18.3.2026 - Mona Fendri

Wie die Digitallotsen Bremer Unternehmen bei Social Media, KI und digitalen Strategien begleiten

Über uns

Mit den Digitallotsen unterstützt die WFB bei digitalen Themen

Zwei Männer und eine Frau blicken auf einen Laptop
Die Digitallotsen der WFB: Malte Breford, Amal Steinhof und Eike Stührmann (v. l.) © WFB/Jann Raveling

Von der ersten Instagram-Strategie bis zur KI-Anwendung im Geschäftsalltag: Die digitale Transformation stellt viele Unternehmen vor strategische, technische und organisatorische Fragen. Gerade Solo-Selbstständige, kleine oder mittlere Betriebe verfügen häufig nicht über eigene Digitalabteilungen. Hier setzen die Digitallotsen Bremen an.  

2019 wurden die Digitallotsen von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH ins Leben gerufen. Seitdem begleiten Malte Breford, Eike Stührmann, Caroline Lehnigk und, seit Neuestem, Amal Steinhof Unternehmen bei der Entwicklung digitaler Lösungen – neutral, kostenfrei und mit starkem Praxisbezug. Ergänzend bieten sie Veranstaltungen, Workshops und Schulungen an – rund 30 Formate mit über 1.000 Teilnehmenden im Jahr. 

Frau Steinhof, Herr Breford, mit welchen Fragestellungen kommen Unternehmen auf Sie zu? 

Amal Steinhof: Social Media ist und bleibt ein großes Thema. Viele Fragen erreichen uns: Welche Plattform ist sinnvoll? Wie funktioniert sie strategisch? Was muss ich rechtlich beachten, etwa bei Musik oder Bildrechten? Gleichzeitig merken wir einen starken Anstieg im Bereich KI – etwa bei Bild- und Videogenerierung oder der Frage, welche Tools für kleine Unternehmen überhaupt sinnvoll sind. 

Malte Breford: Am Anfang standen vor allem Themen wie bargeldloses Bezahlen, digitale Kassensysteme oder Online-Shops im Fokus, besonders während der Corona-Pandemie. Heute geht es stärker um strategische Fragen: Wie sollte ich mein digitales Marketing ausrichten? Wo sollte ich die Prioritäten setzen? Welche Maßnahmen bringen bei überschaubarem Aufwand den größten Effekt? 

Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem Tresen und schauen auf ein Kassensystem
Ob Social-Media-Strategie oder digitales Kassensystem: Die Digitallotsen beraten Bremer Unternehmen zu digitalen Themen. © WFB/Sigrun Strangmann

Warum sollten Bremer Unternehmen Kontakt zu Ihnen aufnehmen? 

Malte Breford: Wir schlagen die Brücke zwischen einer ersten Idee oder einem Problemdruck und einer konkreten Umsetzung. Wir analysieren neutral, recherchieren Optionen und helfen, die nächsten Schritte realistisch zu planen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist das eine Hilfestellung, die viel bewegen kann. 

Amal Steinhof: Außerdem beraten wir niedrigschwellig und individuell. Wir arbeiten mit den Unternehmen auf Augenhöhe und fangen dort an, wo sie Unterstützung brauchen. Die Unternehmen müssen keine Hemmungen haben, sich bei uns zu melden. Wir haben unterschiedliche berufliche Expertisen und Backgrounds. Teilweise kennen wir deshalb die Herausforderungen von Selbstständigen oder von KMUs sehr gut und holen die Unternehmen da ab, wo sie stehen.  

Was treibt Sie persönlich in Ihrer Arbeit an? 

Amal Steinhof: Ich bin seit November 2025 Teil der Digitallotsen und mich reizt an der Arbeit besonders, dass wir täglich dazulernen und Bremer Unternehmen konkret unterstützen können – gerade auch in neuen Feldern wir Künstliche Intelligenz. Man entwickelt sich regelmäßig weiter.  

