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4.4.2017 - Melanie Öhlenbach

Ein Universaladapter für die Raumfahrt

Luft- und Raumfahrt

Universaladapter MA61C: Neuer Spin für die Satelliten-Technologie

Mit einem kleinen Adapter will das Start-up Space Products and Innovation UG (SPiN) die Luft- und Raumfahrt revolutionieren. Im Gespräch verrät Unternehmensmitbegründerin Giulia Federico, was hinter der kryptischen Zahlen-Buchstaben-Kombination MA61C steckt und warum die Technologie erst in Bremen entwickelt werden konnte.

Ran Qedar, Giulia Federico, Saish Sridharan – die Gesichter hinter dem Start-up Space Products and Innovation UG (SPiN)
Von vorne nach hinten: Ran Qedar, Giulia Federico, Saish Sridharan – die Gesichter hinter dem Start-up Space Products and Innovation UG (SPiN) © SPiN

Frau Federico, was macht MA61C?

MA61C steht für Multipurpose Adapter Generic Interface Connector – ein Universaladapter, der nach dem Plug&Play-Prinzip funktioniert. Er verbindet Bordrechner von Satelliten mit elektronischen Komponenten ohne die Hardware des jeweiligen Sub-Systems zu programmieren oder zu verändern. Zum Beispiel kann er einen Sensor wie einen Star Tracker für eine Satellitenstation in nur wenigen Sekunden mit einem neuen Satellitencomputer verbinden, damit dieser die Einstellung des Satelliten misst.

Und was ist daran so besonders?

MA61C kann bei jedem beliebigen Satelliten eingesetzt werden – und das spart der Branche viel Zeit und jede Menge Geld:

Etwa 40 Prozent der Produktionskosten könnten durch den Mehrzweckadapter eingespart werden.

Giulia Federico, Mitbegründerin von Space Products and Innovation UG

Dieses Geld können die Hersteller wiederum in die Serienproduktion oder die Entwicklung weiterer Satelliten oder Technologien investieren.

Mit Ihrem Universaladapter haben Sie im April 2015 den ersten Preis beim „Start Up Weekend Space“ in Bremen gewonnen. Was hat sich seitdem für Sie verändert?

Eine ganze Menge. Gleich nach dem Wettbewerb wurden wir in das Mentoren-Programm der HE Space Operations GmbH aufgenommen. Das war für uns ein großes Glück. Das Luft- und Raumfahrtcluster der Wirtschaftsförderung Bremen hat uns zusammen mit dem Zentrum für angewandte Raumfahrtforschung und Mikrogravitation (ZARM) im Anschluss an die Veranstaltung zu Fördermitteln aus den Landesmitteln der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa für die Machbarkeitsstudie für den MA61C-Prototypen verholfen. Beim Start Up Weekend Space hatten wir lediglich unsere Idee vorgestellt. Niemand hatte zuvor an einen Universaladapter gedacht.

Um den Prozess in Gang zu bringen, mussten wir ein Unternehmen gründen und Mitarbeiter rekrutieren. Sobald im September 2015 unsere Firma Space Products and Innovation UG (SPiN) eingetragen war, konnten wir an einem Businessplan arbeiten und potenzielle Kunden direkt ansprechen.

Wie ging es danach weiter?

Die Resonanz war sehr gut, so dass wir uns sicher sein konnten: Wir sind auf dem richtigen Weg. Einen besonderen Motivationsschub gab es dann noch mal Anfang 2016, als wir die ESA BIC Start-up Challenge gewannen. Das hat uns und unsere Idee auch in der Branche noch einmal sichtbarer gemacht.

Wann war der Prototyp fertig?

Im Juli 2016 haben wir zum ersten Mal den Prototypen von MA61C der Öffentlichkeit vorgestellt, im ZARM an der Universität Bremen, einem unserer Projektpartner. Die Präsentation war für uns ein ganz besonderes und aufregendes Ereignis – auch weil so viele Menschen dabei waren, die uns auf unserem Weg unterstützt haben: Fachvertreter der WFB, von Airbus, OHB System AG, Berlin Space Technologies GmbHDSI GmbH und HE Space Operations GmbH.

Zurückblickend kann ich sagen: Alles ging sehr, sehr schnell. Wir sind ja nur ein kleines Team aus fünf Personen und haben sehr hart gearbeitet und uns kaum eine Pause gegönnt.

Was war die größte Herausforderung bei der Unternehmensgründung?

Der administrative Teil.

