Gesundheitswirtschaft
Innovative Arzneiverpackung und -zustellung

Medikamente auf neuen Wegen
Täglich eine Tablette – morgens, mittags und abends - Pflegekräfte in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder zu Hause verbringen viel Zeit mit der Portionierung und Ausgabe von Medikamenten. Doch irren ist menschlich. Dabei entstehen mitunter Fehler, die gesundheitliche Folgen für die Patienten haben können. Ein innovatives Verpackungs- und Zustellsystem beliefert nun sicher, schnell und kostengünstig Medikamente nach individuellem Bedarf an medizinische Einrichtungen sowie Haushalte in Bremen und Umgebung.
Mit Hilfe eines Automaten werden Arzneimittel von der Hirsch Apotheke für jeden Patienten einzeln portioniert und je nach Bedarf vertrieben. Die mit einer speziellen Software gesteuerte Verblisterungstechnologie sortiert, verpackt und beschriftet die Tagesrationen automatisch. Das Ergebnis ist ein luftdichter und hygienischer Beutelstrang, der Eiswürfeltüten aus dem Gefrierschrank ähnelt. In dem abschließenden Kontrollvorgang überprüft ein Fotosystem die abgepackten Rationen, ob sie verschreibungsgetreu und vollständig sind. Über einen eingeprägten Barcode lassen die Beutel sich zurückverfolgen. Dank einer lesbaren Beschriftung können Patienten und Pflegekräfte erkennen, was in dem Medikamentenbeutel ist und wann es eingenommen werden soll. Zur Lieferung gehören ebenso die Einnahmehinweise, Verordnungsblätter und Beipackzettel. Auftragnehmer erhalten die individuell zusammengestellten Medikamente wochenweise frei Haus geliefert. Die Patienten können so einfach die richtigen Medikamente zum richtigen Zeitpunkt entnehmen. „Wir erreichen damit ein höheres Maß an Sicherheit und einen Qualitätsgewinn bei der Patientenversorgung“, nennt Christian Suwelack, Inhaber der Hirsch Apotheke, den wesentlichen Vorteil. Mit dem neuen Versorgungssystem beliefert der Apotheker seit Januar 2009 etwa 600 Patienten in Pflegeinrichtungen. Hinzu kommen weitere 150 Patienten, die über ambulante Pflegedienste oder privat Zuhause versorgt werden. Ein weiterer Vorteil des innovativen Systems liege in der deutlichen Arbeitsentlastung für das Pflegepersonal, das dadurch wieder mehr Zeit für Patienten habe. Daneben sieht Suwelack auch wirtschaftliche Vorteile für die Krankenkassen:
Bei der Einzelverblisterung erstattet die Kasse nur die Menge an Medikamenten, die der Patient tatsächlich benötigt. Denn normalerweise dürfen Restmengen aus angebrochenen Arzneipackungen nicht für andere Patienten verwendet werden. Die Kassen müssen sie jedoch bezahlen. Suwelack schätzt, dass die Ersparnis für die Krankenkassen mit dem neuen System zwischen zehn bis 20 Prozent gegenüber den bisher üblichen Arzneimittelkosten liegt. Das neue System legt auch ein Umdenken bei der Lagerung und Vertrieb der Arzneimittel nahe. Als zukunftsorientierter Apotheker hat sich Suwelack nach neuen Kooperationspartnern umgeschaut. Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) unterstützt im Rahmen ihrer Initiative ‚Bremen Zukunftsmarkt Gesundheit’ die Vernetzung von Unternehmen in der bremischen Gesundheitsbranche mit ihren Leistungen. Daraufhin steht Suwelack aktuell in Kooperationsverhandlungen mit dem Bremer Logistikunternehmen Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG. Ihre gemeinsame Vision: Ein medizinisches Warenhaus mit angeschlossenem Logistik- und Vertriebsystem im Güterverkehrszentrum (GVZ) Bremen. „Wir sind im Verhandlungsprozess über ein zentrales ‚Medical Warehouse’ mit der Firma Hellmann, das für Bremen und die Metropolregion Nordwest bestandsfähig ist“, bestätigt Suwelack. In einem solchen Zentrum kann man das gesamte Produktangebot der Apotheke statt wie bisher über mehrere dezentrale Lager von einem zentralen Standort aus abwickeln. „Damit hat man nicht nur genügend Lagerflächen an einem Ort zur Verfügung“, meint Dr. Mathias Witt,
Leiter Krankenhauslogistik National, der Firma Hellmann. Auch die Anlieferung beispielsweise größerer Warenmengen sei am infrastrukturell günstig gelegenen GVZ besser durchführbar. Zeitaufwendige Transporte zwischen verschiedenen Lagerflächen fielen dadurch weg, was auch die Auslieferung zu den Kunden optimiere. Nicht zuletzt entlaste dies den Verkehr in der Stadt und damit die Umwelt. Für kurze Wege steht auch die Kommissionierung innerhalb des Medical Warehouse: Mit einem Handheldcomputer ausgestattet steuert ein Mitarbeiter verschiedene Stationen im Lager an und entnimmt je nach Auftrag die gewünschte Ware für den Versand. Eine Software leitet ihn wie ein Navigationssystem nach optimierter Wegführung durch die Gänge, bis er mit den notwendigen Teilen am Versandtresen ankommt, wo die Ware noch einmal kontrolliert und im Ausführungsbereich auftragsgemäß verpackt wird. „Über die anstehende Kooperation mit der Hirsch Gruppe hinaus sind wir offen für Gespräche mit anderen Anbietern aus dem Gesundheitsbereich wie Krankenhausverbänden, die sich an dem Medical Warehouse-System beteiligen möchten“, meint Witt. Die Firma Hellmann bringt bereits umfangreiche Erfahrungen aus der Krankenhauslogistik beispielsweise für das Berliner UniversitätsKlinikum Charité mit. Das weltweit agierende Familienunternehmen möchte sich auch in der Metropolregion Bremen/Oldenburg stärker in der Gesundheitsbrache engagieren. „Wir könnten beispielsweise Global-Sourcing-Artikel wie Operationshandschuhe in großen Mengen günstig auf dem weltweiten Markt beziehen und Krankenhäuser in der Region damit versorgen“, lautet die Vision des Logistikspezialisten.
Ansprechpartner:
Christian Suwelack
Hirsch-Apotheke
www.hirsch-apotheke-bremen.de
Dr. Mathias Witt
Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG
http://www.hellmann.net







