Gesundheitswirtschaft

Jobmesse war ein voller Erfolg

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Ideen gegen den Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche

Um dem Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche zu begegnen, veranstaltete die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH (WFB) am 19. und 20. November im Bremer World Trade Center (WTC) in der Birkenstraße erstmals eine Jobmesse. Unter dem Titel: „G_win – Zukunftsberufe Gesundheit“ präsentierten sich regionale Aussteller vor über 1000 Interessierten. Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten das parallel veranstaltete Fachsymposium. Die WFB hatte die Veranstaltung in Kooperation mit dem Erwin-Stauss-Institut im Auftrag der Gesundheitssenatorin organisiert.

„Wir wollen in Bremen mit einem Bündel an Maßnahmen dem Fachkräftemangel begegnen. Deshalb unterstützen wir mit dieser Jobmesse die regionale Gesundheitswirtschaft bei Ihren Bemühungen, geeignetes Personal zu finden und die Besucher über die Möglichkeiten der Branche zu informieren“, erläuterte Ingelore Rosenkötter, Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, anlässlich der Eröffnung. „Die Gesundheitswirtschaft ist ein wichtiges Innovationsfeld in Bremen. Wir wollen das regionale Potenzial stärken und weiter entwickeln“, erklärte Andreas Heyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH zu Beginn der Tagung. Mit der Veranstaltung wolle man aber auch zeigen, was Bremen auf dem Feld der Gesundheitswirtschaft zu bieten habe.

Aussteller aus dem gesamten Spektrum der Branche

37 Unternehmen und Institutionen präsentierten den Besuchern im Rahmen der Messe neben konkreten Stellenangeboten, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten ihre Produkte und Dienstleistungen. Unter den Ausstellern waren sowohl Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen als auch Berufschulen, Universitäten und Hochschulen,  Jobvermittlungsagenturen, berufständische Kammern, Krankenkassen sowie Unternehmen der Gesundheitsbranche. Allein über 200 Schülerinnen und Schüler suchten im Rahmen einer Messe-Rallye auf einem Fragebogen zu den Ausstellungsständen nach Antworten und verschafften sich auf diese Weise einen Überblick. Auf der ‚Straße der guten Praxis’, einer eigens aufgebauten Postergalerie, präsentierten Bremer Einrichtungen ihre Good Practice Beispiele aus der Gesundheitsbranche. Impulsvorträge der Aussteller auf einer eigens eingerichteten Bühne beschäftigten sich mit den beruflichen Chancen in den einzelnen Teilbereichen der Branche.

Gesundheitssenatorin besuchte zahlreiche Messestände

Nach der Eröffnung ließ es sich die Gesundheitssenatorin nicht nehmen, einen Großteil der Aussteller persönlich aufzusuchen. Am Stand der Bremer Heimstiftung ließ sie sich ein neues Modell zur Ausbildung von Pflegeschülerinnen und Pflegeschülern mit Migra-tionshintergrund erläutern. Außerdem beglückwünschte sie die aus einem Förderprojekt entstandene Firma ‚mein zuhause’ zu einem aktuell erhaltenen Innovationspreis. Mit den Ausstellern der Zahnärztekammer plauderte die Senatorin am Stand, schaute sich eine Broschüre der Arbeiterwohlfahrt (AWO) an und ließ sich beim Klinikverbund Gesundheit Nord gGmbH (GENO) mit einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fotografieren.

Fachsymposium zeigte Ausbildungswege für Pflegeberufe

Das parallel veranstaltete Fachsymposium beschäftigte sich vor allem mit Entwicklungen im Bereich der Pflege wie dem aktuellen Fachkräftemangel. Zu den über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Fachsymposiums gehörten neben Schülern und Studenten, Wissenschaftler, Vertreter aus Krankenkassen, Gesundheitseinrichtungen, Unternehmen, Verbänden und Politik. In 13 Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen erörterten Referentinnen und Referenten aus Deutschland und dem europäischen Ausland Wege für die Pflegeausbildung von der Berufsfachschule bis zum Bachelor-Studium. Auch die Neuaufteilung der Kompetenzbereiche zwischen Ärzten und Pflegepersonal, wie man unterschiedlich qualifizierte Arbeitskräfte einsetzt und die Frage wie das Image für Pflegeberufe verbessert werden kann, gehörten zu den Inhalten der Tagung. In einer Podiumsrunde diskutierten Bremer Expertinnen und Experten aus der Praxis Anforderungen, Probleme und Lösungswege für die Pflegeberufe.

Diskussionsrunde: Welche Profile braucht die Praxis?

In der Altenpflege sei der Mangel an Fachpersonal bereits spürbar, sagte Ricarda Hasch, Heimleiterin im Pflegeheim Hasch. „Wir finden zur Zeit kaum spezialisierte und qualifizierte Pflegekräfte“, bestätigte auch Dr. med. Brigitte Kuss, ärztliche Geschäftsführerin des Klinikums Bremen Mitte. OP Schwerstern, Kinderkrankenschwestern, Intensivschwestern und - pfleger würden im Moment besonders gesucht, konkretisierte Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft der Freien Hansestadt Bremen. Neben der Qualifikation mangele es oft auch an sozialen Kompetenzen, meinte Inka Kusen, Geschäftsführerin des Dienstleistungsbetriebs Advertus ambulant in Bremen. Als mögliche Gründe für den Fachkräftemangel nannten die Experten übereinstimmend das schlechte Image und die schlechten Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche. Ein Problem sei die zunehmende Arbeitsverdichtung bei begrenzten finanziellen Mitteln, sagte Zimmer. Zukünftig kämen aus demografischen Gründen und geringerer schulischer Qualifikation von vorneherein weniger junge Menschen für die Berufsgruppe in Frage. Durch geeignete Qualifizierungsmaßnahmen und neu zugeschnittene Assistenzberufe müsse man daher den Einstieg auf niedrigschwelligem Niveau auch für diese Gruppe öffnen.

