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Marktreife erreicht: Paketroboter aus Bremen wird der Fachwelt vorgestellt

Bremer Innovation erstmals auf der Messe „transport logistic“ vom 12. bis 15. Juni 2007 in München

Er läuft und läuft und läuft! Über viele Monate hat der Paketroboter aus einem Bremer Forschungslabor nun seine Leistungsfähigkeit bewiesen und vollkommen selbstständig lose, standardisierte Stückgüter aus Containern entladen. Das System erkennt die Pakete im Laderaum, greift sie und legt sie danach auf einem Förderband ab. In der Pilotphase bewegte die Anlage pro Stunde rund 450 Pakete, schon bald werden es 600 sein. Das sind am Tag knapp 150 Tonnen, die künftig keine Bandscheibe mehr belasten. Nun ist die Pilotierung des Hightech-Systems erfolgreich abgeschlossen. In Bremen entwickelt und dort künftig auch produziert, wird der Paketroboter nun als eines der Highlights zur internationalen Leitmesse der Transport- und Logistikbranche in den Markt eingeführt.

Messe „transport logistic“ (12. bis15.6.) in München (Halle A5 an Stand 201/302)

Der Paketroboter ist das Ergebnis eines interdisziplinären Kooperationsprojektes des Bremer Instituts für Betriebstechnik und angewandte Arbeitswissenschaft (BIBA) an der Universität Bremen, der Deutschen Post AG und dem Bremer Raumfahrtunternehmen Astrium GmbH Space Transportation, einer EADS-Tochter. Und dafür, dass die Innovation nun ihren Weg auf den Markt findet, sorgt ebenfalls ein Bremer Unternehmen: Die ThyssenKrupp Krause GmbH produziert den Paketroboter und übernimmt auch dessen Integration in die Logistikprozesse. Mit der Post-Tochter DHL Exel Supply Chain in Essen gibt es schon den ersten Kunden für das neue Produkt.

Schon während des Testbetriebes für diesen Kunden im DHL Logistikzentrum in Essen erregte das Hightech-System große Aufmerksamkeit und gilt als Weltneuheit. Inzwischen wird es im internationalen Forschungszentrum „DHL Innovation Center“ der Deutschen Post World Net in Troisdorf als beispielhafte Entwicklung präsentiert, und vier der an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler erhielten den ersten europäischen Förderpreis für Entwicklungen im Bereich der Robotertechnik und der Anwendung von Robotern.

„An derartigen Lösungen gibt es in der gesamten Logistikbranche einen erheblichen Bedarf“, wissen die BIBA-Wissenschaftler, die derzeit an einer Studie zum neuen Markt Robotik-Logistik arbeiten. Einsatzfelder für das neue System sieht Dr.-Ing. Jörg Bunke von ThyssenKrupp Krause unter anderem im Kurier-, Express und Paketmarkt (KEP), und da besonders in den ergonomisch problematischen Arbeitsbereichen. Schon die ersten Reaktionen der Logistik-Branche auf die Innovation stimmen Bunke zuversichtlich: „Mit dieser Zukunftstechnologie werden wir langfristig Arbeitsplätze sichern.“

Neues Marktsegment Robotik-Logistik in Bremen bestens besetzt

Von der ersten Idee zum Paketroboter bis zum marktreifen Produkt brauchte es nur fünf Jahre – dank einer ungewöhnlich guten Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Institutionen des Landes Bremen. Beigetragen zu dem Erfolg des Paketroboters haben neben den Projektpartnern auch die innoWi GmbH und die Bremer Investitions-Gesellschaft mbH (BIG). Die Wirtschaftförderer lieferten den initialen Beitrag zu diesem Millionen schweren Entwicklungsprojekt, und die innoWi begleitete das Vorhaben. Sie war Ansprechpartnerin für alle Fragen zu Patenten und Erfindungen.

