25.6.2026 - Insa Lohmann

Wie „Oma und Opa“ weltberühmt wurden

Pressedienst

Fassadenbild des Bremer Künstlers Peter K.F. Krueger feiert Jubiläum

Ein Mann steht vor dem Wandbild Oma und Opa
Der Künstler Peter K.F. Krueger vor seinem Wandbild. © WFB/Jens Lehmkühler

Es ist eines der Wahrzeichen der Hansestadt: Seit 50 Jahren blicken „Oma und Opa“ auf das Treiben am Bremer Rembertiring. Das Wandbild, das eigentlich den Namen „Blick aus dem Fenster“ trägt, stammt vom Künstler Peter K.F. Krueger. Es schrieb Geschichte und machte die Gesichter eines benachbarten Ehepaares bekannt. 

Wer mit dem Auto in Bremen von der Hochstraße Richtung Rembertikreisel und Ostertor fährt, kann es schon von Weitem sehen: Ein älteres Ehepaar, das aus dem Fenster schaut, zufrieden und auch ein wenig neugierig. Vielleicht ist es diese Ruhe, die die Bremerinnen und Bremer an diesem Motiv so mögen. Die einen erinnert es an Heimat, die anderen an ihre eigenen Großeltern. In einem sind sich die meisten aber einig: „Oma und Opa“, wie das riesige Fassadengemälde liebevoll genannt wird, gehören fest zum Bremer Stadtbild. 

Damals größtes Fassadenwandbild Deutschlands 

Seit mittlerweile 50 Jahren blickt das Paar auf den Rembertiring, am Eingang zum Bremer Ostertor. 2026 feiert die Fertigstellung des Wandgemäldes an der fensterlosen, 18 Meter hohen Außenmauer der Geschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt sein Jubiläum. Angefertigt hat es der Bremer Maler und Bildhauer Peter K.F. Krueger, der damals wie so viele Kreative vom großen Durchbruch träumte. Er hatte sich in einem von der Stadt ausgelobten Wettbewerb durchgesetzt. Der Bremer Senat hatte Anfang der 1970er-Jahre als eines der ersten Bundesländer beschlossen, Kunst im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Krueger hoffte durch den Großauftrag auf überregionale Bekanntheit. „Das war eine tolle Chance“, sagt der inzwischen 81-Jährige. „Damals war es das größte Fassadenwandbild Deutschlands. Das war ein Türöffner für mich.“ Tatsächlich bekam der Bremer zahlreiche Folgeaufträge. 

Nachbarn waren Vorbild für das Motiv

Doch wer sind eigentlich „Oma und Opa“, die überlebensgroß auf das Treiben vor dem Haus herunterschauen? Mit dem Wandbild „Blick aus dem Fenster“ hat Krueger seine damaligen Nachbarn Hanni und Robert Wagner verewigt. Peter K.F. Krueger wohnte zu der Zeit noch im Ostertor, wo er mit seiner damaligen Frau ein Haus gekauft hatte. Im Gebäude schräg dahinter wohnten die Wagners, die gerne aus dem offenen Fenster auf den Dachgarten des Künstlers schauten und freundlich grüßten. 

Ein Künstler in seinem Atelier
Der Künstler in seinem Atelier mit dem Entwurf für das Wandbild. © WFB/Jens Lehmkühler

Wandbild war auch ein Zeichen des Protests

Fragt man Krueger, warum er genau diese Szene als Vorlage für die Fassade wählte, sagt er: „Die wichtigste Voraussetzung für den Wettbewerb seinerzeit war: Das Motiv sollte für die Sicht aus der Ferne geeignet sein, schließlich kann man da nicht einfach anhalten.“ Die Wagners waren für ihn ideal: Realistisch und für die Betrachtenden leicht zu erfassen. Das Ehepaar hat damals vermutlich nicht geahnt, dass es einmal so bekannt werden würde.

Hinter dem vermeintlich idyllischen Motiv steckt aber mehr: Damals war die geplante, wegen starker Anwohnerproteste nicht umgesetzte so genannte Mozarttrasse noch sehr in den Köpfen der Bremerinnen und Bremer präsent. Das umstrittene Schnellstraßenprojekt hätte das Ostertor durchschnitten. Der Rembertikreisel entstand als eine erste Etappe der Trassenplanung. Auch das Häuser-Ensemble mit dem späteren Wandbild wäre der Straße zum Opfer gefallen. Das großformatige Gemälde ist für Krueger daher auch ein Symbol für den Protest. Das Bild zeigt, wohin die Mozarttrasse geführt hätte. Zugleich symbolisiert es das Leben im lebendigen Ostertor.

