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13.4.2017 - Corinna Lauchbach

Frisches ins Glas – Katharina Borgmann gibt der jungen deutschen Winzerszene mit ihrer wein.heimat eine Plattform

Start-ups
Wein ist Wein und Schnaps ist Schnaps? Von wegen.

Insbesondere, wer neue und innovative Produkte sucht, kann sich bei und von Katharina Borgmann überraschen lassen. Seit September 2016 hat sie in der Bremer Innenstadt im „citylab“ am Hanseatenhof ihre wein.heimat eröffnet. Das Angebot der 32-jährigen Gründerin dreht sich ausschließlich um Weine junger Winzer und Brände kleiner Start-Up Brennereien. Es ist deutschlandweit das einzige Ladengeschäft, das sich auf die Erzeugnisse der „Generation Riesling“ spezialisiert hat.

Frisches ins Glas + wein.heimat-Gründerin Katharina Borgmann
Keine alten Kamellen: Seit September 2016 gibt es in Katharina Borgmanns wein.heimat ausschließlich Wein junger Winzern zu entdecken © Jörg Sarbach

Weintrinken, das muss keine Wissenschaft sein. „Ein guter Wein ist einer, der schmeckt“, sagt Katharina Borgmann schlicht und will damit vor allem Schwellenängste zu dem Thema abbauen. Wer zu der umtriebigen Jungunternehmerin in den Laden kommt, der darf durchaus sagen, dass er am liebsten süßen Wein mag oder das Etikett der Flasche in der Auslage ansprechend findet. „Dann taste ich mich Schritt für Schritt mit den Kunden an eine Sorte ran“, erklärt sie. Bei ihr an der hölzernen Ladentheke darf und soll probiert werden. Wer hingegen fachsimpeln möchte, auch der ist bei ihr richtig. Katharina Borgmann entscheidet nicht nur mit dem Gaumen über „Hopp“ oder „Topp“, sie ist anerkannte Beraterin für deutschen Wein, Deutsches Weininstitut, und weiß durchaus, worüber sie urteilt.

Jung, wild, überraschend

„Fließiges Lieschen“ (Riesling Rheinhessen), „Männermischung“ (Cuvée Rot, Pfalz), „Wild wild white“ (Cuvée trocken, Franken) oder „Paranoia“ (Pinot Noir, Pfalz), wer durch die Arrangements ihres offenen Ladengeschäftes stöbert, der kann reichlich Ungewöhnliches entdecken. Nicht wenige Etiketten sorgen zunächst für einen Schmunzler und dann den Griff ins Regal. Die gut 500 Mitglieder der „Generation Riesling“ sind kreativ, ehrgeizig und innovativ. Derzeit hat sie Weine von 28 Nachwuchswinzern (bis 35 Jahre) im Angebot. Fast wöchentlich bekommt Borgmann Probierpakete zugeschickt. Die junge Szene sei froh, dass es  eine Adresse gebe, bei der es ausschließlich um sie geht. Von 13 deutschen Weinregionen fehlen ihr noch drei – Sachsen, Ahr, Baden – „da ist es allerdings schwer, Bretter zu bohren“.

Frisches ins Glas + wein.heimat-Gründerin Katharina Borgmann im citylab
Katharina Borgmann gründete in Bremen das bundesweit einzigen Ladengeschäft, das sich auf die Erzeugnisse der „Generation Riesling“ spezialisiert hat © Jörg Sarbach

Auf die Geschichte kommt es an

Nicht nur der Wein muss für Katharina Borgmann stimmen, um es in ihre Auslage zu schaffen. „Das sind alles ausnahmslos Spitzenweine“, betont sie. Sie will jedoch nicht einfach nur gute Einsteigerweine zu einem soliden Preis (das Gros bewegt sich zwischen 7 und 10 Euro) verkaufen. Wichtig ist die Geschichte, die ein Winzer mit seinem Produkt erzählen will. Idealerweise gebe es eine eigene Linie. Gefragt sind Leidenschaft, neue Wege, ungewöhnliche Werdegänge. Zu allen Winzern hält Katharina Bergmann engen Kontakt, will sie und die Produkte verstehen. In ihrem Laden hängen Fotos der „jungen Wilden“. Handarbeit sei wieder sehr gefragt, betont Borgmann und ergänzt: „Die Flaschen hier sind keine Massenware.“ Ihr Bestseller ist im Übrigen ein fruchtiger Riesling mit Zitrus-, Apfel-, Pfirsichnote: „Glaube, Liebe, Hoffnung“.