Experten erörterten unterschiedliche Lösungswege

Auch Irmgard Menger Vorstandsvorsitzende der Bremischen Schwesternschaft plädierte für ein Konzept der Durchlässigkeit. Nach dem Einstieg als Pflegeassistent sollten junge Menschen durch stetige Weiterbildung und Aufstiegschancen dauerhaft für den Beruf motiviert werden. Ein Vorteil dieses Konzepts sei eine Schulung entsprechend des tatsächlichen Bedarfs. Neue akademische Ausbildungsgänge der Pflegewissenschaften wurden übereinstimmend begrüßt. Andererseits betonte Inka Kusen: „Wir brauchen nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer“. Um die Arbeitsplätze in der Pflege interessanter zu machen, müsse man jedoch voranging die Arbeitsbedingungen und Interdisziplinarität verbessern, äußerte sich Zimmer überzeugt. Ein Einsatz jedes Mitarbeiters entsprechend der Qualifikation ohne Über- oder Unterforderung und eine entsprechende Anerkennung seien darüber hinaus wichtig, betonte Kuss.

Podiumsdiskussion Gesundheitsberufe - der Bremer Weg?

Am zweiten Veranstaltungstag diskutierten Fachleute und Politiker über die Entwicklung der Gesundheitsberufe. Im Mittelpunkt stand ein neues Ausbildungsmodell für Pflegeberufe, das die Gesundheitssenatorin zu Beginn als ‚Bremer Weg’ erklärte: Die Grundlage bietet eine zwei jährige Ausbildung zum Pflegeassistenten, auf die Möglichkeiten der Weiterbildung und Qualifikation bis zu akademischen Ausbildungsgängen aufbauen. „Wir brauchen in der Pflege abgestufte Qualifikationen und Tätigkeitsprofile. Es soll eine gute Ausbildung für Hauptschüler geben, die zu einer Tätigkeit im Assistenzbereich befähigt.“ Andererseits solle es qualifizierende Abschlüsse mit Bachelor- und Master-Niveau geben. Wichtig sei die Durchlässigkeit. In Bremen seien bereits Bausteine hierzu in der Planung. Zwar solle es auch weiterhin eine Abstufung bei der Besoldung nach Qualifikation geben, insgesamt gehe es aber um eine Imageaufwertung für Gesundheitsberufe.

Gesundheitswirtschaft als Ganzes im Fokus

Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen, begrüßte das Modell: „Der Bremer Weg ist ein guter Weg, weil er jungen Menschen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung gibt.“ Allerdings solle nicht nur die Pflege, sondern die Gesundheitswirtschaft als Ganzes betrachtet werden. Die Branche entwickle sich in der Region derzeit weiter. Beispielhaft nannte er das Netzwerk Gesundheitswirtschaft Nordwest e.V. und den Studiengang Humanmedizin, den die Universitäten Oldenburg und Groningen gemeinsam ab 2011/2012 anbieten. P.D. Dr. Diethelm Hansen, Geschäftsführer des Klinikverbunds Gesundheit Nord gGmbH (GENO), argumentierte für mehr interdisziplinäres Arbeiten: „Wir müssen uns von den traditionellen Berufsgruppen verabschieden.“ Bereits in Kürze würden bei der GENO Medizinische Dokumentationsassistenten die Schreibarbeit in der Pflege teilweise übernehmen. Insgesamt werde man zukünftig mehr technische Hilfsmittel einsetzen. Professor Dr. Karin Luckey, Rektorin der Hochschule Bremen, plädierte für eine stärker bedarfsorientierte akademische Ausbildung.

Kontroverse Ansichten der Politiker zum ‚Bremer Weg’

Das Urteil der Politiker zum ‚Bremer Weg’ und der Entwicklung im Gesundheitswesen viel kontrovers aus: Dr. Rita Mohr-Lüllmann (CDU) begrüßte zwar das neue Ausbildungsmodell. Es existiere allerdings schon woanders und sei daher keine Bremer Lösung. Sie appellierte: „Reden Sie nicht länger, sondern packen Sie die Probleme endlich an.“ Winfried Brumma (SPD) sprach sich für den Mindestlohn, gute Aufstiegsmöglichkeiten und eine leistungsbezogene Entlohnung im Pflegebereich aus. Dr. Oliver Möllenstädt (FDP) kritisierte das zu geringe Ausbildungsplatzangebot der Krankenpflegeschulen und das niedrige Bildungsniveau der allgemeinbildenden Schulen. Der niedrigschwellige Einstieg in die Pflegeberufe dürfe keine Verschlechterung der Pflege bedeuten. Doris Hoch (Die Grünen) nannte das Bremer Ausbildungsmodell als Chance für die Weiterqualifizierung. Ingelore Rosenkötter (SPD) betonte, dass der ‚Bremer Weg’ möglicherweise auch anderswo angewendet werde. Wichtiger sei jedoch, dass mit der 2005 angelegten Berufsordnung Pflege in Bremen ein wichtiger Impuls gestartet wurde, der nun weiterverfolgt werde (RiHa).

Ansprechpartnerin:

Heike Fafflock
Innovationsmanagerin Gesundheitswirtschaft
WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH
Langenstraße 2-4
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Fax. 0421 9600 8342
E-Mail: fafflock@wfb-bremen.de


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