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8.7.2020 - Diana Bluhm/Jann Raveling

Chinesische Unternehmen investieren in Bremen

Internationales

Das Reich der Mitte hat großes wirtschaftliches Interesse am kleinsten deutschen Bundesland

Container aus China im GVZ Bremen
Container aus China im GVZ Bremen © WFB/Jens Lehmkühler

Chinesische Firmen eröffnen in Deutschland bereits seit Jahrzehnten Tochterunternehmen oder Niederlassungen. Sie intensivieren so die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern. 2003 eröffnete die Wirtschaftsförderung Bremen unter der internationalen Marke Bremeninvest ihr erstes Büro in Schanghai, China, um vor Ort Unternehmen für Bremen zu begeistern. Der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit bis heute.

In den vergangenen 17 Jahren siedelten sich mehr als 150 chinesische Unternehmen in Bremen an. Das Reich der Mitte ist Bremens drittgrößter Handelspartner bei Ausfuhren und viertgrößter nach Einfuhren. Zwischen Bremen und China werden vor allem Fahrzeuge, Werkzeuge, Stahlerzeugnisse sowie Fisch gehandelt.

„Bremen ist in China als einer der größten Hafenstandorte bekannt“, sagt Matthias Hempen, der bei der WFB für Ansiedlungen aus China verantwortlich ist. Doch das ist nur einer der Gründe, warum es die Chinesen in die Hansestadt zieht.

Langjährige Handelsbeziehungen zwischen China und Bremen

Sobald sich ein chinesisches Unternehmen entscheidet, in Europa zu investieren, beginnt die Suche nach dem geeigneten Standort. Deutschland ist oft eine naheliegende Entscheidung: zentral, gute Infrastruktur und gute Anbindungen an die anderen EU-Staaten.

Unter den deutschen Städten punktet Bremen mit einer langen historischen Verbindung zu China. Bereits im 18. Jahrhundert begann über die Häfen der Handel zwischen der Hansestadt und der Volksrepublik. Heute fahren Containerschiffe mehrmals pro Woche ohne Umwege nach China.

„Es ist auch ein Vorteil, dass es hier bereits viele chinesische Betriebe gibt“, erläutert Karin Noetzel, die bei der WFB ebenfalls für einen guten Kontakt zu chinesischen Unternehmen sorgt. „Es gibt bei uns eine große chinesische Community. Sie vernetzt aber nicht nur die chinesischen Konzerne untereinander. Sie schafft auch Kontakte zu Bremer Firmen, insbesondere aus dem Außenhandel und der High-Tech-Industrie.“

Unsere Zielgruppe ist der chinesische Mittelstand.


Matthias Hempen, Wirtschaftsförderung Bremen

Viele der chinesischen Mittelständler und Konzerne, die sich in Bremen ansiedeln, arbeiten im Bereich Im- und Export. Für sie ist eine hervorragend ausgebaute Infrastruktur ebenso wichtig wie Logistikdienstleister vor Ort. Beides finden sie in Bremen – etwa im Güterverkehrszentrum GVZ.

„Unsere Zielgruppe ist der chinesische Mittelstand“, erzählt Hempen. Die Unternehmen müssen aber auch bestimmte Anforderungen erfüllen. Sie sollten eine gewisse Größe und Kapitalstärke haben, um die Geschäfte der ersten zwei Jahre abzusichern. Außerdem seien Management-Kompetenzen wichtig. Das heißt, die Unternehmen sollten sowohl Wert auf Sprachkenntnisse als auch auf die Ausbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern legen.

„Chinesische Betriebe müssen international aufgestellt sein“, ergänzt Wang Lu, die das Bremeninvest-Büro für die WFB vor Ort in Schanghai leitet. „Dazu gehört, dass sie eine englische oder deutsche Website haben und die kulturellen Unterschiede beachten. Sie sollten zum Beispiel ihre Geschäftspartner nicht sofort duzen.“

Container im GVZ Bremen
Container im GVZ Bremen © WFB/Jens Lehmkühler

3.500 Arbeitsplätze durch Ansiedlungen aus China

In den chinesischen Unternehmen in Bremen arbeiten circa 700 Menschen. Mehr als 3.500 Angestellte insgesamt verdanken ihre Arbeitsplätze den Betrieben aus der Volksrepublik. Denn die Chinesen nutzen viele Dienstleistungen in Bremen. So profitieren beispielsweise neben den Logistikunternehmen auch Rechts- und Steuerberatungen, Marketingagenturen und Sprachschulen von den Ansiedlungen aus dem Reich der Mitte.

