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Die Maler des Heiligen Herzens

Bremen zeigt Sonderausstellung zu Künstler-Quintett um Henri Rousseau

18.10.2022. Sie hatten keine künstlerische Ausbildung und setzten sich dennoch in der Pariser Kunstszene durch. Ihre Kunstwerke erfrischen noch heute die Sehgewohnheiten mit intensiven Farben, ungewöhnlichen Kompositionen und motivischen Neuinterpretationen: die Maler des Heiligen Herzens. Mit seiner neuen Sonderausstellung widmet sich das Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen vom 4. Dezember 2022 bis 12. März 2023 den ungewöhnlichen Werken der vier Malern und der einen Malerin, die im frühen 20. Jahrhundert mit individuellen Maltechniken und beispielloser Bildsprache von sich reden machten.

Das beginnende 20. Jahrhundert mit seiner bunten Kunstszene und vielfältigen Möglichkeiten bot die besten Voraussetzungen, in die bis dato geschlossene Gesellschaft der Künstlerinnen und Künstler aufgenommen zu werden. Den Autodidakten André Bauchant, Camille Bombois, Henri Rousseau und Louis Vivin sowie der Künstlerin Séraphine Louis gelang es, sich einen Namen zu verschaffen.

Der deutsche Kunsthändler Wilhelm Uhde fühlte etwas Heiliges, das die fünf miteinander verband: Ihre Bilder strahlten auf ihn eine gewisse Menschlichkeit und Authentizität aus, die akademischen Künstlerinnen und Künstlern der Moderne abhandengekommen schienen. Der Kunsthändler führte es auf die Biografien der Maler und Malerin zurück, dass ihr Blick und Gefühl nicht durch die standardisierte Ausbildung und die Mechanismen des Kunst-Kanons bestimmt wurden. Den poetischen Namen verdankt die Gruppe ebenfalls Wilhelm Uhde, der 1928 unter ebendiesem Titel – Die Maler des Heiligen Herzens – eine Ausstellung in Paris ausrichtete. 

Dennoch waren die Bilder motivisch, stilistisch und technisch grundlegend verschieden. André Bauchant fand seine Inspirationen in der griechischen Mythologie und der Antike, erneuerte die Historienmalerei mit seinem unkonventionellem, collageartigen Bildaufbau und seinen vereinfachten Figuren. Camille Bombois ließ mit seinen prallen Körpern, intensiven Farben und einem feinsinnigen Bildaufbau Jahrmarktszenen, Landschaften und Menschen – vor allem Frauen – leuchten. Séraphine Louis erdachte in ihren Bildern fantastische Pflanzengebilde, die wegen ihrer ausufernden Maße und einer eigenwilligen Maltechnik eine fast psychedelische Wirkung ausüben. Henri Rousseau erschuf mit reduzierten Formen Landschaften; Urwälder, die in mannigfaltigen Grüntönen schimmern, (Alb)Träume, in denen Mensch, Tier und Natur in neuem Verhältnis zueinanderstehen. Louis Vivin baute mit seinem Pinsel und einer ausgeprägten Liebe zum Detail Strich für Strich Stadtansichten und Landschaften. Menschen spielen in seinen Bildern eine Nebenrolle, werden durch ihre unterproportionale Größe meist von den Architekturen verdrängt. 

Wilhelm Uhde konnte 1928 sein Publikum von den außergewöhnlichen Qualitäten der ausgestellten Kunstwerke überzeugen, vermittelte in Folge Gemälde an große Sammlungen und Museen in Deutschland und in Frankreich. Bis auf Rousseau gerieten die Namen André Bauchant, Camille Bombois, Séraphine Louis und Louis Vivin allerdings nahezu in Vergessenheit, der die Sonderausstellung in Bremen entgegenwirken soll. 

Das Paula Modersohn-Becker Museum ist Teil der Museen Böttcherstraße und bildet gemeinsam mit dem Ludwig Roselius Museum den kulturellen Höhepunkt einer architektonisch kunstvollen Straße. Ersteres widmet sich als weltweit erstes Museum einer Malerin. Vom Bildhauer Bernhard Hoetger konzipiert, zeugt die Sammlung eindrucksvoll von seiner expressionistischen Schaffensfreude. Gezeigt werden hier Werke von Paula Modersohn-Becker und Bernhard Hoetger sowie in wechselnden Ausstellungen die klassische Moderne. 

Für alle, die den Besuch in der Ausstellung mit einer Reise nach Bremen verbinden möchten, bietet sich die Pauschale „Bremen zum Kennenlernen“ an. Eine Übernachtung im Doppelzimmer mit Frühstück vom Buffet, Stadtführung, Kaffeegedeck in einer Bremer Traditionskonditorei, BremenCARD für 2 Tage freie Fahrt im Nahverkehr und weitere Vergünstigungen sowie einem Reiseführer Bremen gibt es pro Person im Doppelzimmer ab 72 Euro. Das Hotel ist frei wählbar.

Weitere Informationen zu Bremen und Übernachtungsmöglichkeiten in der Hansestadt gibt es beim Bremen Tourismus unter https://www.bremen-tourismus.de oder telefonisch unter 0421/30 800 10.