Gesundheitswirtschaft

i2b meet up Gesundheitswirtschaft

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Entwicklung der Gesundheitsbranche in der Diskussion

Um die Entwicklung der Gesundheitswirtschaft in der Metropolregion Nordwest ging es bei der i2b meet up Veranstaltung am 07.September 2010. Rund 350 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis tauschten sich bei der Veranstaltung des Business Netzwerks im Verwaltungsgebäude des Klinikums Bremen Mitte aus. Neben der Vorstellung des Netzwerks Gesundheitswirtschaft Nordwest, einem Impulsreferat über innovative Ansätze der Telemedizin, diskutierten Gesundheitsexperten die Zukunftsaussichten der Branche im Wettbewerb mit anderen Gesundheitsregionen. 

„Die Gesundheitswirtschaft ist die heimliche Heldin des Strukturwandels“, sagte PD. Dr. Diethelm Hansen, Geschäftsführer der Gesundheit Nord gGmbH (GENO) zu Beginn des Veranstaltung. Damit bezog er sich nicht nur auf die Aussichten im Bundesgebiet, sondern auch auf die Entwicklung im Nordwesten. Deutlich werde dies nicht zuletzt an den Beschäftigungszahlen: Der Anteil der Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Gesundheitswesen innerhalb der Metropolregion Bremen-Oldenburg macht aktuell 118 000 und damit 13,8 Prozent aller Vollbeschäftigten aus. Hinzu kämmen noch weitere 9200 Freiberufler und Selbständige. In der Branche arbeiteten somit deutlich mehr Menschen hierzulande als in den viel beachteten Wirtschaftszweigen wie der Logistik oder der Automobilindustrie. Als einen wichtigen Motor zur weiteren Stärkung der Gesundheitswirtschaft auch für die Zukunft stellte Hansen das im Mai neu gegründete Netzwerk Gesundheitswirtschaft Nordwest e.V. vor, dessen zweiter Vorsitzender er ist.

Telemedizin als mögliche Lösungsstrategie
In einem Impulsvortrag referierte Dr. Andreas Keck, Geschäftsführer KECK medical concepts and business management GmbH über innovative Ansätze der Telemedizin in der nachstationären Versorgung von Patienten. Der Mediziner begleitet derzeit Unternehmen, die sich mit dem Einsatz der Telemedizin im Gesundheitswesen beschäftigen als Unternehmensberater. Der Internist und Kardiologe betrachtet die Telemedizin als eine Möglichkeit, den zunehmenden Mangel an Fachkräften in der Medizin auszugleichen. Als Beispiel nennt er die Betreuung von Patienten mit Herzerkrankungen. Ihre Vitalwerte wie Herzfrequenz oder Blutdruck können mit Hilfe der innovativen Technik zentral von einer Station aus medizinisch überwacht werden, während sich der Patient am Wohnort frei bewegt. Weitere Anwendungsgebiete sieht Keck in den Fachbereichen Teledermatologie, Teleradiologie oder in der Labormedizin. Darüber hinaus bestünde in den unterstützenden technischen Systemen am Wohnort, dem so genannten Ambient Assisted Living (AAL), ein großer Zukunftsmarkt. Die Telemedizin könne zum verbindenden Element in der medizinischen Nachsorge und Rehabilitation werden und unterstütze damit das Prinzip des Zuhause dritter Gesundheitsstandort. „Die persönliche Betreuung wird in Zukunft aufgrund der personellen Engpässe schlechter, die Telemedizin wird sich aufgrund der technischen Weiterentwicklung dagegen verbessern“, prophezeite Keck. Der Markt könne in den kommenden Jahren sehr schnell sehr groß werden. Viele international agierende Unternehmen befänden sich derzeit mit ihren Technologieentwicklungen auf dem Sprung. Der internationale Wettbewerb habe bereits begonnen.

Podiumsdiskussion: Entwicklungstempo der Region
Um die Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung der nordwestdeutschen Gesundheitswirtschaft im Vergleich zu anderen Gesundheitsregionen ging es auch bei der anschließenden Podiumsdiskussion. Ob der Nordwesten hier den Anschluss schon verpasst habe, fragte Moderator Günter Hörbst, Ressortleiter Wirtschaft der Bremer Tageszeitung Weser-Kurier, die Podiumsteilnehmer. Sowohl GENO Geschäftsführer Diethelm Hansen als auch
Christian Suwelack, Leiter der Hirsch Apotheke, widersprachen. „In den letzten Jahren ist bereits viel passiert“, betonte Hansen. Mit der Gründung des Netzwerks Gesundheitswirtschaft Nordwest e.V. habe man zum richtigen Zeitpunkt reagiert. In der Region gebe es bereits so viel Potenzial, das durch die Clusterinitiative nun sinnvoll vernetzt werde, ergänzte Suwelack. „Schnelligkeit ist hier auch gar nicht so wichtig“, äußerte sich Unternehmensberater Keck überzeugt. Die Region beginne mit ihren Aktivitäten spät, aber nicht zu spät. Dadurch bestehe auch die Chance aus den Fehlern der anderen Gesundheitsregionen in Deutschland zu lernen.

WFB hat gute Vorarbeit für die Vernetzung geleistet
Suwelack sieht vor allem in der Vernetzung der unterschiedlichen Akteure durch die Umsetzung konkreter einzelner Projekte in der Metropolregion ein Chance: „Die WFB hat hier sehr gute Vorarbeiten geleistet. Es besteht bereits ein guter Markt. Wir werden dadurch das Tempo hier noch steigern können und möglicherweise andere Regionen abhängen.“ Dabei sprach er Projekte im Zusammenhang mit dem Gesundheitsstandort zu Hause sowie aus dem Bereich der Pflege an. Professor Dr. Stefan Görres, Leiter des Instituts für Public Health und Pflegeforschung, bezeichnete das Thema Pflege als zentrale gesellschaftliche Herausforderung für die Zukunft. Einem zunehmenden Pflegebedarf aufgrund der demografischen Entwicklung stehe zugleich die Abnahme an potenziellen Pflegepersonen gegenüber. Hier seien intelligente Lösungen beispielsweise im Dienstleistungssektor und auf dem Gebiet Telemedizin und Telecare gefragt. In den Unternehmen existiere dazu bereits viel Wissen. Das Problem läge jedoch in der noch fehlenden Verknüpfung mit der Praxis. In diesem Wissenschaftstransfer sieht Görres eine entscheidende Schnittstelle für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung in der Region: „Der neu gegründete Verein Gesundheitswirtschaft Nordwest bietet eine gute Plattform für die Verknüpfung zwischen Praxis, Unternehmen und Wissenschaft.“ Die Nordwestregion solle hier aus dem Fehler vieler Regionen lernen und sich nicht künstlich auf ein Gebiet spezialisieren, das von anderen nachgeahmt und übernommen werden könne, meinte Unternehmensberater
Keck. Gerade die effektive Zusammenarbeit der verschiedenen Partner mit ihren Stärken gelte es als das Alleinstellungsmerkmal zu nutzen, unterstrich der Mediziner. Bereits in fünf Jahren werde man sehen wo die Region besser ist als andere, sagt Hansen abschließend voraus. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite: www.i2b.de (RiHa).

 

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