20.7.2026 - Jann Raveling

China als Chance für Bremer Unternehmen begreifen

Internationales

Zwei Welten verbinden: Jiang & Son bringt China und Bremen zusammen

Die Bremer Jiang & Son GmbH berät Unternehmen zu China-bezogenen Technologien, Geschäftspartnerschaften und Umsetzungsprojekten. Das Spektrum reicht von Technologie- und Partnerbewertungen bis hin zur Koordination von Lieferantinnen und Lieferanten und der Begleitung bei der Umsetzung. Das Unternehmen will technologische und industrielle Kompetenzen aus China mit lokalem, bremischen Marktverständnis und den Anforderungen deutscher Unternehmen verbinden.

Geboren in China, Studium in den Vereinigten Staaten, eigenes Unternehmen in China gegründet und heute in Bremen ansässig – Yurong Jiangs Lebensweg führt über mehrere Kontinente.

Er beobachtet, dass der technologische Fortschritt Chinas gerade im Westen und insbesondere in Deutschland häufig mit Sorge betrachtet wird. Lange galt China als verlängerte Werkbank und willkommener Handelsplatz für deutsche Hightech-Produkte. Heute erobern chinesische Unternehmen zunehmend traditionelle deutsche Absatzmärkte – ob in der Automobilindustrie, im Werkzeugbau oder in der Medizintechnik.

„China wird häufig vor allem als Wettbewerber diskutiert, aber das ist nur ein Teil des Bildes“, sagt Jiang. „Deutsche Unternehmen können von chinesischer Technologie und industrieller Kompetenz profitieren, wenn sie diszipliniert damit umgehen. Die Herausforderung besteht darin, zu bewerten, was nützlich ist, es lokal anzupassen und daraus einen gangbaren Weg zu entwickeln.“

Yurong Jiang, Gründer von Jiang & Son
Yurong Jiang © WFB/Rathke

Beispiele für chinabezogene Geschäfte aus Bremen

Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit von Jiang & Son mit der Samawat GmbH, einem Bremer Exportunternehmen mit Spezialisierung auf das Libyen-Geschäft. Dabei unterstützte der Chinese auf zweierlei Weisen: bei der wirtschaftlichen Einschätzung eines Logistikpartners aus China und bei einem Beratungsprojekt zu Prozessautomatisierung und Künstlicher Intelligenz.

Das erste Projekt war eine vorläufige wirtschaftliche Bewertung. Jiang & Son prüfte bei einem chinesischen Partner von Samawat, welche Firmen, Betriebsstrukturen und Nachweise tatsächlich hinter dem Namen standen.

„Für deutsche Unternehmen ist die Frage nicht, ob ein chinesischer Geschäftspartner nach außen beeindruckend auftritt“, sagt Jiang. „Entscheidend ist, was dieses Profil für die konkrete Geschäftsentscheidung bedeutet: Welche Einheit würde tatsächlich liefern, wo liegt die operative Substanz und welche Risiken müssen gegebenenfalls weiter geprüft werden?“

Diese Arbeit ersetze keine rechtliche, finanzielle oder regulatorische Due Diligence, betont Jiang. Sie könne Unternehmen aber eine erste fachliche Orientierung geben, bevor sie viel Zeit und Ressourcen in eine Zusammenarbeit investieren. 

Für Samawat war diese Vorprüfung hilfreich bei der Entscheidung über das weitere Vorgehen: „Der Bericht half dem Unternehmen, offene Fragen und Punkte zu identifizieren, die im weiteren Verlauf der Zusammenarbeit besondere Aufmerksamkeit erforderten“, sagt dessen Gründer Tamim Fannoush.

Yurong Jiang vor Computer
Die Stärken Chinas und Deutschlands verbinden - das hat sich Yurong Jiang vorgenommen. © WFB/Rathke

Ein praktisches KI-Projekt für die Logistikbranche

Das zweite Projekt befasste sich mit Prozessautomatisierung und Künstlicher Intelligenz. Samawat wollte wissen, ob KI die dokumentenintensiven Abläufe im Unternehmen sinnvoll verbessern kann.

Gemeinsam mit seinem Team entwickelte Jiang eine KI-Lösung für die Samawat GmbH. Das System vereinfacht Abläufe im Speditionsgeschäft. „Es besteht aus drei Modulen: Das erste analysiert eingehende E-Mail-Anfragen auf Vollständigkeit und weist auf fehlende Informationen hin. Das zweite prüft Frachtpapiere auf Vollständigkeit. Das dritte unterstützt bei der Organisation von Gefahrguttransporten“, erklärt Jiang.

