Gesundheitswirtschaft
Pflegeorganisation in Krankenhäusern

Expertengespräch am Bremer Stand auf dem Hauptstadtkongress
Während des diesjährigen Hauptstadtkongresses 2009 Medizin und Gesundheit in Berlin eröffneten sich auf dem gemeinsamen Bremer Stand viele neue Perspektiven für die Gesundheitswirtschaft. Ein Beispiel dafür bot ein Expertengespräch zwischen dem Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord (GENO) gGmbH, der Bremer atacama Software GmbH und dem Schweizer Entwicklungs- und Beratungsunternehmen LEP AG zum Thema Innovationen in der Pflegeorganisation.
Einen Schwerpunkt in der Diskussion bildeten die Themenbereiche Leistungserfassung, Dokumentation und Organisationsabläufe in der Pflege innerhalb von Krankenhäusern. Während in den meisten europäischen Ländern so genannte Diagnosis Related Groups (kurz DRG) krankenhausbezogen zur Verteilung staatlicher oder versicherungsbezogener Budgets zum Einsatz kommen, wurde in Deutschland das 2003 eingeführte DRG-System zu einem Fallpauschalensystem umgestaltet und seither zur Vergütung der einzelnen Krankenhausfälle verwendet. Bei diesem Krankheitsbezogenen ökonomisch-medizinisches Klassifikationssystem stehen Leistungen aus dem Bereich Pflege bisher weniger im Fokus. Für den (Kosten-) aufwand spielt der jeweilige Grad der Pflegebedürftigkeit innerhalb gleicher DRG’s jedoch eine wichtige Rolle.
„Es gibt bei uns bisher wenig zuverlässige Berechnungen der tatsächlichen Kosten was die Pflegeleistungen angeht“, sagte Franziska Richter von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen, die das Expertengespräch auf dem Stand moderierte. In der Schweiz ist dies schon lange anders: „Bei uns gibt es seit 20 Jahren eine Erfassung der Pflegeleistungen“, unterstrich Ulrich Bamert, Geschäftsführer der LEP AG, aus St. Gallen in der Schweiz. Die Abkürzung LEP steht für 'Leistungserfassung in der Pflege'. Die wissenschaftlich fundierte Methode besteht aus statistischen Erfassungs- und Darstellungsverfahren für die Gesundheits- und Krankenpflege. Über 40 Krankenhäuser wenden das Softwaregestützte System seit 2001 auch in Deutschland an. In der Schweiz sollen 2013 DRG’s auch für die Pflege eingeführt werden. Dort beginnt derzeit die Daten- und Kostenermittlung. „Die Kernfrage, die uns beschäftigt ist: Welches Erfassungssystem ist das Beste“, unterstreicht Privatdozent Dr. Diethelm Hansen. Den Geschäftsführer des Klinikverbunds Gesundheit Nord gGmbH interessiert insbesondere, ob man mit dem LEP System eine genaue Kostenberechnung durchführen kann. „LEP wurde primär zur Leistungserfassung konzipiert. Das System zeigt erbrachte Leistungen an, gibt aber keine Empfehlungen für die Pflege und erbringt auch keine Pflegedokumentation“, umschreibt Bamert das Spektrum der LEP Leistungen. „Es wäre wichtig, schon vorher abzuwägen unter welchen Bedingungen man wirtschaftlich arbeitet“, wirft dagegen Jürgen Deitmers, Geschäftsführer der atacama Software GmbH, ein. Eine reine Leistungserfassung reiche daher nicht aus, sondern sie müsse immer in Relation zum Pflegeaufwand gestellt werden. Hansen verdeutlichte seine Fragestellung an einem Beispiel: „Interessant ist es doch zu wissen wie bewegen sich die Kosten bei gleicher Diagnose im DRG System, wo habe ich Abweichungen vom berechneten Mittelwert? Was macht den einen Standort, das eine Krankenhaus günstiger oder teurer als das andere?“ Als Beispiel nannte er Bandscheibentherapien, die je nach Operation in einer neurochirurgischen oder in einer orthopädischen Abteilung unterschiedlich teuer für das Krankenhaus ausfallen, durch die Fallpauschale aber immer nur mit dem gleichen Satz vergütet werden.
Bedeutsam für genauere Kalkulationen sei es vor allem, mehr Transparenz in die Pflegeabläufe zu bekommen. Dafür müsse man jedoch nicht nur die tatsächlich erbrachte Leistung, sondern eine Pflegeplanung durch ein gezieltes Pflegeassessment durchführen, meinte Deitmers. Sein Bremer Unternehmen bietet mit der Software „apenio“ ein Instrument für die Pflegeprozessplanung und Kostenkalkulation. Das gemeinsam mit dem Institut für Interdisziplinäre Alterns- und Pflegeforschung (iap) an der Universität Bremen entwickelte Programm liefert wissensbasierte Hilfen zur individuellen Pflegeplanung und Pflegedokumentation im Krankenhaus. „Was wir damit nicht abdecken ist die Leistungserfassung. Daher wäre es sinnvoll beide System, LEP und apenio, zusammenzuführen“, regte Deitmers an. „Transparenz braucht Werkzeuge“, lautet das Leitmotiv des Bremer Softwareunternehmens, das sich auf die Pflegebranche spezialisiert hat. „Mit Apenio und LEP gibt es bereits erfolgreiche Werkzeuge auf dem Markt“, unterstreicht Deitmers. „Im Zeitalter der knappen Ressourcen, in dem wir uns befinden brauchen wir Transparenz“, meinte auch GENO Geschäftsführer Hansen. Der Klinikdirektor betonte allerdings, dass die Verwendung der beiden Softwaresysteme nur bei einer flächendeckenden Nutzung für den gesamten Klinikbetrieb der GENO sinnvoll wäre. Und nahm die Äußerungen aus dem Gespräch abschließend als konstruktive Anregung mit nach Hause.







