Gesundheitswirtschaft

Pflegefachtagung 2010 im BITZ

zurück zur Übersicht

Internationales Forum zeigte neue Lösungen für die Pflege auf

Unter dem Motto ‚Wissen. Sprache. Technik. - Pflege verbindet’ fand am 02. -03. Dezember die ‚Pflegefachtag 2010’ im Bremer Innovations- und Technologiezentrum BITZ statt. Rund 150 Wissenschaftler Fachkräfte aus Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Kranken- und Pflegekassen, diskutierten über Herausforderungen und Lösungswege für die Pflege in einer alternden Gesellschaft. Veranstalter waren die atacama Software GmbH, das Institut für Public Health und Pflegeforschung an der Universität Bremen, das Institut Arbeit und Technik sowie das Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen. Die Veranstaltung wurde von der WFB gefördert.

Teilnehmer des erstmals in dieser Art veranstalteten internationalen Fachforums waren unter anderem Expertinnen und Experten aus Deutschland, dem europäischen Ausland, Canada, Japan und Korea. 45 Vorträge informierten insbesondere über innovative Technologien zur Unterstützung im Pflegealltag, deren Verknüpfung mit dem Wohnumfeld, soziale und gesellschaftliche Aspekte. „Das Thema Pflege ist nicht nur aktuell, sondern auch brisant“, sagte Dr. Jürgen Deitmers, Geschäftsführer der atacama Software GmbH, zu Beginn der Veranstaltung: Im Jahr 2030 würden in Deutschland fast eine Million Pflegekräfte fehlen. Das System stünde vor dem Kollaps. Angesichts dieser Entwicklung müsse sich der Pflegebereich neu aufstellen. Die Räumlichkeiten der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH im BITZ seien ein passender Ort für die Tagung, weil Innovation und Technologie auch in der Pflege gefragt seien. Zugleich sei das BITZ auch der Startpunkt für die Entwicklung der atacama Software GmbH vor elf Jahren gewesen, deren Produkte in Krankenhäusern und Altenpflegeheimen sowie neuerdings in kommunalen Krankenhäusern Österreichs eingesetzt würden. Dies sei nicht zuletzt ein Export-Erfolg des bremischen Gesundheits-Networking, an dem die WFB aktiv beteiligt sei.

Bremer Pflegewissenschaften bundesweit renommiert

Dr. Hermann Schulte-Sasse, Staatsrat bei der Bremer Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales sagte, es sei das Anliegen, Pflege-Themen in Bremen weiter zu etablieren: „Bremen ist inzwischen in Deutschland ein Zentrum für das Thema Weiterentwicklung in der Pflege geworden.“ Im Zusammenhang damit würdigte Schulte-Sasse die ausgezeichnete Forschungslandschaft im Bereich der Pflegewissenschaften, Gesundheitsökonomie und Sozialpolitik. Medizinische und technologische Fortschritte sowie soziale Innovationen zur Optimierung der Pflegequalität seien ohne Fortschritte in den Pflegewissenschaften nicht möglich. Die Verknüpfung zwischen Forschung und Praxis müsse jedoch verbessert werden: „So wie wir eine evidence-based medicine haben bräuchten wir auch eine evidence- based Pflege.“

