG

Das Türblatt aus holzbasierendem Material ist durchschusshemmend und schwer in Brand zu setzen, der Maschinenbauingenieur wiegt ein Stück spezialbehandeltes Buchenholz in der Hand. Mehre Lagen sind aneinandergeklebt, sodass sie selbst durch Schusswaffen nicht zerstört werden, wie ein Materialbeispiel aus Glasfaserverbund verdeutlicht, in dem noch das Projektil einer Magnum Kaliber .44 steckt.

Die mit einer Pistole beschossene Materialprobe erleichtert die Entscheidung, auf welcher Seite der Materialbeispiels man sich im Zweifelsfall befinden möchte
Die mit einer Pistole beschossene Materialprobe erleichtert die Entscheidung, auf welcher Seite der Materialbeispiels man sich im Zweifelsfall befinden möchte © Pressedienst Bremen

„Oft glauben Interessenten, dass schwere Stahl- oder Betonkonstruktionen für einen Schutzraum nötig wären. Ich arbeite mit einem Materialmix aus Holz, Sicherheitsstahl und Glasfaserverbund. So lassen sich die Schutzräume nahezu überall in bestehende Häuser oder Gebäude integrieren.“ Allstädt sucht für jede Konstruktion den Kompromiss zwischen Ästhetik und Sicherheit. Im Saferoom befindet sich eine Überfallmeldeanlage, über die Polizei oder ein Sicherheitsdienst kontaktiert wird. Die Tür funktioniert mechanisch und ist nicht an das Stromnetz gekoppelt, das ausfallen könnte. Von außen bietet sie keinerlei Angriffsfläche, es ist nur ein kleiner Griff zu sehen.

Jörg Allstädt mit einer Materialprobe, die den Beschuss durch eine Pistole überstanden hat
Jörg Allstädt mit einer Materialprobe, die den Beschuss durch eine Pistole überstanden hat © Pressedienst Bremen

Schutzraum in Krisensituationen

Nicht nur Hausbesitzer können sich vis-à-vis mit Einbrechern wiederfinden. Botschafter, Mitarbeiter in Behörden, Tankstellen und Hotels leben mit ähnlichen Gefahren. Deshalb möchte Allstädt seine Modulbaulösungen auch öffentlichen Einrichtungen und Firmen anbieten. In Zeiten von Terror und Gewalt werden die Nachfragen zunehmen, versichert der Bremer. In Amerika und Südafrika gehören Unternehmen für Panic Rooms längst zum Alltag wie Bau- und Supermärkte. In Deutschland bewege sich Allstädt mit seinen Schutzräumen aus Bremen noch in einem Nischenbereich.
Während die Saferooms temporären Schutz bis zum Eintreffen von Hilfe bieten, möchte Allstädt zukünftig auch auf Krisenschutzräume setzen. „Wenn nach einer Naturkatastrophe eine oder zwei Wochen überbrückt werden müssen, sind andere Konstruktionen nötig. Behelfsschutzräume sind mit Generatoren und Luftfiltern ausgestattet. Wenn sich Kooperationspartner finden, würde ich diese Räume gerne mit ins Angebot aufnehmen“, erläutert der Gründer, der mit Sicherheitsfirmen, Handwerkern und Architektenbüros zusammenarbeitet.

Lange Beratung, kurze Konstruktion

Nicht nur die Verhandlung mit Kooperationspartnern gehört zu Allstädts täglichem Geschäft, Beratungen von Kunden sind der wichtigste Teil. Das Thema Sicherheit nehme zwar einen immer bedeutenderen Stellenwert in der öffentlichen Debatte ein, dennoch sei der Schutzraum ein sensibles Objekt. „Ich biete den Kunden viele Gespräche an, damit sie Vertrauen fassen können. Erst dann geht es um die Konstruktion, die meistens nur wenige Tage dauert.“


Bilddownload

Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto 1: Jörg Allstädt, Inhaber des Bremer Start-ups Turtle Saferooms © Pressedienst Bremen

Foto 2: Die mit einer Pistole beschossene Materialprobe erleichtert die Entscheidung, auf welcher Seite der Materialbeispiels man sich im Zweifelsfall befinden möchte © Pressedienst Bremen

Foto 3: Jörg Allstädt posiert mit einer Materialprobe, die den Beschuss durch eine Pistole überstanden hat © Pressedienst Bremen


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