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Bremer „Kaffeerob“ hat seinen ersten öffentlichen Auftritt

BIBA-Wissenschaftler entwickeln System, das automatisch Kaffeesäcke greifen und aus Containern entladen kann

Das ist schwere Arbeit: den Kaffeesack anheben und wuchten, zur Palette tragen und ablegen, dann zurück und den nächsten Sack holen. Bis unter die Decke sind die Container aus Übersee damit bepackt. Jeder Sack wiegt, je nach Herkunftsland, zwischen 60 und 70 Kilogramm. Nur zu zweit dürfen sie getragen werden, und dennoch geht die Arbeit an den Rücken. Entwicklungen des Bremer Instituts für Produktion und Logistik GmbH (BIBA) an der Universität Bremen sollen hier nun Erleichterung schaffen. In dem Forschungsprojekt „Kaffeerob“ wurden elementare Komponenten für ein System zur „roboterbasierten und automatische Entladung von Sackware aus Containern“ entwickelt. Nun werden sie der Öffentlichkeit präsentiert – auf der weltweit größten, international ausgerichteten Intralogistik-Messe CeMAT vom 27. bis 31. Mai in Hannover (BIBA-Stand: Halle 27, Stand D12/1) Das Robotersystem kann die Stapelsituation im Container erkennen, die Säcke mit einem speziellen Greifer aufnehmen und sie künftig auch auf einem Förderband ablegen können. Es besteht aus einem Roboter, einer Bilderkennung, einem Greifsystem und einer Fördertechnik. „Kaffeerob“ erkennt die Stapelsituation im Con-tainer mittels eines 3D-Laserscanners, bestimmt über die Software die Lage des zu entladenden Sackes, greift ihn und platziert ihn auf einem Förderband. An das Förderband kann eine Palettiervorrichtung ange-schlossen werden, die die abtransportierten Säcke auf Paletten stapelt. In Zusammenarbeit mit der Berthold Vollers GmbH hat das BIBA prototypisch Einzelkomponenten des Robo-tersystems entwickelt und in einer ergänzenden Machbarkeitsstudie auf seinen möglichen Einsatz, seine Einsetzbarkeit und seine Wirtschaftlichkeit hin untersucht. Ein Demonstrator weist die mögliche Umsetzung des Systems nach. Das Projekt wurde von der Bremer Investitions-Gesellschaft mbH (BIG) mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Mit diesem Programm soll die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen gesichert und verbessert werden. „Eine besondere Herausforderung in diesem Projekt war das Greifsystem“, sagt Projektleiter Dr.-Ing. Wolf-gang Echelmeyer. „Es gab bislang weltweit keine Lösung für die Entladung von losem Stückgut dieser Form mit einem derart hohen Gewicht.“ Der Wissenschaftler aus dem BIBA-Bereich „Intelligente Produktions- und Logistiksysteme“ (IPS) ist Robotik-Logistik-Experte und hat sich mit der Entwicklung des Paketroboters einen Namen gemacht. Das System ist international auf großes Interesse gestoßen und inzwischen erfolgreich eingesetzt. Auch auf die Erfahrungen aus dieser Entwicklung konnte das BIBA nun zurückgreifen. „Die Kaffeesäcke sind nicht nur schwer, sondern auch schlecht zu handhaben“, sagt BIBA-Wissenschaftler Dipl.-Wi.-Ing. Matthias Burwinkel. Zudem bestünden sie aus einem Jute- oder Sisal-Gewebe. Auch daran habe man denken müssen. Das ein oder andere Mal habe er während der Testphasen des „Kaffeerob“ in der BIBA-Halle daher also auch zum Besen greifen und Kaffeebohnen zusammenkehren müssen. Aber auch das gehöre dazu, sagt der Wissenschaftler lachend zu seiner Forschungsarbeit. Nun laufe das System jedoch – auch ohne irgendwelche Löcher in die Säcke zu reißen. Das freut natürlich den Spediteur. Projektpartner Vollers agiert europaweit, und allein in Bremen wurden im vergangenen Jahr knapp 200.000 Tonnen Rohkaffee bewegt. Davon gut 64.000 Tonnen in Säcken. „Uns geht es bei dem Projekt vor allem um die ergonomisch schwer belasteten Arbeitsplätze“, beschreibt Christian Vollers seine Motivation, sich in diesem Vorhaben zu engagieren. Die Arbeit solle künftig leichter werden, und lange habe man hier nach praktikablen Lösungen gesucht, sagt der Geschäftsführer des Bremer Traditionsunternehmens. Er hatte vom BIBA-Paketroboter gelesen und den Standortvorteil genutzt: „Da hatten wir doch die richtigen Logistik- und Robotik-Spezialisten gleich nebenan“, meint er. Nun denkt er über den Einsatz des Systems in seinem Unternehmen nach. „Damit können wir auch künftigen Anforderungen an die Ergonomie von Arbeitsplätzen entsprechen.“