Außerdem bereichern die Chinesen die Bremer Tourismus- und Immobilienwirtschaft. Sie buchen Hotelzimmer für anreisende Geschäftspartnerinnen und -partner oder bringen ihre Familien und Freunde für ihre Urlaube in Apartments unter. Dabei bevorzugen sie Unterkünfte mit gehobenem Standard. Sie mieten und kaufen Geschäfts- und Wohnräume, wobei die chinesischen Unternehmer den Kauf bevorzugen.

Digitalisierung und Medizintechnik gefragt

Einige Chinesische Unternehmen siedeln in Bremen an, um hier ihre Produkte zu verkaufen. Aber auch das Interesse an deutschen Produkten für das Reich der Mitte – also der Import – ist hoch. In den vergangenen Jahren hat sich China zu einem technischen Vorreiter entwickelt mit hohem Bedarf an digitalen Innovationen. „Viele chinesische Unternehmen haben interessieren für eine Zusammenarbeit im Bereich Industrie 4.0, Automatisierung oder Robotik. Hier gibt es große Chancen für Bremer Unternehmen“, so Hempen.

Branchen, in denen China künftig zu den Marktführern gehören will und deshalb Know-how sucht. Aber auch im Bereich der Medizintechnik und im Gesundheitsbereich stehen die Chancen für Kooperationen gut.

Viele der Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Geschäfte sukzessive ausgeweitet, neue Beschäftigte eingestellt und Flächen oder Gebäude erworben. Sie sind ein Teil der Bremer Wirtschaft geworden. Was als Ein-Mann-Außenstelle beginnt, mausert sich mit der Zeit zum Mittelständler.

Linhorn-Geschäftsführer Zhaohang Lu entschied sich 2015, ein eigenes Unternehmen in Bremen zu gründen.
Linhorn-Geschäftsführer Zhaohang Lu entschied sich 2015, ein eigenes Unternehmen in Bremen zu gründen. © WFB/Pusch

Linhorn: Industrietechnik aus Europa

Ein erfolgreiches Beispiel für eine chinesische Ansiedlung in Bremen ist Linhorn Industrietechnik. Die Gruppe mit ihren sieben Tochterunternehmen handelt mit Industrieteilen für Maschinen in der Stahl-, Lebensmittel-, Pharma- oder Chemieindustrie. Um Teile europäischer Hersteller in China verkaufen zu können, gründete die Shanghaier Gruppe 2011 ein Büro in Deutschland.

„Über das Bremeninvest-Büro in Shanghai sind wir auf die Stadt aufmerksam geworden, hier sind unter anderem Gewerbesteuern und Lebenshaltungskosten etwas niedriger als anderswo. Die WFB hat uns sehr gut beraten und bei der Gründung begleitet“, so Linhorn-Geschäftsführer Zhaohang Lu. Zudem fand er hier ideale Bedingungen für den Transport von Waren nach China – eine gute Anbindung an das Autobahnnetz auf der einen und einen kurzen Weg zu einem internationalen Hafen auf der anderen Seite.

Weitere Services für Unternehmen auf Standortsuche

Die Bremer Wirtschaftsförderung organisiert auch Messestände oder Delegationsreisen – wenn nicht gerade eine internationale Virus-Pandemie herrscht – ins Ausland sowie Besuche von internationalen Gästen an der Weser. Wirtschaftsförderer Matthias Hempen zieht Bilanz: „Das Interesse von chinesischen Unternehmen an Bremen ist hoch.“ Das Bremeninvest-Büro in Schanghai habe sich in den letzten 15 Jahren bewährt und solle auch zukünftig im Reich der Mitte auf das kleinste Bundesland Deutschlands aufmerksam machen.

Solidarität über fast 9000 Kilometer
Auch in der Coronakrise zeigt sich die Verbundenheit von Bremen und China. Chinesinnen und Chinesen in Bremen, ehemalige Bremer Studierende aus China und Geschäftsleute in China hatten sich im März 2020 eigenständig online organisiert und mit Unterstützung der WFB eine Spende von 5.000 Mundschutzmasken aus China plus zusätzlicher Schutzausrüstung organisiert. „Aus Dankbarkeit gegenüber der Stadt Bremen möchten wir uns engagieren und unsere Solidarität zum Ausdruck bringen“, sagte etwa Dr. Yamei Leng, Gründerin des Übersetzungs- und Dolmetschbüros China Dialog in Bremen.
Foto Matthias Hempen

Matthias Hempen

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