Situation und Strategien für die Pflege - heute und morgen

Professor Dr. Stefan Görres, Direktor des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (ipp) an der Universität Bremen, gab einen Überblick über die derzeitige Situation, die voraussichtliche Entwicklung sowie Lösungsstrategien für den Pflegesektor. Im Laufe von einhundert Jahren werde es in Deutschland zu einer Umkehr der demografischen Verhältnisse kommen: Habe der Anteil der 0-19 Jährigen im Jahr 1950 noch bei 30 Prozent gelegen, wären im Jahr 2050 dagegen 32 Prozent der Deutschen 65 Jahre und älter. Demzufolge würden 2030 hier 4,5 Millionen Menschen pflegebedürftig, schätzte Görres. Heute werde noch ein Großteil von den Familienangehörigen gepflegt. Dieser Anteil werde bis 2030 drastisch abnehmen. Aufgrund alternder Belegschaften werde es bis dahin zusätzlich deutlich weniger potenzielle Mitarbeiter für den Bereich der professionellen Pflege geben. Die Schere zwischen Pflegebedürftigen und Pflegenden werde zur zentralen Herausforderung für die Zukunft. Je nach Berechnung würden im Jahr 2050 bis zu 1,5 Millionen Pflegekräfte in Deutschland fehlen. Als Strategien dagegen nannte Görres eine verbesserte Prävention, die das spätere Einsetzen der Pflegebedürftigkeit zum Ziel hat und mehr Geld für den Gesundheitssektor. Außerdem könne man mit Imagekampagnen, Beschäftigungsprogrammen, Ehrenamt und Einwanderungskampagnen versuchen, mehr Beschäftigte für den Sektor zu gewinnen. Am aussichtsreichsten sei ein Hilfe-Mix, aus einigen oben genannten Maßnahmen mit zusätzlichem Einsatz technologischer und organisatorischer Innovationen.

Zukunftsfähig: Prävention, Innovationen & integrierte Angebote

Auch P.D. Dr. Josef Hilbert, Direktor des Forschungsschwerpunktes Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität am Institut Arbeit und Technik (IAT) der Fachhochschule Gelsenkirchen, sprach sich für mehr Prävention aus. Bei den gut situierten Bevölkerungsschichten zeige sich bereits heute, dass sich gesundheitliche Prävention mit einem späteren Beginn der Pflegebedürftigkeit auswirke. Auch die Gesundheitsversorgung am Wohnort werde zukünftig eine größere Rolle spielen. Bremen sei dabei, Gesundheitsangebote am Wohnort und Quartiersmanagement für ältere Menschen anzubieten. Im Zusammenhang mit dem Gesundheitsstandort zu Hause nannte Hilbert Hilfssysteme und Projekte wie SONG, Telemedizin, E-health@home, Tele-Services und Ambient Assisted Living (AAL) als zukunftsweisende Beispiele. Darüber hinaus hält Hilbert eine stärkere Patientenorientierung und Integration der Angebote mit Systemlösungen statt punktueller Exzellenz für zukunftsfähig.

Pflegefachsprachen, Technische und soziale Innovationen

Ein Schwerpunkt der Fachtagung beschäftigte sich mit dem Nutzen standardisierter Pflegefachsprachen für die Versorgungskontinuität, Controlling und Qualitätssicherung im Gesundheitssektor. Im Veranstaltungsteil: ‚Technik, Soziales, Gesundheit’ ging es darum, wie man innovative Techniken mit Maßnahmen zur Verbesserung des sozialen Umfeldes zusammenführen kann. Neben der Vorstellung des Bremer Projektes SOziales Neu Gestalten (SONG) Wohnangebote und Quartiersmanagement für Ältere im Revier berichteten Referenten und Referentinnen aus Dänemark, Kanada, Japan und Korea von ihren Erfahrungen. Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung befasste sich speziell mit dem Thema Ambient Assisted Living (AAL). Darunter werden Konzepte, Produkte und Dienstleistungen verstanden, die neue Technologien und das soziale Umfeld miteinander verbinden, um die Lebensqualität für Menschen in allen Lebensabschnitten zu erhöhen. Praktische Beispiele, die sich im Bremen Ambient Assisted Living Lab bereits in der Erprobung befinden, präsentierte Bernd Krieg-Brückner vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Dazu gehören intelligente Rollstühle und Rollatoren als Mobilitäts-Assistenz genauso wie die Integration intelligenter Geräte, wie Bett, Türen, Sanitärobjekte, Kleiderschrank, Küchenzeile und Kühlschrank.
Interessierte können den Wortlaut vieler Fachvorträge der Pflegefachtagung 2010 auf der Internetseite: www.pflegefachtagung-bremen.de unter dem Programmpunkt ‚Präsentationen’ nachlesen und downloaden (RiHa).

Ansprechpartnerin

Heike Fafflock
Innovationsmanagerin Gesundheitswirtschaft
WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH
Langenstraße 2-4
28195 Bremen
Tel. 0421 9600 342
Fax. 0421 9600 8342
E-Mail: fafflock@wfb-bremen.de


Schriftgröße   aaa +