Gesundheitswirtschaft

WFB Tagung zum Thema Pflegeberatung

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Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für viele Beschäftigte eine Herausforderung. Neben der Kinderbetreuung rückt die Pflege älterer Angehöriger zunehmend in den Vordergrund. Um ihre Mitarbeiter stärker zu binden, bieten Unternehmen nun Unterstützung an. Dazu zählt die Möglichkeit einer professionellen Pflegeberatung. Denn selbst Branchenangehörigen fällt der Ü-berblick über das vielfältige Angebot an Pflegedienstleistungen schwer. In einer Netzwerkveranstaltung zeigte die WFB Möglichkeiten für mehr Transparenz in diesem Bereich auf.

Unter dem Titel „Pflegeberatung- Neue Bedarfe - neue Märkte?“ ver-anstaltete die Wirtschaftsförderung Bremen GmbH (WFB) am 2. Dezember 2009 eine Fachtagung im Bremer World Trade Center. Nach einer Einleitung von Innovationsmanagerin Franziska Richter über die Aktivitäten der WFB auf dem Gebiet, lieferten Impulsvorträge von regionalen und überregionalen Referenten eine Einschätzung über den aktuellen Stand der Pflegeberatung. Außerdem zeigten sie Lösungen zur Einschätzung der Qualität von Pflegeleistungen auf und stellten Hilfsmittel für Berater und Ratsuchende vor. Rund 60 Teilnehmer aus Unternehmen, Arztpraxen, Beratungsstellen sowie Vertreter aus Politik und Krankenkassen tauschten sich dort aus. 

Rena Fehre, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeit und Wirtschaft (iaw) an der Bremer Universität stellte anhand von aktuellen Zahlen die Brisanz des Themas dar: In Deutschland lebten derzeit mindestens 2,2 Millionen pflegebedürftige Menschen. Zwei Drittel würden von Angehörigen -meist Frauen- versorgt. Rund 40 Prozent davon sei-en gleichzeitig erwerbstätig. Über die Hälfte wiederum davon sei über 40 Jahre alt. An diesen Zahlen lasse sich bereits der Handlungsbedarf  für die Unternehmen ableiten. Anschließend stellte Fehre Beispiele erfolgreicher Hilfsangebote von Bremer Unternehmen für pflegende Angehörige vor: Von flexiblen Arbeitszeitkonten, über Angebote zur Pflegeberatung bis zum monatlichen Erfahrungsaustausch für pflegende Angehörige. Im Zuge des Bremer Verbundprojekts ‚Beruf und Familie’ informiert, berät und vernetzt die Soziologin seit 2004 Unternehmen, Politik und die Öffentlichkeit in dieser Frage.

Hannelore Bitter-Wirtz, Landesbeauftragte des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) stellte den deutschlandweiten Zusammenschluss privater ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen als hilfreiches Netzwerk für die überregionale Pflegeberatung vor. Wer heute für einen Angehörigen in einer entfernten Stadt einen ambulanten Pflegedienst suche könne auf die Kompetenz einer der 16 Regionalvertretungen des bpa am gesuchten Ort zurückgreifen und sich über Qualität und Verfügbarkeit von Anbietern dort informieren. Bitter-Wirtz strebt eine Zusammenarbeit mit Unternehmen an, für deren Mitarbeiter der bpa etwa Informations- und Beratungsdienstleistungen anbieten könne.

Für mehr Transparenz in der (Pflege-)Beratung sprach sich Manuela Schoska von der Firma atacama „Software GmbH aus. Sie stellte eine anforderungsgerechte Software zur Pflegeberatung vor: In dem von der WFB geförderten Verbundprojekt ‚A Case for Care’ entwickelt die IT-Firma ein wissensbasiertes Computerprogramm für Pflegestützpunkte, Pflegenetzwerke und Beratungsstellen, das seit kurzem von den ersten Anwendern erprobt wird. Hierzu zählt auch Oliver Rothhardt von der Seniorenberatung RoSe im Landkreis Rotenburg Wümme, der das Projekt aus Anwendersicht darstellte. Mithilfe der Software könne man sich rasch einen Überblick über den Fall und den Beratungsverlauf verschaffen, nannte er als einen Grund für die Teilnahme an dem Projekt. Dies sei selbst dann möglich, wenn Mitarbeiter zwischen den zwei Standorten der Beratungsstelle wechselten. Das Programm erleichtere die Datenverwaltung, sei anwenderfreundlich sowie praxistauglich und ermögliche zudem Einblicke über die Beratungssituation hinaus.

Thomas Nöllen von der spectrum | K GmbH präsentierte das Dienstleis-ungsangebot für Pflegeberatung des Unternehmens. Als Nachfolgeeinrichtung des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen bietet spectrum „Keine breite Palette an Pflegeberatung als externe Dienst-leistung für Kranken- und Pflegekassen an. Dafür hat das Unternehmen unter anderem ein bundesweites Netzwerk von derzeit 230 qualifizierten Pflegeberatern, die vor Ort als Honorarkräfte arbeiten, aufgebaut und plant, dieses auf insgesamt 400 zu erweitern. 
 
Andreas Haupt, Vorsitzender des Pflegenetzes Heilbronn e.V, ging in seinem Vortrag auf das Gütesiegel ‚Sterne für Gute Pflege’ ein. Das Pflegenetz Heilbronn setzt sich als einer der Kooperationspartner für das Bewertungssystem ein. In dem nahe Stuttgart gelegenen Pflegenetz arbeiten unterschiedliche Gesundheitsdienstleister kooperativ auf regionaler Ebene zusammen. Mit dem Bewertungs- und Klassifizie-rungssystem könne die Qualität von Pflegedienstleistungen besser transparent gemacht werden, meinte Haupt.
„Tranzparenz und Kommunikation wird eine der Hauptanforderungen für die Akteure und Unternehmen aus dem Gebiet der Pflegeberatung bleiben. Dies gilt es, in Veranstaltungen noch weiter zu unterstützten“, meinte auch Franziska Richter in ihrer abschließenden Zusammenfas-sung.

QUelle: Dr. med., Dipl.-Journ. Heidrun Riehl-Halen


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