Ein guter Wein ist einer, der schmeckt.

Katharina Borgmann, wein.heimat

Experimentierfeld „citylab“

Wenn Katharina Borgmann wollte, dann könnte sie ohne Umschweife eine Filiale eröffnen. Regelmäßig kommen Anfragen, wann man ihre Weinauswahl auch in Hamburg und andernorten kaufen könne. Doch das ist für die Gründerin noch Zukunftsmusik. Sie will sich zunächst in Bremen etablieren und ist froh, im „citylab“ im ehemaligen Lloydhof ein Experimentierfeld für den Einzelhandel gefunden zu haben. Die Flächen werden zeitlich gebunden zu einem günstigen Mietpreis an Gründer vergeben. Ihr wichtiges Utensil ist nicht etwa der Korkenzieher, sondern die Sackkarre. Katharina Borgmann managt den Laden allein. Sechs Tage die Woche steht sie in ihrem Geschäft, regelt Einkauf, Marketing und Buchhaltung – „hier zahlt sich meine kaufmännische Ausbildung beim Steuerberater aus“, schmunzelt Borgmann, die zuletzt nach dem Studium Medienwirtschaft und Journalismus im Online Marketing einer Agentur gearbeitet hat. Schon länger trug sie ein kleines gelbes Büchlein mit einem „Plan B“ mit sich herum. Im vergangenen Jahr wagte sie dann den Sprung in die Selbstständigkeit. Warum ausgerechnet Wein? „Weil mir selber dieses spezifische Angebot gefehlt hat“, sagt Katharina Borgmann, die trotz Schnapsregion Emsland in einer weinaffinen Familie aufgewachsen ist.

Frisches ins Glas + wein.heimat im citylab
Hier darf probiert werden: In der wein.heimat von Gründerin Katharina Borgmann spielen Weine junger Winzer und Brände kleiner Start-Up Brennereien die Hauptrolle © Jörg Sarbach

Gut vernetzt

Der Laden im „citylab“ ist für sie ein Versuchsballon. Gelernt habe sie bereits, dass man im Einzelhandel sehr starke Nerven braucht. Und Geduld. „Ein unberechenbares Geschäft“, sagt sie und ist sich dennoch sicher, hier angekommen zu sein. Das Thema, die Lieferanten, die Kunden, Katharina Borgmann fühlt sich in ihrem Element. Wenn sie gemeinsam mit einem Kunden einen neuen Lieblingswein gefunden habe, dann seien das schon „tolle Erlebnisse“. Immer noch kommen viele potenzielle Kunden eher zufällig in den Laden, fühlen sich vielleicht von der Frage „Bock auf Wein?“ im Schaufenster angesprochen. Wichtiger (Vertriebs-)Kanal sind für die Wahlbremerin ohne Wenn und Aber die sozialen Medien. Hier tummelt sich die Zielgruppe.

Auf Facebook und Instagram (#deineweinheimat) stellt sie nicht nur Neuentdeckungen vor, im Netz findet sie auch neue Winzer. So geht das heute.
Und wie findet man nun den passenden, schmeckenden Wein? „Achten Sie auf den Trinkfluss und auf das, was Nase und Gaumen sagen“, so ihr Tipp. Und weiter: „Auch wenn es im Supermarkt mittlerweile durchaus gute Weine gibt, man schmeckt den Unterschied zu einem günstigen Produkt. Wein ist ein dankbares Feld, umso wichtiger ist es, die Scheu davor zu verlieren.“


Kontakt: wein.heimat, Katharina Borgmann, „citylab“, Hanseatenhof 3, 28195 Bremen. moin@deineweinheimat.de

Kontakt: citylab, Karin Take, WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, info@citylab-bremen.de


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Foto 1: Keine alten Kamellen: Seit September 2016 gibt es in Katharina Borgmanns wein.heimat ausschließlich Wein junger Winzern zu entdecken © Jörg Sarbach

Foto 2: Katharina Borgmann gründete in Bremen das bundesweit einzigen Ladengeschäft, das sich auf die Erzeugnisse der „Generation Riesling“ spezialisiert hat © Jörg Sarbach

Foto 3: Hier darf probiert werden: In der wein.heimat von Gründerin Katharina Borgmann spielen Weine junger Winzer und Brände kleiner Start-Up Brennereien die Hauptrolle © Jörg Sarbach


Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet bereits seit Juli 2008 monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen arbeitet ähnlich wie ein Korrespondentenbüro. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalisten für Journalisten geschrieben werden.

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