Gleistein: Hightech-Seile aus Bremen-Blumenthal für die Welt
Maritime Wirtschaft und LogistikGleistein versorgt als Hidden Champion die Welt
Mehr als 5.000 Meter Seil entstehen täglich bei der Gleistein GmbH in Bremen-Blumenthal. Das Unternehmen ist ein echter Hidden Champion: international gefragt und seit mehr als 200 Jahren ein Beispiel dafür, wie sich traditionelles Handwerk stets neu erfinden kann. Warum Handarbeit dabei immer noch eine große Rolle spielt.
Sie kommen bei Schwerlastkränen, bei Sicherheitsanwendungen oder auf Spielplätzen zum Einsatz: Das Bremer Unternehmen Gleistein zählt zu den führenden Herstellern von High-Tech-Seilen. Diese kommen weltweit vor allem in maritimen Bereichen zum Einsatz, aber eben auch in ganz anderen Bereichen. „Als Vollsortimenter fertigen wir Seile von sehr dünn bis sehr dick und haben uns damit viele Märkte erschlossen“, sagt Jan Paul, Gesellschafter von Gleistein.
Besonders sichtbar wird die Bedeutung der Seile in der Schifffahrt. Wenn große Containerschiffe sicher im Hafen festmachen, sind hochwertige Taue gefragt, die enormen Belastungen standhalten. Genau hier liege eine der Stärken des Bremer Unternehmens, so Paul: Seile zu entwickeln, die leicht, haltbar, widerstandsfähig und präzise auf ihren späteren Einsatz abgestimmt sind.
Prinzip ähnelt einem geflochtenen Haarzopf
Am Anfang jedes Seils stehen feine Kunststofffasern, die Filamente. Gleistein verarbeitet unter anderem Nylon, Polyester und Polypropylen. Die einzelnen Fasern sind dünner als ein Haar und werden meist extern eingekauft, berichtet der Geschäftsführer. Im Werk in Bremen-Blumenthal oder am Standort Slowakei kommen sie auf Spulen an – als sogenannte Multifilamente.
Damit aus diesen feinen Fasern belastbare Seile entstehen, durchlaufen sie mehrere Arbeitsschritte. Zunächst werden die Filamente in Zwirnmaschinen zu Garnen verdreht. Dadurch erhalten sie Halt im Verbund und gewinnen an Widerstandsfähigkeit sowie Formstabilität. Aus vielen Garnen entstehen anschließend in speziellen Maschinen dickere sogenannte Litzen, also schraubenförmig geformte Bündel. Sie bilden die Grundlage für das spätere Seil, werden imprägniert, eingefärbt und auf Spulen gewickelt.
Erst danach folgt der entscheidende Schritt: In Flechtmaschinen werden die Litzen zum fertigen Seil verarbeitet. Das Prinzip ähnelt einem geflochtenen Haarzopf – nur mit deutlich höheren technischen Anforderungen, sagt Paul. Zugleich lässt sich jedes Seil wie in einem Baukastensystem an unterschiedliche Anforderungen anpassen – etwa an Gewicht, Dehnung, Durchmesser oder Weiterverarbeitung.
Vom hauchdünnen Tauwerk bis zum baumdicken Spezialseil
Gleistein produziere heute fast ausschließlich auf Bestellung, so Paul. Jedes Seil entstehe erst dann, wenn Kundinnen und Kunden es benötigen. Der Grund: Die Anforderungen seien extrem unterschiedlich. Bei einer Rennyacht zählt jedes eingesparte Gramm. Bei Containerschiffen stehen Stabilität, Langlebigkeit und einfache Handhabung im Vordergrund – auch unter rauen Bedingungen.
Mehr als 5.000 verschiedene Seiltypen umfasst das Sortiment des Unternehmens. Vom hauchdünnen Tauwerk bis zum baumdicken Spezialseil deckt Gleistein eigenen Angaben zufolge eine enorme Bandbreite ab. Die Arbeit endet nicht an der Werkstür. „Der Kern unserer Wertschöpfung liegt hier in Bremen. Aber damit sind die Seile noch nicht im Einsatz“, sagt Jan Paul. Deshalb seien Serviceteams weltweit unterwegs, um Kundinnen und Kunden bei Wartung, Reparatur und Beurteilung der Seile zu unterstützen.
200 Jahre Wandel – und immer neue Märkte
Die Seilerei gehört zu den ältesten Handwerken der Welt. Die Geschichte von Gleistein begann 1824, als Kapitän Georg Gleistein aus Bremen-Vegesack die Erlaubnis erhielt, eine Seilerei aufzubauen. Damals war Vegesack ein bedeutender Hafen an der Weser.