Für den Technologiebeauftragten des Senats der Freien Hansestadt Bremen Prof. Dr. Jürgen Timm ist der Paketroboter ein Musterbeispiel der Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft in einer Schlüsselbranche des Landes Bremen: „Der Paketroboter belegt die erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit eines Forschungsinstituts und mehrerer Unternehmen. Die neue Technologie wird von einem international tätigen Logistikdienstleister genutzt und kann sich wegen des großen Anwendungsspektrums weiter verbreiten. Die Logistik ist ein Innovationsschwerpunkt des Landes Bremen und hat zentrale Bedeutung für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Wir setzen hier konsequent auf technologische Innovationen, um unsere Kompetenz als zweitgrößter Logistik-Standort in Deutschland weiter auszubauen. Ich wünsche mir mehr von diesen Kooperationsprojekten, die die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft nachhaltig stärken.“

„Diese Bremer Innovation im Bereich Transport und Logistik unterstreicht Bremens Kompetenz als zweitgrößter Logistik-Standort in Deutschland“, so Dr. Heiner Heseler, Planungschef der Bremer Senatskanzlei. Dieser Erfolg sei vor allem durch das überaus gute Zusammenwirken der renommierten Bildungs- und Forschungseinrichtungen mit Schwerpunkt Logistik im Land Bremen möglich geworden.
Die Logistikbranche umfasst in Bremen und Bremerhaven insgesamt knapp 1.300 Unternehmen mit einem Umsatz von 4 Milliarden Euro und 24.000 Beschäftigten (2005). Das Land Bremen fördert den Technologietransfer für derzeit über 40 Innovationsprojekte in Wirtschaft und Wissenschaft.

Durch das hervorragende Know-how und dieses perfekte Zusammenspiel am Logistik-Standort Bremen konnte sich ein weiterer Schwerpunkt herausbilden. Sowohl in Wissenschaft als auch in Wirtschaft ist dieses neue Feld „Robotik-Logistik“ in Bremen bestens besetzt.

Hintergrund - Das System „Paketroboter“

Das System entlädt deckenhoch und auch engstens bepackte 20- bis 40-Fuß-Container und Wechselbrücken. Das sind die „Container“, die ohne Zugmaschine auf Stelzen an den Laderampen stehen. Nur drei Meter breit und als ein Leichtgewicht steht der Paketroboter problemlos auf jeder Laderampe oder in jeder Wechselbrücke. Ob schief oder lückenlos gestapelt, das System registriert jedes Paket. Aber die Anlage kann noch mehr.

Das System lässt sich in vielfältige Logistikprozesse integrieren und bietet die Möglichkeit, den Wareneingang vollständig zu automatisieren. Der Entladeprozess kann zum Beispiel mit der Palettierung und Kommissionierung, dem Zusammenstellen von Waren, gekoppelt werden. Entlädt der Paketroboter im Wareneingang die Container oder Wechselbrücken, kann die Ware im folgenden Prozess mit einem zusätzlichen Industrieroboter sortenrein oder auftragsbezogen auf Paletten gestapelt werden. Für das sichere Erkennen müssen hierfür die Stückgüter mit RFID-Tags versehen sein. Das sind Chips, die Daten zur Kennzeichnung der Waren enthalten; RFID steht für „Radio Frequency Identification“ und bedeutet Funkerkennung. Im Testbetrieb wurde das bereit erfolgreich nachgebildet. Mit dieser Lösung, die verschiedene Technologien miteinander verknüpft, kann die Schnittstelle zwischen Transport- und Distributionssystem automatisiert werden und schafft damit neue Nutzungsmöglichkeiten innerhalb der derzeitigen Logistiknetze.

Weitere Informationen und Ansprechpartner:
www.robotik-logistik.de
www.biba.uni-bremen.de
www.thyssenkrupp-krause.de
www.dpwn.de (Suche Paketroboter)
www.dhl-innovation.de
Dr.-Ing. Wolfgang Echelmeyer
Telefon: 0173 616 36 83, E-Mail: ech@biba.uni-bremen.de
Dr.-Ing. Jörg Bunke
Telefon: 0421 68 88-50 00, E-Mail: joerg.bunke@thyssenkrupp.de