Gesundheitswirtschaft
Studie belegt große Bedeutung der Branche

Bremens innovative Stärken in der Gesundheitswirtschaft
Eine aktuelle Studie des Instituts Arbeit und Technik liefert einen Überblick über die Situation des Gesundheitssektors im Bundesland Bremen. Dabei belegt sie die große Bedeutung der Branche für Wirtschaft, Beschäftigung und Gesundheitsversorgung in der Region. Die Auswertung zeigt aktuelle Stärken der Bremer Gesundheitsbranche auf und gibt einen Anstoß, ihr innovatives Potenzial zu nutzen. So empfehlen die Experten insbesondere einen stärkeren Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis, die Vernetzung zwischen ambulanter und klinischer Gesundheitsversorgung sowie die Verknüpfung von Technik und sozialen Dienstleistungen.
Die von der Bremer Gesundheitssenatorin beauftragte Studie ermittelt qualitative und quantitative Ergebnisse und gibt dem Bremer Senat sowie der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH praxisnahe Handlungsempfehlungen. „Die Analyse liefert uns wichtige Erkenntnisse über die aktuelle Situation in der bremischen Gesundheitswirtschaft. Außerdem gibt sie Empfehlungen, wie wir einerseits die Lebensqualität der Bevölkerung und andererseits die Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung im Land Bremen stärken können“, meint Hans-Georg Tschupke, Leiter der Abteilung Innovation bei der WFB. Für die Studie wurden neben Statistiken, Fachliteratur, Internetrecherchen auch eigene Auswertungen herangezogen sowie Interviews mit Expertinnen und Experten der Gesundheitswirtschaft in Bremen durchgeführt. Der im November 2010 veröffentlichte rund 80 Seiten lange Bericht wurde durch den bundesweit renommierten Experten für Gesundheitswirtschaft P.D. Dr. Josef Hilbert und sein Team erarbeitet. Der Diplomsoziologe leitet den Forschungsschwerpunkt Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität am Institut Arbeit und Technik (IAT) der Fachhochschule Gelsenkirchen. Hilbert ist darüber hinaus Privatdozent an der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum sowie Sprecher des Netzwerks Deutscher Gesundheitsregionen (NDGR) e.V.
Bremer Gesundheitswirtschaft aktuell und zukünftig
Nach den Auswertungen spielt die Bremer Gesundheitsbranche als Oberzentrum für Gesundheitsleistungen eine wichtige Rolle nicht nur für Bremen, sondern auch für das niedersächsische Umland. Derzeit arbeiten 48.300 Menschen in dem Bereich, überwiegend im klassischen Gesundheitswesen sowie in der Altenhilfe. Der Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in der Gesundheitswirtschaft an der Bremer Bevölkerung beträgt demnach 6.1 Prozent. Bremen ist damit das Bundesland, das im Ländervergleich den größten Bevölkerungsanteil Vollbeschäftigter in der Gesundheitsbranche hat. Die ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung in Bremen sei qualitativ hochwertig und übernehme teilweise auch die Versorgung des Umlandes. Der Studie zufolge ist die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen in den letzten Jahren positiv, liegt jedoch hinter der deutschlandweiten Entwicklung. Für 2008 schätzen die Autoren den gesamten Umsatz für die Branche auf etwa 2,4 Milliarden Euro. Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen werde Bremen in Zukunft keinen Bevölkerungsrückgang haben. Allerdings werde es eine überdurchschnittliche Zunahme der hochaltrigen Bevölkerung geben. Im Zusammenhang damit prognostizieren die Experten eine zunehmende Nachfrage nach Dienstleistungen und Hilfsmitteln für das Leben im Alter.
Überregionale Reputation der Gesundheitsbranche
Nicht nur auf der Bedarfseite stellt das Thema altersgerechte Gesundheitsversorgung einen wichtigen Schwerpunkt dar: „Bremen hat sich seit Jahren das Themenfeld ‚Gesund Zuhause Altern’ auf die Fahnen geschrieben und hat mit seinem quartiersbezogenen Ansatz für ein besseres Leben im Alter bundesweit Maßstäbe gesetzt“, urteilen die Autoren der Studie. Bremen habe hier bundesweit herausragende Kompetenzen in der Forschung, bei den Gesundheitseinrichtungen und bei privaten Unternehmen aus den Vorleistungs- und Zulieferbetrieben. Darüber sei es auch institutionell gut aufgestellt: „Mit der ressortübergreifenden Arbeitsgruppe Gesundheit und der Wirtschaftsförderung als koordinierender Stelle sind alle wichtigen Verantwortlichkeiten definiert.“ In dem 2010 gegründeten Verein Gesundheitswirtschaft Nordwest e.V. seien darüber hinaus Einrichtungen der Wissenschaft, Kostenträger, Apotheken, Krankenhäuser, Softwarehersteller und andere zusammengetreten, um die Gesundheitswirtschaft in der Metropolregion Bremen-Oldenburg zu stärken. Neben der Koordination nach innen sei durch das Engagement im Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen (NDGR) e.V. und herausragende Veranstaltungen auch eine überregionale Vermarktung der Bremer Gesundheitswirtschaft gelungen.
