Der Sternenhimmel als großes Bilderbuch
PressedienstIn Bremen steht eines der beliebtesten Kleinplanetarien Europas
Im Jahr 2027 feiert das Olbers Planetarium in Bremen sein 75-jähriges Bestehen. Es ist mit rund 30.000 Besucherinnen und Besuchern im Jahr eines der meistbesuchten Kleinplanetarien in Europa. Wie gelingt dem Betreiber das?
Wer das erste Mal das Olbers Planetarium in Bremen betritt, ist möglicherweise überrascht, wie klein es ist. Untergebracht in einem Bereich der Hochschule Bremen, Fachbereich Nautik und Seeverkehr, beherbergt es ein Büro und einen Mini-Kuppelsaal mit gerade mal 35 Sesseln. Von der Größe her zählt es zu den Kleinplanetarien. Auf die Besucherzahl bezogen gehört es nach eigenen Angaben in dieser Kategorie mit zu den Erfolgreichsten: 30.000 Menschen kommen zu den mehr als 1.200 Veranstaltungen pro Jahr. „Die Bremerinnen und Bremer sind begeistert vom Sternenhimmel“, sagt Leiter Andreas Vogel. Das kommt womöglich nicht von ungefähr. Ist die Hansestadt doch einer der führenden Standorte der deutschen Raumfahrt.
Meditieren unterm Sternenhimmel
Aber es ist vermutlich nicht nur das Interesse an der Astronomie, die den Erfolg erklärt. Andreas Vogel und sein Team aus studentischen Mitarbeitenden haben ein Programm zusammengestellt, bei dem jeder Gast etwas Passendes finden kann: Für größere Kinder wird das „Universum für Anfänger“ erklärt, für Kita-Kids „Die Rettung der Sternenfee Mira“ erzählt.
Für Erwachsene werden Wissensveranstaltungen wie „Von der Erde zum Universum“ als auch unterhaltsame Musikevents angeboten. „Bei den Shows von Queen oder Pink Floyd kommt echte Konzertatmosphäre auf“, schwärmt Andreas Vogel. Das Schöne sei, dass die Besucherinnen und Besucher der Events ohne astronomischen Hintergrund das Planetarium kennenlernten. „Sie kommen dann häufig wieder, um sich ein Bildungsprogramm anzusehen.“ Auch „Meditationen unter Sternen“, geleitet von einem ausgebildeten Trainer, stehen regelmäßig auf dem Programm. „Die Idee haben sogar schon andere Planetarien übernommen“, erzählt der 56-Jährige.
Der Schlüssel zum Erfolg sei die Mischung aus Bildung und Unterhaltung. „Am Ende haben die Besucherinnen und Besucher eine gute Zeit und merken gar nicht, dass sie was gelernt
haben.“ Zwar fällt die Kuppel mit einem Durchmesser von sechs Metern eher klein aus. Doch reicht die Größe aus, um darauf in einer virtuellen 360-Grad-Projektion dem Publikum einen umfassenden Einblick ins Universum zu bieten. „Der digitale Sternenhimmel hat den Vorteil, dass man richtig darin eintauchen kann“, betont Vogel. „Sobald es dunkel wird und die Sterne
erstrahlen, sind alle gebannt.“
Digitale Projektion zeigt Sonnenuntergang des aktuellen Tages
Die Technik macht es möglich, dass der Sonnenuntergang des aktuellen Tages ebenso simuliert werden kann wie der darauffolgende Abendhimmel. „Heute Abend ist es ein bisschen bewölkt“, erklärt Vogel. Auch der baldige Vollmond kündigt sich schon an. Zu sehen sind rund um den Polarstern der Große Bär, in dem der Große Wagen integriert ist, und der Kleine Bär mit dem leinen Wagen. Um das besser zu verdeutlichen, legt Vogel auf die Sterne digital die entsprechenden Figuren, zu denen zahlreiche Geschichten existieren. „Den Sternenhimmel kann man als das größte Bilderbuch der Welt bezeichnen.“
Aber das Computersystem des Planetariums berechnet nicht nur die aktuellen Sternenkonstellationen über Bremen. Es können auch Zeitreisen unternommen werden. Zum Beispiel 2.000 Jahre zurück, um zu schauen, ob es den Stern von Bethlehem tatsächlich gegeben hat. „Wir können die Sternenkonstellation plus minus 10.000 Jahre berechnen. Und wenn es nicht hochpräzise sein muss, dann auch mehrere Millionen Jahre.“
Die Geschichte des Universums auf ein Jahr verdichtet
Das ist auch nötig, wenn es um die Geschichte des Universums ab dem Urknall geht. „Weil sich keiner einen Zeitraum über 13,8 Milliarden Jahren vorstellen kann, haben wir diesen auf ein Jahr komprimiert“, erläutert der Leiter. Die Gäste erfahren, warum der allererste Stern nur kurz existiert hat. Und noch spannender: Als er explodierte, zerfiel er in unzählige Sauerstoff- und Kohlenstoff-Atome, aus denen im Laufe der Zeit letztendlich die Menschheit entstand. „Wir sind Materie, die über ihren eigenen Ursprung forscht“, sagt Vogel und lädt dazu ein, darüber erst einmal ein bisschen nachzudenken.