„Früher entfiel ein erheblicher Teil des Schiffswerts auf Seile. Mit der Dampfschifffahrt veränderte sich der Markt grundlegend“, sagt Jan Paul. Viele Seilereien verschwanden. Gleistein dagegen passte sich an, investierte in Maschinen, erschloss neue Märkte und entwickelte sich Schritt für Schritt weiter, wie Jan Paul berichtet.
Auch später sei die Veränderung ein ständiger Begleiter geblieben. Während Segelschiffe noch große Mengen Tauwerk benötigten, machen Seile heute nur noch einen sehr kleinen Teil bei modernen Containerschiffen aus. Hinzu kam ab den 1970er- und 1980er-Jahren stärkere internationale Konkurrenz, insbesondere aus Fernost. Gleistein habe mit unternehmerischer Weitsicht reagiert: 1997 eröffnete das Unternehmen ein Werk in der Slowakei und konzentrierte sich zugleich immer stärker auf Hochtechnologie.
Ein Beispiel dafür seien Seile aus der extrem festen Kunststofffaser Dyneema. Bei gleicher Zugfestigkeit wie Stahl ist sie bis zu zehnmal leichter. Aus diesen Fasern flechtet Gleistein unter anderem „DynaOne“, einen Bestseller des Unternehmens, der etwa im Segelsport eingesetzt wird. Solche Innovationen tragen dazu bei, dass Gleistein international wettbewerbsfähig bleibt, wie Paul betont.
Der Anteil an Handarbeit nimmt wieder zu
Trotz moderner Maschinen ist die Seilerei kein vollautomatisierter Industriezweig. Im Gegenteil: Bei Gleistein spielt Handarbeit weiterhin eine wichtige Rolle. „Das klingt vielleicht anachronistisch, aber der Anteil der Handarbeit nimmt seit einigen Jahrzehnten wieder zu“, sagt Jan Paul. Der Grund liege in der wachsenden Komplexität der Produkte. Viele Seile müssen so vorbereitet werden, dass sie direkt im Einsatz genutzt werden können.
Damit bleibe der Beruf des Seilers und der Seilerin anspruchsvoll und vielseitig. „Er verbindet Maschinenverständnis, Präzision, handwerkliches Können und Innovationsfreude“, betont Paul.
Pressekontakt: Jan Paul, Special Solutions Development, paul@gleistein.com
Bildmaterial: Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.
Foto 1: Anke Laabs, Prokuristin und Jan Paul, Special Solutions Development bei Gleistein ©Gleistein
Foto 2: Das Kreuzfahrtschiff "Sky Princess" - sicher im Hafen vertäut dank Gleistein-Seile ©Gleistein
Foto 3: Geflochtene Seile sind heute Industrie-Standard ©Gleistein
Foto 4: Der Anteil der Handarbeit nimmt bei Gleistein seit Jahren zu, denn die Produkte werden immer individueller. ©Gleistein
Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz, herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalistinnen und Journalisten geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Redaktionen den Text komplett, in Auszügen oder Zitate daraus übernehmen. Bei Fragen schreiben Sie einfach eine E-Mail an: pressedienst@bremen.de
Erfolgsgeschichten
Der KI-Standort Bremen – Die neue WFB News ist da!
Bremen wird im August zum Zentrum der Künstlichen Intelligenz: Die internationale KI-Konferenz IJCAI bringt über 3.500 Forschende in die Hansestadt. Erfahren Sie im Titelthema, wie Bremer Unternehmen KI erfolgreich einsetzen und welche Chancen der „Summer of AI“ bietet.
zur WFB NewsDeutschland zu Gast in Bremen
„Viele Stärken – ein Land“ – unter diesem Motto stehen die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Vom 2. bis zum 4. Oktober 2026 werden in Bremen rund 400.000 Gäste erwartet. Bei Lars Ehlers laufen die Fäden für das große Bürgerfest zusammen.
Mehr erfahrenNützlicher Ballast - Forschende entwickeln gesunde Ergänzung für Tiefkühlkost
Sie schmeckt (meist) lecker. Doch Tiefkühlkost ist nicht immer gesund. Ballaststoffe können TK-Pizzen und Co. verbessern. Ein Forschungsteam der Hochschule Bremerhaven entwickelt mit Partnerinnen und Partner aus der Lebensmittelwirtschaft Zutaten und Rezepte. Welche Rolle Bier dabei spielt.
Zur BIS Bremerhaven