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8.5.2019 - Nina Svensson

Linhorn: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Internationales
Einzige europäische Niederlassung der chinesischen Linhorn-Gruppe hat ihren Sitz in Bremen
Linhorn-Geschäftsführer Zhaohang Lu (links) und Einkaufsmanager Song Xing bei der Warenkontrolle in ihrem Lager.
Linhorn-Geschäftsführer Zhaohang Lu (links) und Einkaufsmanager Song Xing bei der Warenkontrolle in ihrem Lager. © WFB/Pusch

Zur chinesischen Linhorn Gruppe mit Hauptsitz in Shanghai gehören insgesamt sieben Tochterunternehmen. Sechs davon sind in Tianjin, Shanghai und Shenzhen ansässig, aber nur eins in Europa: Die Linhorn Industrietechnik GmbH wurden 2015 in Bremen gegründet. Über Einkaufsmanager Song Xing läuft der europäische Einkauf von Industrieteilen wie zum Beispiel Maschinenbauteile, Werkzeuge, Armaturen, Sensoren oder Ventile für die gesamte Linhorn-Gruppe.

Zhaohang Lu hat 2007 Linhorn als mittelständisches Handelsunternehmen für Industrieteile in China gegründet. Jedes Tochterunternehmen hat einen eigenen Schwerpunkt, sei es die Belieferung der Stahl-, Lebensmittel-, Pharma- oder Chemieindustrie. Im Laufe der Zeit wurde das Portfolio erweitert, heute bietet Linhorn unter anderem auch Beratung, Konzeption und After-Sale-Service. Somit wurde auch der Bedarf an Industrieteilen europäischer Hersteller immer größer, und Lu suchte einen Partner für den Einkauf und eine verlässliche Qualitätskontrolle.

Diesen fand er auch und gründete mit ihm 2011 eine gemeinsame Gesellschaft in Bremen. „Es sollte ein Standort in Deutschland sein, zunächst war Nordrhein-Westfalen in der engeren Auswahl“, berichtet Lu. In dem Ballungsgebiet sind viele Unternehmen und zudem auch viele Chinesen ansässig. „Aber über Lu Wang von Bremeninvest sind wir auf Bremen aufmerksam geworden, hier sind unter anderem Gewerbesteuern und Lebenshaltungskosten etwas niedriger. Die WFB hat uns sehr gut beraten und bei der Gründung begleitet.“ 2015 entschied sich Zhaohang Lu, eigene Wege zu gehen und mit der Linhorn Industrietechnik GmbH ein eigenes Unternehmen in Bremen zu gründen.

Linhorn-Geschäftsführer Zhaohang Lu entschied sich 2015, ein eigenes Unternehmen in Bremen zu gründen.
Linhorn-Geschäftsführer Zhaohang Lu entschied sich 2015, ein eigenes Unternehmen in Bremen zu gründen. © WFB/Pusch

Qualitäts-Check vor dem Versand nach China

Wieder war die WFB behilflich, dieses Mal vor allem bei der Suche nach einem geeigneten Standort für Büro und Lager. „Jedes Teil, das wir für Linhorn bestellen, wird erst bei uns geprüft, bevor wir es weiter nach China schicken“, sagt Song Xing. Ist es wirklich neu, komplett und nicht beschädigt? Dann werden die Teile gesammelt nach China geschickt. Hochwertige Kleinteile gehen per Luftfracht raus, große im Container per Seefracht. Entsprechend groß und flexibel muss der Lagerbereich mit Anlieferung sein – im Justus Grosse Büropark in Woltmershausen hat Linhorn ideale Bedingungen vorgefunden, zudem ist das Güterverkehrszentrum GVZ ganz in der Nähe.

Während sich Zhaohang Lu viel um seine Unternehmen in China kümmert, hat Song Xing in Bremen alles fest im Griff. Er hat in China Transport- und Verkehrswesen studiert und kam 2009 als Austauschstudent nach Deutschland. Zunächst war er zwei Jahre in Erfurt, dann lernte er den Geschäftsführer von Unicon Logistics kennen und wechselte 2011 nach Bremen. Zunächst für ein Praktikum, dann folgte eine Festanstellung bei Unicon. Darüber lernte er Zhaohang Lu kennen, der ihm ein Angebot machte. So wechselte Xing im April 2016 zur Linhorn Industrietechnik GmbH. „Im ersten Jahr hatten wir einen Umsatz von einer Million Euro, im vergangenen Jahr waren es bereits knapp 3 Millionen Euro“, sagt Xing stolz.

In den Lagerräumen des Justus Grosse Büroparks in Woltmershausen haben Lu und Xing ideale Lagerbedingungen vorgefunden.
In den Lagerräumen des Justus Grosse Büroparks in Woltmershausen haben Lu und Xing ideale Lagerbedingungen vorgefunden. © WFB/Pusch

Er fungiert als Schnittstelle zwischen seinen Kollegen in China und den Lieferanten in ganz Europa. „Manchmal bestellen meine Kollegen direkt, aber meistens sagen sie mir, was sie brauchen und dann kümmere ich mich um die Anfragen und Angebote. Ich besuche viele Lieferanten, lasse mich beraten und verhandele die Preise“ sagt Xing. Ist der Auftrag erteilt, kommt die Ware zunächst nach Bremen zur Qualitätskontrolle.

„Es macht keinen Sinn, wenn erst die Kollegen in China feststellen, dass die Ware nicht in Ordnung ist – eine Reklamation ist dann sehr aufwändig und kostet viel mehr Zeit, als wenn wir das von Bremen aus machen.“

Direkter Draht zu den Lieferanten

Bei vielen Lieferanten ist es vor allem der persönliche Kontakt, der zählt. „Es gibt viele kleinere Unternehmen, die genau das produzieren, was Linhorn und unsere Kunden in China brauchen“, sagt Xing. „Aber sie sind von China aus schwer zu finden, manche haben noch nicht mal eine Website, schon gar nicht auf Englisch.“ Xing kennt sich inzwischen gut in der Branche aus, baut auf Messen Kontakte auf und bindet sie langfristig. „Wir wollen mehr sein als nur ein Handelsunternehmen“, sagt Xing. „Wir erweitern stetig unser Wissen, weil wir Fragen und Probleme direkt mit unseren Lieferanten vor Ort besprechen können. Davon profitieren auch unsere Kunden.“

Einkaufsmanager Song Xing legt viel Wert auf langfristige Bindungen zu den Lieferanten.
Einkaufsmanager Song Xing legt viel Wert auf langfristige Bindungen zu den Lieferanten. © WFB/Pusch

Bei Linhorn Industrietechnik ist Xing zurzeit noch der einzige festangestellte Mitarbeiter, wird aber regelmäßig von Mini-Jobbern oder Praktikanten unterstützt. „Oft sind es chinesische Studenten oder Studenten mit guten Chinesischkenntnissen, die bei uns arbeiten. Manche vermittele ich dann für ein Praktikum bei Linhorn in China, das ist für beide Seiten ein Gewinn.“

Informationen zum Unternehmensservice der WFB finden Sie hier.

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