Gesundheitswirtschaft

Umbau des Klinikums Bremen-Mitte

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Expertengespräche am Bremer Stand auf dem Hauptstadtkongress

Auch während des diesjährigen Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit in Berlin präsentierte die WFB am gemeinsamen Landesstand Entwicklungen aus der Bremer Gesundheitswirtschaft. Bei mehreren Expertengesprächen machte der aktuelle Umbau des Klinikums Bremen-Mitte einen inhaltlichen Schwerpunkt aus. Dabei gaben die Fachleute einen anschaulichen Einblick in die medizinische und architektonische Konzeption sowie den bisherigen Ablauf des Teilersatzneubaus an der St.-Jürgenstraße.

Das Klinikum Bremen-Mitte ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung. Um auch in Zukunft optimale Voraussetzungen für die Versorgung auch von Schwerstkranken Patienten zu schaffen, wurde im Frühjahr 2011 mit den Umbaumaßnahmen begonnen. Bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2014 soll hier ein Teilersatzneubau mit einem daran angeschlossenen Eltern-Kind-Zentrum entstehen. Nur wenige Tage vor Beginn des Hauptstadtkongresses, am 09. Mai 2011, erfolgte der erste Spatenstich für den Neubau an der Bismarckstraße. So konnten die Aussteller den Besuchern am Bremer Landesstand im Mittelfoyer des ICC ganz aktuelle Fotos auf einem Großbildmonitor präsentieren. Während der Expertengespräche erläuterten Vertreter aus Politik, Krankenhausmanagement, Architektur, Medizin und Pflege die Entwicklung des ehrgeizigen Bau-Projektes von der Idee bis zum aktuellen Stand und lieferten einen Ausblick auf die Zukunft.

Zentralstruktur für kurze Wege und mehr Interdisziplinarität

„Das heutige Krankenhaus Bremen-Mitte besitzt die klassische Struktur einer Pavillonbauweise mit der Aufteilung in Fachkliniken“, erklärte Dr. Diethelm Hansen, Geschäftsführer der Gesundheit Nord gGmbH (GENO). Wesentliches Ziel bei der aktuellen Planung des fünfstöckigen Neubaus sei es, moderne Medizin auf höchstem Niveau mit den Vorteilen eines patientenfreundlichen Krankenhauses zu verbinden. Die derzeitige Pavillonstruktur werde zu Gunsten des Neubaus weichen und durch kompakte Strukturen Wege für Patienten und Mitarbeiter deutlich verkürzen. Die neue Gebäudeaufteilung erlaube eine größere Interdisziplinarität als früher. So könnten etwa Mediziner unterschiedlicher Fachrichtungen bei der Patientenbetreuung auf zeitgemäße Weise enger zusammenarbeiten. Einzig die denkmalgeschützte Klinik für Innere Medizin an der St.-Jürgen-Straße bleibe als Verwaltungsgebäude bestehen, erklärte Hansen das Konzept des neuen Klinikkomplexes. „Das medizinische Konzept hat uns gleich vor mehrere Herausforderungen gestellt“, gab Dr. Michael Ludes von der LUDES Architekten - Ingenieure GmbH zu. Denn hier seien hohe Wirtschaftlichkeit, maximale Qualität und Effektivität für die Patienten bei gleichzeitig begrenzter Fläche gefordert. Dennoch glaube er, dass die Planungen nicht zuletzt wegen der intensiven Zusammenarbeit in einer Arbeitsgruppe aus unterschiedlichen Berufsgruppen gelungen seien. Die senatorische Behörde habe das Projekt von Anfang an begleitet, sagte Dr. Helmut Gottwald, der bei der Bremer Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales für kommunale Kliniken zuständig ist. „Wir brauchen diesen Klinikneubau für Bremen, denn die alte Klinik musste umstrukturiert werden“, so Gottwald. Allerdings müsse Bremen sparen, dies gelte auch für bauliche Maßnahmen. Daher habe man die Rahmenbedingungen klären müssen. Nach langjährigen Abstimmungsprozessen und mehreren Konzepten, die unter anderem eine Renovierung und ein Public Private Partnership Modell mit Beteiligung von Firmen vorsahen, sei man schließlich zu dem jetzigen Neubau mit einer stärkeren Konzentration auf einer kleineren Fläche überein gekommen. Die aktuellen Pläne fänden in der Stadt eine große Akzeptanz, unterstrich Gottwald. Die Entscheidung für den geplanten Neubau sei eine Entwicklung über mehrere Zwischenstufen gewesen. Das Investitionsvolumen für das 750-Betten-Haus belaufe sich auf 230 Millionen Euro, für den der Bremer Senat nicht direkt aufkomme, sondern hierfür Bürgschaften übernehme.

Umzug der Intensivstation unter vollem Betrieb

Einen beispielhaften Einblick welche genauen Planungen ein solcher Umbau erfordert lieferte das zweite Expertengespräch zu dem Thema auf dem Bremer Landesstand. In einer anschaulichen Weise schilderten die Beteiligten den Umzug von der alten Intensivstation in einen provisorischen Modulbau, der vorübergehend in der Umbauphase genutzt wird. „Schon vor dem Umzug müssen sämtliche baulichen Maßnahmen abgeschlossen sein. Die enge Abstimmung zwischen Medizin, Pflege und Bau ist wichtig“, sagte Ursula Opalka, Architektin beim ausführenden Architekturbüro Ludes. Die komplette medizinische Ausstattung müsse im Vorfeld getestet werden. Zum Beispiel ob die Anschlüsse für medizinischen Gase wie Sauerstoff funktionierten. Dr. Jörg Gröticke, Oberarzt in der Inneren Medizin am Klinikum Bremen-Mitte bezeichnete den Umzug als eine besondere Herausforderung: „Wenn sie Schwerstkranke umziehen lassen, müssen sie alles mindestens ein viertel Jahr vorher genauestens planen“, sagte Gröticke. Das beginne schon mit dem Urlaubsplan der Mitarbeiter. Für den Transport eines beatmeten Schwerstkranken müsse man jeweils vier Personen einplanen. „Die Schwierigkeit war, dass wir den laufenden Betrieb mit Patienten von der Intensivstation, der onkologischen Station und der Dialyse voll aufrecht erhalten haben“, sagte Daniela Wendorff aus der Geschäftsführung der Pflege im Klinikum Bremen-Mitte. Der Zeitaufwand für die Planungen sei immens. Die Abläufe müssten in halbstündlichen Abständen überprüft und immer wieder abgeglichen werden. Allein die Umzugsgestaltung nehme fünf bis zehn Mitarbeiter in Anspruch. Für den bevorstehenden ‚großen Umzug’ in den Neubau hätten sie dabei viel gelernt, bestätigten alle Beteiligten.


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