Für die Entwicklung analysierte Jiang & Son zunächst die Arbeitsabläufe und Anforderungen von Samawat, prüfte technische Möglichkeiten und griff auf Erfahrungen aus dem chinesischen Open-Source-Umfeld im Bereich Künstliche Intelligenz zurück.

Eine zentrale Entscheidung bei der für Samawat entwickelten Lösung war, das System lokal zu betreiben. Die Künstliche Intelligenz läuft auf den eigenen Servern des Unternehmens und benötigt nur geringe Rechenleistung. Das hilft, Kosten zu senken. Gleichzeitig bleiben operative Daten vor Ort, anstatt an Cloud-Dienste großer Anbieter übertragen zu werden. So werden auch die Datenschutzanforderungen von Samawat unterstützt.

„Die Begleitung durch Jiang & Son hat uns geholfen, weitere kostspielige Fehlstarts zu vermeiden, war wichtig auf dem Weg in die Umsetzung – und das System funktioniert heute in der Praxis gut“, sagt Fannoush.

China-Technologie mit Augenmaß

Jiang betont, dass Technologie nicht losgelöst von rechtlichen, kulturellen und betrieblichen Fragen betrachtet werden könne. Für ihn geht es deshalb nicht darum, chinesische Technologie als Universallösung zu präsentieren, sondern ihre Einsatzmöglichkeiten im jeweiligen Einzelfall zu prüfen. Das Projekt steht beispielhaft für die Arbeitsweise von Jiang & Son: Das Unternehmen verbindet Technologieeinschätzung, China-Kompetenz und Umsetzungsbegleitung. In Bremen besteht Jiang & Son aus zwei Mitarbeitenden und kann durch die enge Zusammenarbeit mit einem Partnerunternehmen in China auf ein Team von rund 40 Personen zurückgreifen.

Frische Perspektive auf Ost-West-Beziehungen

Aus Jiangs Sicht können chinesische Technologie und industrielle Kompetenz für deutsche Unternehmen wertvoll sein, wenn sie mit der nötigen Sorgfalt eingesetzt werden. China sei stark darin, Technologien zu skalieren, Lieferantenökosysteme aufzubauen und schnell vom Konzept in die Anwendung zu kommen. Deutschland bringe industrielles Wissen, Qualitätsstandards, rechtliche und regulatorische Disziplin sowie eine Kultur der Verlässlichkeit mit. Diese Stärken könnten sich ergänzen, passten aber nicht automatisch zusammen.

„Die Frage ist, ob eine chinesische Technologie zur Situation des jeweiligen Kunden passt, ob die Partnerstruktur klar ist, ob Verantwortlichkeiten verstanden werden und ob ein Projekt langfristig tragfähig ist.“ 

Besonders wichtig sei das in Bereichen wie Häfen, Logistik und Infrastruktur, in denen Technologieentscheidungen Fragen der Zuverlässigkeit, Beschaffungsverantwortung, operativen Kontrolle und langfristigen Widerstandsfähigkeit berühren.

„Die Smartport-Initiative in Bremen finde ich spannend“, sagt Jiang. „China hat in einigen Bereichen der Hafen- und maritimen Infrastruktur viel zu bieten. Die eigentliche Arbeit besteht darin zu prüfen, wo eine Technologie geeignet ist, wie sie integriert werden könnte, wo Verantwortung liegt und wie operative und strategische Risiken vor der Umsetzung gesteuert werden können.“

Gut eingelebt in Bremen

In der Hansestadt hat Jiang bereits begonnen, beide Welten miteinander zu verbinden. So hielt er an der Hochschule Bremen zwei Gastvorlesungen zum Thema Künstliche Intelligenz und steht im Austausch mit der Bremer Forschungslandschaft im Bereich angewandter KI und Robotik. Außerdem engagiert er sich im Foreign Business Club, einem Netzwerk internationaler Führungskräfte in Bremen, das von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH organisiert wird. „Dort habe ich auch die Samawat GmbH kennengelernt“, sagt er.

An Deutschland gefällt ihm besonders die Arbeitskultur mit ihrer wertschätzenden Mentalität und die Bedeutung persönlicher Kontakte. „Hier ist nicht alles rein zahlengetrieben. Es geht nicht nur darum, das günstigste Produkt möglichst schnell zu liefern. Hinter wirtschaftlichen Beziehungen steckt mehr – und genau das schätze ich.“

„Bremen hat viele Unternehmen und Institutionen mit operativem Wissen und internationalen Verbindungen“, sagt Jiang. „Unser Beitrag ist es, China-bezogene Chancen verständlicher, konkreter und verantwortungsvoll nutzbar zu machen – für diejenigen, die davon profitieren können.“

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