Malte Breford: Ich komme selbst aus dem Handel und weiß, wie betriebsblind man im Alltag werden kann. Wir bringen einen neutralen Blick von außen ein. Wir sind nicht vertriebstechnisch unterwegs, wir müssen nicht bestimmte Produkte verkaufen, sondern können Lösungsansätze raussuchen und anbieten. Die Bandbreite der Themen und Inhalte ist auch sehr spannend und wir können uns selbst thematisch weiterentwickeln. Das ist einfach schön, vor allem, wenn wir dann ein positives Feedback von den Kundinnen und Kunden bekommen. 

Können Sie konkrete Beispiele nennen, wie Ihre Beratung wirkt? 

Malte Breford: Wir haben zum Beispiel recht umfangreich eine Tanzschule begleitet. Hier sollten unter anderem verschiedene interne Prozesse digitalisiert und automatisiert, das Customer-Relationship-Management optimiert und ein Newsletter-Tool integriert werden. Das Thema haben wir durch individuelle Workshops und Recherchen möglichst ganzheitlich begleitet und schlussendlich mit einer Beratung zu aktuellen Förderprogrammen des Bundes und des Landes Bremen abgerundet. Andere Beispiele sind ein Bremer Museum oder ein Käsefachgeschäft, die wir jeweils in den Bereichen digitales Kassensystem und digitale Buchhaltung unterstützt haben. 

Ein Mann zeigt einer Frau etwas auf einem Tablet. sie stehen in einem Käsefachgeschäft
Digitallotse Eike Stührmann bei einem Beratungsgespräch. © WFB/Sigrun Strangmann

Ein weiteres Feld ist das Thema Social Media. Wir haben immer wieder den Fall, dass Unternehmen noch gar nicht oder nur sporadisch aktiv auf Social Media aktiv sind. Wir begleiten sie dann bei der Entwicklung einer Strategie, was zu mehr Sichtbarkeit für das Unternehmen führt. Diese Form der Begleitung beinhaltet häufig grundlegende Bereiche wie Zielgruppenanalysen oder Markenpositionierung und geht bis hin zu Social-Media-spezifischen Themen wie der Erstellung eines Redaktionsplans und von Content-Formaten oder dem richtigen Community-Management.  

Amal Steinhof: Noch ein gutes Beispiel ist unsere Kooperation mit dem Markstones Institute of Marketing, Branding & Technology der Universität Bremen und der Agentur Atmospherics. Studierende entwickeln im Rahmen eines Praxismoduls reale SEA-Kampagnen – also Search Engine Advertising – für Unternehmen.  

In diesem Jahr waren unter anderem Hansa Holz als etablierter Mittelständler, Katharina Morosow mit ihrem Start-up Mareka Breathwork und das Online-Beratungsunternehmen KeyLearnings beteiligt. Die Kampagnen laufen mit echtem Budget und realen KPIs. Für die Unternehmen bedeutet das: Sie sammeln konkrete Erfahrungen, sehen Ergebnisse und gewinnen Know-how, das sie langfristig nutzen können. 

Sie bieten darüber hinaus eine Vielzahl an unterschiedlichen Veranstaltungsformaten an, die regelmäßig gut besucht werden. Wie lautet Ihr Ansatz? 

Amal Steinhof: Wir versuchen, Formate für unterschiedliche Niveaus anzubieten und achten darauf, dass sie praxisnah bleiben. Wir haben viele kleinere Online-Formate, die sehr gut funktionieren, da sie sich einfach in den Arbeitsalltag integrieren lassen. 

Besonders gefragt sind interaktive Workshops, zum Beispiel zum Thema Foto- und Videoproduktion mit dem Smartphone. Wir haben 2025 zum Beispiel mit unseren WFB-Kolleginnen aus der Abteilung Bremen Online einen solchen Workshop in der Botanika angeboten und planen diesen 2026 zu wiederholen. Es ist eine schöne Location, und die Teilnehmenden konnten die Tipps direkt mit ihrem Handy testen und direkt Nachfragen stellen. Man lernt nicht nur abstrakt – man macht es. Darüber hinaus können sich die Teilnehmenden untereinander vernetzen und sich gegenseitig Tipps geben.  