Wir hatten keine Ahnung, was bei einer Firmengründung auf uns zukommt, wie das mit Steuern, Arbeitsverträgen oder der Unternehmensanmeldung funktioniert.

Giulia Federico, Mitbegründerin von Space Products and Innovation UG

Wir sind ein internationales Team, aber keiner von uns kommt aus Deutschland: Ran Qedar stammt aus Israel, Saish Sridharan aus Indien und ich aus Italien. In unseren Heimatländern läuft das alles anders ab.

Wie hat Sie der Willkommenservice der WFB bei der Unternehmensgründung unterstützt?

Ganz ehrlich: Der Willkommensservice hat uns gerettet. Manuel Kühn ist ein sehr hilfsbereiter und netter Mensch, der uns unglaublich unterstützt hat. Er hat für und mit uns Termine mit der Handelskammer Bremen und dem Finanzamt vereinbart, uns mit Übersetzungen, Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen geholfen und mit uns die passende Unternehmensform für das Start-up gefunden. Er hat uns Schritt für Schritt durch diesen komplizierten Prozess begleitet, war immer schnell und effizient. Das war einfach großartig. Sogar nachdem wir die Firma gegründet hatten, hat er uns begleitet und informiert, wenn wir Fragen hatten.

Start-up Space Products and Innovation UG (SPiN) plant mit einem Adapter die Raumfahrt zu revolutionieren (v.l.n.r.): Saish Sridharan, Giulia Federico und Ran Qedar
Das Start-up Space Products and Innovation UG (SPiN) plant mit einem Adapter die Raumfahrt zu revolutionieren (v.l.n.r.): Saish Sridharan, Giulia Federico und Ran Qedar © SPiN

Welche Tipps würden Sie Gründern geben?

Informieren Sie sich gut. Holen Sie sich professionelle Unterstützung, zum Beispiel bei der Wirtschaftsförderung Bremen. Und planen Sie genügend Zeit für die Unternehmensgründung ein. Der Eintrag in das Handelsregister kann durchaus eine Weile dauern. Mich persönlich hat das ziemlich nervös gemacht. Wenn wie in unserem Fall Investoren warten, ist das richtige Timing besonders entscheidend.

Abgesehen von der Unterstützung, die Sie hier erhalten haben: Was spricht aus Ihrer Sicht für den Standort Bremen?

In Bremen sind alle wichtigen Luft- und Raumfahrtunternehmen ansässig. Dazu zählen unter anderem Airbus Defence and Space und OHB. Für uns als Start-up ist Bremen aber nicht nur eine gute Ausgangsbasis. Ich denke schon, dass wir hier auch bleiben werden. Bremen an sich ist ja auch eine sehr charmante Stadt.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Luft- und Raumfahrtindustrie und wie glauben Sie, dabei helfen zu können?

Die Luft- und Raumfahrtindustrie muss effizienter und interaktiver werden. Wir wollen mit SPiN die Branche dabei unterstützen und Lösungen anbieten, die beispielsweise eine Serienproduktion ermöglichen. Dadurch können mehr und günstigere Satelliten gebaut werden.

Giulia Federico, Mitbegründerin von Space Products and Innovation UG

Wir haben auch schon weitere Ideen entwickelt. Aber mehr kann ich dazu natürlich noch nicht sagen.

Und wie geht es konkret mit MA61C weiter?

Im Moment planen wir, die Ausrüstung mit potenziellen Kunden zu testen. Wir prüfen aber bereits, eine Fertigungsstraße einzurichten, und hoffen, dass der Universaladapter demnächst in Serie produziert und verkauft werden kann. 2017 wird also ein weiteres spannendes und aufregendes Jahr für uns.

Frau Federico, vielen Dank für das Gespräch!


Ihre Ansprechpartnerin zum Thema Raumfahrt ist Dr. Barbara Cembella, Clustermanagerin Raumfahrt, Tel. +49 (0)421 9600-340, barbara.cembella@aviaspace-bremen.de.

Für Informationen zum Unternehmensservice Bremen kontaktieren Sie Agnes Knelangen, Tel. +49 (0)421 16 33 99 473, agnes.knelangen@wfb-bremen.de.

Möchten Sie Kontakt zum Willkommensservice aufnehmen, steht Manuel Kühn Ihnen gerne beratend zur Seite, Tel. +49 (0)421 163 399 477, manuel.kuehn@wfb-bremen.de.

Weitere Informationen zum Luft- und Raumfahrtsstandort Bremen finden Sie hier auf unserer Seite.

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