Musikinstrumentenbau in Bremen: 8 Manufakturen mit internationalem Klang
HandwerkVon Geigenbau bis Blechblasinstrument: Diese Bremer Werkstätten verbinden traditionelles Handwerk mit internationalem Renommee
Bremen ist nicht nur ein Standort für maritime Wirtschaft und Luft- und Raumfahrt, sondern auch für hochspezialisiertes Musikhandwerk. In kleinen Werkstätten entstehen hier Instrumente, die international gefragt sind – von handgefertigten Posaunen über filigrane Blockflöten bis hin zu individuell gebauten Streichinstrumenten. Der Musikinstrumentenbau in Bremen vereint jahrhundertealte Tradition mit moderner Präzision und richtet sich sowohl an professionelle Musiker:innen als auch an ambitionierte Musikliebhaber:innen.
8 Instrumentenbaubetriebe in Bremen
Lätzsch Custom Brass
Seit 1949 steht Lätzsch Custom Brass für hochwertigen Blechblasinstrumentenbau „Made in Bremen“. Besonders Posaunen prägen das Portfolio, doch auch weitere Blechblasinstrumente wie Cimbassi gehören zum Repertoire. Der Betrieb genießt internationales Renommee: Orchester wie die Berliner Staatsoper Unter den Linden oder das Gärtnerplatztheater in München sowie internationale Musikerinnen und Musiker wie die Tubistin Ruth Obry oder der US-amerikanische Posaunist Kenneth Thompkins vertrauen auf die Bremer Werkstatt.
Neben Neubauten spielen Wartung und individuelle Anpassung eine zentrale Rolle. Jedes Instrument wird auf die Bedürfnisse der Musiker:innen zugeschnitten – ein Anspruch, der den Betrieb seit Jahrzehnten prägt.
Finnigan-Klaembt Geigen
Individuell gebaute Streichinstrumente entstehen in der Werkstatt von Andrew Finnigan und Pia Klaembt. Seit dem Jahr 2000 beschäftigen sich Andrew Finnigan und Pia Klaembt in ihrer Bremer Werkstatt mit dem Neubau von Violinen, Violen und Celli sowie mit Klangeinstellungen. Aus sorgfältig ausgewählten Hölzern wie Ahorn, Fichte und Ebenholz entstehen Instrumente mit eigenständigem Klangcharakter.
Zu ihren berühmtesten Kundinnen und Kunden gehört die Violinistin Anne-Sophie Mutter. Die Werkstatt führt mittlerweile eine Warteliste, ein bis zwei Jahre müssen sich die Kundinnen und Kunden bis zur Fertigstellung eines Auftrags gedulden.
Thein Brass
Ob in der Oper von Sydney oder im thailändischen Königspalast – die Instrumente von Thein Brass aus Bremen-Walle erklingen auf allen Kontinenten. Gegründet wurde die Manufaktur 1972 von Heinrich und Max Thein. Die Brüder entstammen einer alten Bremer Instrumentenbaudynastie, die sich vor allem mit Klavieren einen Namen gemacht hat. Inzwischen verkauft Thein Brass vor allem Posaunen und Trompeten. Das Portfolio reicht jedoch vom Waldhorn bis zur Tuba.
Die Verbindung aus handwerklicher Präzision und enger Zusammenarbeit mit den Musiker:innen ist zentral für den Erfolg der Manufaktur. Kundinnen und Kunden sind unter anderem die New York Philharmonic und Mitglieder der Berliner Philharmoniker.
Pietsch Banjo Company
Seit mehr als 20 Jahren baut Norbert Pietsch schon Banjos. Selbst ein begeisterter Banjospieler, machte er erst eine Lehre zum Gitarrenbauer in Bremen und entwickelte schon früh in seiner Karriere ein großes Interesse an verschiedenen Banjotypen und -klängen. Die Kunst und das Handwerk aus dem „goldenen Zeitalters“ des Banjos (1910er bis 1930er) inspirieren ihn bis heute.