Malte Breford: Ein Highlight ist immer wieder unser Social Media Day. Dabei werden alle möglichen Themen angeboten: vom Community Management über Advertising bis hin zu rechtlichen Fragen im Social-Media-Bereich. 

Was macht den Social Media Day so besonders? 

Malte Breford: Der Social Media Day ist aus einer starken Nachfrage im Bereich Digital Marketing – vor allem im Social-Media-Bereich – entstanden. Wir wollten ein Format schaffen, das möglichst praxisnah ist, mit Masterclasses, Workshops und offenen Thementischen, an denen Interessierte sich persönlich und individuell von Social-Media-Expertinnen und -Experten zu ihren Profilen beraten lassen können. 

Ein Highlight aus dem letzten Jahr war ein Workshop mit der Bremer Konditorei „Vanilla Instinct“. Die Gründerinnen haben direkt vor Ort gezeigt, wie sie ihren Content produzieren – authentisch, ohne große Agentur, mitten aus dem Arbeitsalltag heraus. Die Resonanz zum Social Media Day war so positiv, dass wir das Format künftig von einem auf zwei Tage ausweiten. In diesem Jahr planen wir ihn am 23 und 24. September. 

Ein Mann dekoriert Torten. Menschen stehen im Hintergrund und filmen
Beim Workshop mit der Konditorei Vanilla Instinct konnten Interessierte beim Social Media Day 2025 lernen, wie man für Social Media Content produziert. © WFB/Sigrun Strangmann

Wohin entwickelt sich Ihre Arbeit in den kommenden Jahren? 

Malte Breford: Das Thema Künstliche Intelligenz ist natürlich bereits seit über zwei Jahren ein großer Schwerpunkt und wird uns in Zukunft immer mehr begleiten. Es wird bald keine Differenzierung mehr zwischen KI und nicht-KI geben, weil KI in ziemlich jeder Soft- und Hardware steckt. Gleichzeitig werden Fragen zu personenbezogenem Datenschutz in diesem Zusammenhang und damit auch die Schulung der Mitarbeitenden immer wichtiger. Durch persönliche Weiterbildungen bleiben wir am Zahn der Zeit. So konnte ich zum Beispiel eine Fortbildung zum KI-Manager absolvieren. 

Darüber hinaus evaluieren wir durch standardisierte Online-Feedbackbögen und direktem Gespräch mit unseren Kundinnen und Kunden laufend die aktuellen (Digitalisierungs-)Bedarfe, sodass unser Angebot stets Antworten auf die drängendsten Fragen bietet. 

Gibt es ein Learning, das Sie aus all den Jahren besonders mitgenommen haben? 

Malte Breford: Empathie und ein Verständnis für die Prozesse und Abläufe kleiner und mittlerer Firmen sind essenziell für unserer Arbeit. Das ist sogar relevanter als die technische Expertise. Es ist außerdem wichtig, dass wir offen für Neues sind und die Motivation haben, uns in verschiedene Themen und die individuellen Herausforderungen der Unternehmen einzuarbeiten.  

Amal Steinhof: Mein größtes Learning ist, dass Unternehmen den persönlichen Kontakt wertschätzen. Außerdem sind Netzwerke enorm wichtig. Ich habe gelernt, dass ich selbst nicht alles selbst können muss. Ich muss nicht KI-Expertin und Social-Media-Managerin in einer Person sein. Ich habe meine Expertise, baue sie weiter auf und habe ein Netzwerk um mich herum, auf das ich bei anderen Fragen zurückgreifen kann.  

Vielen Dank für das Gespräch! 

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