Handlungsempfehlungen für die Wirtschaftsförderung
Bremen sollte seine Förderaktivitäten im Schwerpunktgebiet ‚Altern erleben in Bremen’ strategisch weiter ausrichten und seine Kompetenzen stärker bündeln, empfehlen die Autoren der Studie: Erfolgreiche Modellprojekte zum Gebiet ‚Gesund zu Hause leben’ sollten stärker zwischen privaten und freigemeinnützigen Anbietern verbunden werden. Außerdem sollten (Pflege-)Dienstleistungen mit den technischen Kompetenzen der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet des Ambient Assisted Living (AAL) verknüpft werden. Bei diesem Spezialgebiet geht es um altersgerechte technische Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben im Alter. „Mit der Verbindung dieser beiden Leuchttürme hat Bremen die Chance, sich weiter für das Thema zu profilieren“, meinen Studienleiter Hilbert und sein Team. Da Bremen auch die Gesundheitsversorgung des Umlandes übernimmt, solle man verstärkt auf Kooperation mit dem Umland setzen. Als Beispiel wird hier die Nutzung der Telemedizin genannt. Dies stärke Bremens Position in der umliegenden Versorgungslandschaft. Für eine nahtlose Versorgung solle Bremen seine Aktivitäten weiter in Richtung Patienten orientierte, integrierte Versorgung ausdehnen.
Wissenstransfer fördern & Life Sciences stärker vernetzen
Bremen hat mit Unternehmen aus dem Bereich der bildgebenden Diagnostik, Massenspektrometrie, Zahntechnik sowie gesundheitsbezogenen Softwarefirmen teilweise weltweit agierende Branchenplayer, heißt es in der Studie. Die gesundheitswissenschaftliche Forschung an den Bremer Hochschulen und Universitäten sowie in Forschungseinrichtungen sei für Bereiche wie Epidemiologie und Prävention, Pflege-, Versorgungs- und Gesundheitssystemforschung, Public Health, Softwareentwicklung für bildgebende Diagnostik sowie künstliche Intelligenz nicht nur national, sondern auch international bekannt. Einigen wissenschaftlichen Einrichtungen gelänge es gut, ihre Erkenntnisse für die Anwendung in der Praxis nutzbar zu machen. Dieser Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis solle zukünftig noch stärker ausgebaut werden. Mit dem Life Sciences Verband und dem Life Sciences Forum sei dafür ein wichtiger Schritt in Richtung Vernetzung und Transparenz geleistet.
Gute Ausbildung an Hochschulen und Universitäten ausbauen
Mit seinen Universitäten und Hochschulen bietet das Bundesland Bremen eine außergewöhnlich gute Qualifikationslandschaft, sind die Autoren der Studie überzeugt: Bundesweite Trends zu neuen Berufsbildern mit einer Arbeitsteilung zwischen Ärzten und Pflegemitarbeitern sowie die Nachwuchssicherung würden hier bereits aufgegriffen und lösungsorientiert weiterentwickelt. Beispielsweise bei der integrierten Pflegeausbildung sei Bremen bundesweit Vorreiter. Angesichts der Entwicklung neuer Berufsbilder und veränderter Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen, sollte Bremen zukünftig mit entsprechenden Bildungsangeboten reagieren, empfehlen Hilbert und sein Team. Als Vorschlag nennen sie etwa eine Professur für Pflegeinformatik, die nicht nur die neuen technischen Anforderungen im Pflegebereich erforschen und lehren, sondern auch eine hervorragende Grundlage für den Fachkräftenachwuchs der Bremer Unternehmenslandschaft bieten könne. Bremen ist mit seinen Forschungs- und Qualifizierungskapazitäten prädestiniert, sich hier bundesweit weiter zu profilieren, lautet die Einschätzung der IAT Experten.
Bei der WFB laufen die Planungen für die Umsetzung
Nach Einschätzung der Studienautoren stehen der Bremer Gesundheitslandschaft mit den vorhandenen Strukturen und klaren Verantwortlichkeiten somit viele engagierte Akteure parat, um die Gesundheitswirtschaft nachhaltig weiterzuentwickeln. „In Abstimmung mit der Politik werden wir diese Handlungsempfehlungen nun Umsetzen und die strukturellen Veränderungen nach entsprechenden Vorbereitungen vorantreiben“, sagte Hans-Georg Tschupke bei der WFB. Als Ergebnis daraus wird im Frühjahr 2011 ein erneuter Ideenwettbewerb ausgeschrieben, um weitere Projekte zu fördern, die sich mit innovativen Ideen zum Thema Gesundheitswirtschaft beschäftigen (RiHa).
Für Interessierte findet sich der vollständige Wortlaut der Studie mit dem Titel: „Gesundheitswirtschaft in Bremen“ hier als download:
Ansprechpartnerin:
Heike Fafflock
Innovationsmanagerin Gesundheitswirtschaft
WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH
Langenstraße 2-4
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