„Wir hatten keinerlei Erfahrung mit Fassadenmalerei“

Rund zweieinhalb Monate dauerten die Arbeiten an der Hausfassade. Dafür erhielt Krueger 30.000 Mark. Er holte sich mit Otto Völker und Helmut Streich zwei Bremer Künstler zur Unterstützung an die Seite. „Wir alle hatten keinerlei Erfahrung mit Fassadenmalerei“, erinnert sich Krueger. Sie waren nah dran an der „Leinwand“: „Da musste man sehr genau arbeiten.“ Auf Holzleitern ging es im hohen Gerüst hoch und runter: „Wir hatten jeden Tag Splitter in den Fingern.“ 

Das Geld war schnell aufgebraucht: Personal, Farbe, Material – „da war das meiste schon weg“. Doch immerhin das Wetter spielte den Bremer Künstlern in die Karten, so kamen sie schnell voran. Das Haus war gerade neu verputzt worden, die Bedingungen für den Maler ideal: „Es war eine tolle Hausfassade, wie eine Leinwand“, schwärmt Krueger.

Eingang Schloss Wätjen
Der Künstler lebt im Schloss Wätjen. © WFB/Jens Lehmkühler

Millionenfach veröffentlicht

Dass sein Wandbild einmal überregionale Bekanntheit erlangen sollte, ahnte er damals nicht. „Das Bild hat eingeschlagen wie eine Bombe“, erinnert er sich. In den 50 Jahren sei es als Foto millionenfach weltweit in Medien veröffentlicht worden, sagt Krueger. „Die Bremerinnen und Bremer haben das Bild total lieb gewonnen, es gehört einfach zur Stadt.“ Robert Wagner erlebte die Fertigstellung des Motivs jedoch nicht mehr. „Aber die Originalzeichnung haben sie beide gesehen, die habe ich heute noch“, erzählt der 81-Jährige. 

Fassadengemälde Oma und Opa
Das Wandgemälde wurde vor 50 Jahren fertiggestellt. © WFB/Jens Lehmkühler

Peter K.F. Krueger, der in den 1970er-Jahren in Bremen Bildhauerei und Malerei studierte, lebt schon lange nicht mehr im Ostertor. Vor 15 Jahren zog er mit seinem Hab und Gut ins Schloss Wätjen im gleichnamigen Park in Bremen-Nord. Die Villa hatte im 19. Jahrhundert der Kaufmann Diedrich Heinrich Wätjen als Sommersitz erbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss in Einzelwohnungen aufgeteilt. 

Aus den Wohnungen, die zuvor jahrelang leer standen, wollte Krueger wieder einen Ort der Begegnung machen – eine Mischung aus Kultur und Wohnen. Auf 200 Quadratmetern erstrecken sich nun Wohn- und Arbeitsräume sowie die vor einigen Jahren von seiner Partnerin Ulrike Kafka gegründete Schloss-Galerie in der unteren Etage. Der riesige Bau in der Parkanlage wirkt von außen ein wenig düster, drinnen überraschen die Räume mit einem farbenfrohen Kontrast. 

Auch schon im Wasserturm gelebt

Ungewöhnliche Umgebungen ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben und Schaffen: Zuvor wohnte Peter K.F. Krueger 23 Jahre lang im Vegesacker Wasserturm, den er eigenständig auf vier Etagen ausgebaut hatte. 

Auch im Schloss Wätjen packte er kräftig mit an. In den hellen Räumen mit prächtigem Gewölbe hat er sein Atelier eingerichtet. Besucherinnen und Besucher sind stets willkommen in dem farbenfrohen Kultur- und Wohnort. Neben Theater, Lesungen mit Musik, Pianoabenden und mehr können sie hier auch die Werke von Krueger bestaunen: Landschaftsbilder, Porträts oder Stillleben – einige in satten und kräftigen Farben, andere eher zart. „Heute male ich nur noch das, worauf ich Lust habe“, sagt der Künstler. 2019 widmete er eine Ausstellung dem Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer. „Das Thema berührt mich sehr.“

Mit der Street Art Cities-App durch Bremen 

Das Wandgemälde „Oma und Opa“ aber ist und bleibt Kruegers bekanntestes Werk. 2021 wurde es von dem Künstler noch einmal restauriert. Es ist nicht nur ein Bremer Wahrzeichen geworden, es hat auch als eines der ersten Straßenkunstwerke in der Stadt den Weg für weitere geebnet. Inzwischen hat Bremen den Titel als „Official Street Art City“. Ob Wandgemälde, Graffiti oder Murals an Hauswänden, Brücken und Fassaden – in der Street Art Cities-App gibt es diverse Routen, die zu eindrucksvollen Kunstwerken im öffentlichen Raum führen.

Pressekontakt:
Peter K.F. Krueger, Tel: 0170 91 23 988, E-Mail: kunst@pkfkrueger.de

Bildmaterial:        
Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.      

Foto 1: Der Künstler Peter K.F. Krueger vor seinem Wandbild. ©WFB/Jens Lehmkühler
Foto 2: Der Künstler in seinem Atelier mit dem Entwurf für das Wandbild. ©WFB/Jens Lehmkühler
Foto 3: Der Künstler lebt im Schloss Wätjen. ©WFB/Jens Lehmkühler
Foto 4: Das Wandgemälde wurde vor 50 Jahren fertiggestellt. ©WFB/Jens Lehmkühler

Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz, herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalistinnen und Journalisten geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Redaktionen den Text komplett, in Auszügen oder Zitate daraus übernehmen.   
    
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