In einer anderen Projektion wird die Erde für einen Weltraumflug verlassen. Virtuell fliegen die Gäste durch den Sternenhimmel, durch die Milchstraße und kommen der Sonne immer näher. „Wir können mit unseren Projektionen Entfernungen zurücklegen, die ein Mensch niemals in der Lage sein wird zu erreichen“, sagt Vogel.
Die Anfänge des Planetariums gehen auf das Jahr 1952 zurück. Damals wurde es in der alten Seefahrtsschule in Bremen-Walle eröffnet. Benannt wurde es nach dem 1758 geborenen
Bremer Arzt und Astronomen Heinrich Wilhelm Olbers. Als die Hochschule mit der Fachrichtung Nautik und Schifffahrt in der Bremer Neustadt neu gebaut wurde, zog das Planetarium mit um. Im Februar 2027 feiert es sein 75-jähriges Bestehen: „Wir planen zahlreiche Sonderveranstaltungen.“
Hobby zum Beruf gemacht
Die Faszination für die Sterne begleitet Vogel bereits seit seiner Kindheit. Zum zehnten Geburtstag bekam er ein kleines Fernrohr geschenkt, das er fleißig gen Himmel ausrichtete. Nach dem Abitur studierte er nur aus Kalkül nicht Astronomie, sondern Umweltphysik an der Universität Bremen. „Es gibt nur sehr wenige Jobs für Astronomen, deswegen hatte ich mir überlegt, dass es besser sei, etwas anderes zu studieren.“ Während des Studiums arbeitete er ehrenamtlich fürs Planetarium – und als dann irgendwann später, als er schon als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni arbeitete, die Stelle des Leiters frei wurde, bewarb er sich und bekam sie. So wurde er doch noch zum Astronomen.
In Bremen geboren, hat es Vogel nie an andere Orte zum Leben gezogen. „Bremen ist eine weltoffene Stadt mit allen Annehmlichkeiten einer Großstadt“, begründet er. „Trotzdem ist sie eine Stadt der kurzen Wege.“ Auch das maritime Flair gefalle ihm. Er hat keinen Grund, seine Heimatstadt zu verlassen: „Ich habe meinen Traumjob gefunden. Wer kann schon sein Hobby zum Beruf machen?“
Pressekontakt:
Andreas Vogel, Leiter Olbers Planetarium, Tel.: +49 421 40 88 99 300, E-Mail:
mail@planetarium-bremen.de
Bildmaterial:
Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils
angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.
Foto 1: Planetariumsleiter Andreas Vogel vor einer Projektion der Erde. ©WFB/Cosima
Hanebeck
Foto 2: Der Sternenhimmel über Bremen mit den entsprechenden Sternenfiguren ©WFB/Cosima Hanebeck
Foto 3: Über den Besuchersesseln befindet sich die Kuppel. ©WFB/Cosima Hanebeck
Foto 4: Andreas Vogel im Garten der Hochschule Bremen, im Hintergrund ist eine Sonnenuhr. ©WFB/Cosima Hanebeck
Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet monatlich über Menschen und
Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz, herausgegeben von
der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um
Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalistinnen und Journalisten
geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Redaktionen den Text komplett, in Auszügen oder
Zitate daraus übernehmen.
Erfolgsgeschichten
Die Zentrale: Bremens Bühne für Singer-Songwriter
In einer ehemaligen Tabakfabrik in der Bremer Neustadt verbirgt sich mit der Zentrale ein Treffpunkt für Livemusik, Kunst und kreative Vergnügungen. Ein Geheimtipp für alle, die Bremen abseits der bekannten Bühnen und Sehenswürdigkeiten entdecken möchten.
Mehr erfahrenWie „Oma und Opa“ weltberühmt wurden
Es ist eines der Wahrzeichen der Hansestadt: Seit 50 Jahren blicken „Oma und Opa“ auf das Treiben am Bremer Rembertiring. Das Wandbild, das eigentlich den Namen „Blick aus dem Fenster“ trägt, stammt vom Künstler Peter K.F. Krueger. Es schrieb Geschichte und machte die Gesichter eines benachbarten Ehepaares bekannt.
Mehr erfahrenDas neue Erlebnismagazin Bremen & Bremerhaven ist da
Sommer an der Weser: Stöbern Sie in den Veranstaltungshighlights von Juni bis November 2026 in Bremen .
zum Magazin