Wo sich Biene und Agave gute Nacht sagen
Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft25 Jahre Sonnentracht GmbH: Im Dienst der Süße
Seit 25 Jahren zählt die Sonnentracht GmbH aus Bremen zu den etablierten Anbieter:innen für natürliche Süßungsmittel und Kokoszutaten. Ihre Produkte stehen in nahezu jedem Supermarktregal.
245 Euro geben die Deutschen im Durchschnitt pro Jahr für Süßwaren aus. Honig auf dem Frühstücksbrot, ein Eis zum Nachtisch, Kuchen zum Kaffee oder Schokolade am Abend: Die Lust auf Süßes bleibt ungebrochen.
Verändert hat sich allerdings der Blick auf die Zutaten. Alternativen zu raffiniertem Zucker wie Honig, Agavendicksaft oder Kokosblütenzucker finden sich längst nicht mehr nur in Rezeptblogs, sondern gehören zum Standardsortiment vieler Supermärkte – zunehmend auch in Bioqualität.
25 Jahre Sonnentracht GmbH: Biopionier erster Stunde
Zu dieser Entwicklung hat auch ein Bremer Unternehmen beigetragen: die Sonnentracht GmbH. 2001 als Imkereiunternehmen gegründet, kamen im Laufe der Zeit Kokosprodukte, Agavendicksaft und Süßungsmittel auf Basis von Ahorn oder Reis hinzu, zudem Grundstoffe für die Nahrungsmittelindustrie wie Backmittel, Öle und Fette oder Pulver – alles zu 100 Prozent Bio.
„Unser Interesse für diese alternativen Süßungsmittel kam nicht von ungefähr“, erinnert sich Karin Lang, die mit ihrem Mann Gerrit im Jahr 2001 das Unternehmen gründete. Ihr Schwiegervater Walter Lang gehörte zu den frühen Pionieren der Biobewegung und importierte bereits in den neunziger Jahren erstmals Agavendicksaft nach Deutschland.
Heute gehört Sonnentracht zur Walter-Lang-Gruppe. Dazu zählt unter anderem auch die Walter Lang GmbH, die ebenfalls Honig und Süßungsmittel vertreibt. Damit ist die Gruppe der größte Importeur von Biohonig in Europa und Marktführer. Hinzu kommt Honig aus eigener Produktion, etwa von den rund 500 Bienenvölkern, die Sonnentracht weiterhin in der Region Kassel betreibt.
„Damals wollten wir unser Wissen erweitern und einen eigenen Erfahrungsschatz zur ökologischen Bienenhaltung erweitern, um es an unsere Partner weiterzugeben – etwa in Südamerika“, sagt Karin Lang. Denn Bio-Produkte mit ihren hohen Anforderungen verlangen umfassendes Know-how rund um Produktion und Zertifizierung.
In jedem Haushalt zu finden
Ein Großteil des importierten Honigs wird heute als White-Label-Produkt verkauft – die Süßspezialist:innen aus Bremen füllen für Lebensmittelkonzerne und Drogeriegrößen Honiggläser und -Spender nach deren Vorgaben und mit deren Labels ab. Zu den Kundinnen und Kunden gehören zahlreiche bekannte Handelsmarken. Karin Lang ist deshalb überzeugt, dass heute in nahezu jedem deutschen Haushalt Süßungsmittel aus Bremen stehen.
Der Anteil reiner Bio-Produkte wächst dabei kontinuierlich. „Tatsächlich ist der Bio-Bereich einer der wenigen im Lebensmittelhandel, der in den vergangenen Jahren solide Wachstumsraten verzeichnet“, führt Lang weiter aus. Dieses Wachstum spiegelt sich auch im Unternehmen wider: Heute beschäftigt Sonnentracht rund 80 Mitarbeitende, 2012 waren es noch fünf.
Bereits 2017 kaufte das Unternehmen ein 10.000 Quadratmeter großes Nachbargrundstück, um zusätzliche Produktions- und Lagerflächen zu schaffen. Weitere Erweiterungsflächen am Standort im Bremer Gewerbegebiet Hohentorshafen hält die Unternehmensgruppe bereits vor.
„Wir fühlen uns hier sehr wohl, sind genau am richtigen Ort. Unsere Beschäftigten haben kurze Arbeitswege, die Häfen liegen in direkter Nachbarschaft und wir finden Fachkräfte. Auf dem Land sollen die Bienen fliegen, wir gehören in die Stadt!“, erklärt Karin Lang, die besonders gern zum eigenen Lavendelhonig greift – aber auch beim Karamellsirup schwer nein sagen kann.
Nachhaltigkeit in jedem Alltagsbereich
Für die Angestellten betreibt die Walter-Lang-Gruppe eine eigene Kantine, die jeden Tag aufs Neue vegetarische und vegane Gerichte zaubert – und auch die Beschäftigten einiger Nachbarunternehmen mitversorgt. Auf dem Dach erzeugt eine PV-Anlage Strom, die durch ein Blockheizkraftwerk im Winter ergänzt wird; die Firmenfahrzeuge fahren im Elektrobetrieb. Kurz: Karin und Gerrit Lang leben Nachhaltigkeit in allen Dimensionen vor. Sonnentracht engagiert sich zudem im Bremer Netzwerk „Partnerschaft Umwelt Unternehmen“ und erhielt 2021 den Klimaschutzpreis der gemeinnützigen Klimaschutzagentur energiekonsens.
„Bremen ist in vielen Bereichen Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und wir freuen uns, daran einen Anteil zu haben“, so Karin Lang. Ihre Erfahrungen teilen sie und ihr Mann bewusst mit anderen Unternehmen. „Gerade Bio-Unternehmen sollten sich stärker austauschen. Die Anforderungen rund um Lieferketten und Lebensmittelimporte sind in den vergangenen Jahren deutlich komplexer geworden. Gleichzeitig passen viele Regularien nicht immer zu unseren Produktionsweisen und Ansprüchen. Gemeinsam können wir mehr erreichen.“
Die Zukunft liegt auch in den Eigenmarken
Auch wenn Karin und Gerrit Lang die operative Führung ihres Geschäfts nach vielen Jahren an den Geschäftsführer Alexander Drees abgegeben haben, bleiben sie nach wie vor eng mit dem Unternehmen verbunden.
Besonders am Herzen liegen Lang auch die Eigenmarken von Sonnentracht. Mit „agava“ und „Serapis Culinar“ beliefert das Unternehmen unter anderem Biomärkte mit Back- und Kochzutaten rund um natürliche Süßungsmittel. Ganz neu sind Proteinsnacks unter der Marke „POP – Pure organic performance“.
„Über unsere Eigenmarken testen wir neue Produkte und Innovationen direkt am Markt“, erklärt Lang. „So erkennen wir früh, welche Produkte auf Interesse stoßen und können sie später auch unseren Kundinnen und Kunden anbieten. Gleichzeitig nutzen wir unsere Produktionskapazitäten effizienter.“
Und schaffen einen Markt, den das Unternehmen auch für die kommenden Jahre auf Wachstumskurs hält. Für Karin Lang steht dabei trotz aller Marktchancen vor allem eines im Mittelpunkt: „Schmecken muss es.“
Und ganz zuletzt gibt sie uns noch eine Empfehlung mit auf den Weg: Greift zum Kokosblütenzucker! „Kein raffinierter Zucker – aber wer es nicht weiß, merkt kaum einen Unterschied. Einfach lecker.“
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