Der wohl wichtigste Moment in seiner Karriere war wohl 2023, als das American Banjo Museum in Oklahoma ihn zu einer großen Gala einlud, bei der er in der Kategorie „Design & Handwerk“ in die „Hall of Fame“ des Museums aufgenommen wurde – erst 16 andere schafften das vor ihm. Seine Kundinnen und Kunden kommen aus England, den USA, Schweden, Frankreich.
Werner Fischer Holzblasinstrumentenbau
Bei der Holzblasinstrumentenwerkstatt von Achim Kopitzki in Bremen Borgfeld dreht sich alles um Klang und dessen Schönheit. 1958 gründete Werner Fischer das Unternehmen, seit 1985 ist Holzblasinstrumentenbaumeister Kopitzki an der Spitze des Betriebs.
In der Werkstatt stellen Kopitzki und sein Team neue Instrumente her und führen Reparaturen an Querflöten, Piccolo, Klarinetten und Saxophonen aller bekannten Markenhersteller durch. Hochbetrieb ist vor allem in den Sommermonaten, in denen die Werkstatt mit den Reparaturen an den Instrumenten der Musikerinnen und Musiker beschäftigt ist, die berufsbedingt nur in der Ferienzeit auf ihre Instrumente verzichten können – unter anderem der Münchner Philharmoniker.
ReLink Schlaginstrumente
Wenn es um Pauken und Schlaginstrumente geht, zählt ReLink Bremen zu den gefragten Adressen in Deutschland. Der Betrieb, 1998 gegründet und seit 2022 in Bremen ansässig, hat sich insbesondere auf die Wartung, Restaurierung und Optimierung von Schlaginstrumenten spezialisiert.
Zum Kund:innenkreis zählen renommierte Musikensembles wie das Bayerische Staatsorchester, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin oder die Bremer Philharmoniker. Ergänzend zur Werkstattarbeit bietet ReLink einen Verleihservice sowie Unterstützung bei der Organisation von Konzerten und Tourneen an.
Margret Löbner Blockflöten
Seit 1986 stellt Margret Löbner in Bremen als eine von rund 15 Flötenbauerinnen und Flötenbauern in Deutschland Blockflöten her. Von ihrer Bremer Werkstatt aus versorgt sie Laien und Profis in ganz Europa mit ihren handgemachten Instrumenten. Aus einem Stück Holz ein wohlklingendes Instrument zu machen: Das ist die anspruchsvolle Aufgabe, der sich Margret Löbner täglich aufs Neue stellt.
Rund zwei Wochen arbeitet sie an einem ihrer zumeist auf mittelalterlichen oder barocken Modellen basierenden Stücke. Anschließend spielen ihre Mitarbeiterinnen die Flöten ein, bevor Löbner noch einmal den Klang überprüft und die Instrumente zum Verkauf freigibt.
Klavierbau Fromhertz
Auch im Klavierbau blickt Bremen auf eine lange Tradition zurück: Bereits im 19. Jahrhundert wurden hier Instrumente in größerem Maßstab gefertigt und Familien wie die Theins prägten den Instrumentenbau der Stadt nachhaltig. Heute lebt dieses Erbe vor allem im spezialisierten Handwerk weiter – etwa bei Klavierbau Fromhertz in Bremen-Hastedt.
Der Meisterbetrieb hat sich auf die Restaurierung, Überholung und klangliche Optimierung von Klavieren und Flügeln spezialisiert. In der Werkstatt werden Instrumente sorgfältig zerlegt, aufgearbeitet und individuell reguliert, um ihren ursprünglichen Klangcharakter wiederherzustellen oder gezielt zu verfeinern. Neben der technischen Präzision spielt dabei vor allem das Gehör eine zentrale Rolle: Jede Anpassung erfolgt im engen Zusammenspiel von Handwerk und akustischem Feingefühl.
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