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„Geiht or steiht“ die Weser?

Die traditionelle Eiswette findet am 6. Januar in Bremen statt

30.11.2022. Wenn sich der Schneider mit seinem Bügeleisen mit den Heiligen Drei Königen an der Weser trifft, dann findet wieder die traditionelle Eiswette in Bremen statt. Egal ob Jung oder Alt, Groß oder Klein, das Spektakel lockt viele Schaulustige an die We-ser. Jedes Jahr am 6. Januar um 12 Uhr wird überprüft, ob die Weser zugefroren ist oder fließt – oder wie die Bremer auf Plattdeutsch sagen: „of de Werser geiht or steiht“.  Zwar ist die Weser bereits seit Jahrzenten nicht mehr zugefroren gewesen und das Ergebnis somit vorhersehbar, doch der Brauch der Eiswette wird mit all seinen Ritualen fortgeführt. 

Die Eiswette besteht aus zwei Teilen: Zum einen aus der öffentlich zugänglichen Eisprobe am 6. Januar und zum anderen aus einem großen Festessen, dem Eiswettfest. Bereits seit 1829 wird die Wette durchgeführt und geht somit im kommenden Jahr in die 194. Auflage. Dabei gab es über die Jahre auch einige Änderungen. So wurde die Eiswette ursprünglich am 4. Januar durchgeführt und später auf den 6. Januar verschoben und das prunkvolle Eiswettfest als Stiftungsfest deklariert. 

Zunächst versammeln sich Anfang Januar das Präsidium der Eiswette, die Novizen, die Heiligen Drei Könige und der Schneider am Punkendeich der Weser. Festlich gekleidet mit Frack und Zylinder begleiten die Herren ein 99 Pfund schweres Schneiderlein an die Weser, welches mit einem heißen Bügeleisen die Weser überqueren muss. Entweder überquert er die Weser trockenen Fußes oder aber nimmt die Hilfe eines Seenotrettungsbootes in Anspruch. Dabei werden die Zuschauer:innen mit Wortgefechten und allerlei Kommentaren unterhalten. 

Der zweite Teil, das Eiswettfest, folgt daraufhin am dritten Samstag im Januar und stellt den Wetteinsatz dar. Wetteten einst 1829 noch 18 Kaufleute miteinander, treffen sich heutzutage rund 800 geladene Gäste, um bei einem gemeinsamen Kohlessen Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zu sammeln.  Unter den Teilnehmenden befinden sich Vertreter:innen der deutschen Wirtschaft, deutsche Staatsoberhaupte, weitere Personen des öffentlichen Lebens sowie ein Ehrengast. Sie alle nehmen an runden Tischen, die Eisschollen symbolisieren sollen, Platz und genießen das Programm aus Essen, Trinken, Reden und Musik. Damit alles ordnungsgemäß abläuft, überwacht der Zeremonienmeister den minutiösen Ablauf des Abends.

Damit auch die vielen Schaulustigen am Tag der Heiligen Drei Könige am Punkendeich erahnen können, was knapp zwei Wochen später auf die festlich eingedeckten Tische des Stiftungsfests kommt, verteilt der Lieferant von Kohl und Pinkel am 6. Januar am Osterdeich kleine Kostproben an das Publikum.

Um die Eiswette einmal hautnah mitzuerleben und Bremen mit all seiner Geschichte und Traditionen kennenzulernen, bietet sich die Pauschale „Stadtmusikanten & Welterbe“ an. Sie beinhaltet zwei Übernachtungen mit Frühstück, nach Wahl eine Fahrt mit dem Stadtmusikanten-Express, die Rathausführung oder eine Stadtführung. Abgerundet wird der Aufenthalt mit einem Bremer Spezialitäten-Teller. Der Preis liegt hier ab 125 Euro pro Person im Doppelzimmer. Das Hotel ist hierbei frei wählbar.

Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten gibt es beim Bremen Tourismus unter 0421 / 30 800 10 oder im Internet unter https://bremen.de/die-eiswette