Gesundheitswirtschaft
Gesund älter werden im eigenen Zuhause

Bremens Gesundheitssenatorin lobt neues Projekt zur Gesundheitsversorgung
Bundesweit einmaliges Dienstleistungsangebot gestartet
Wer bringt saubere Wäsche ans Krankenbett? Wer kümmert sich um den Hund zu Hause?
Diese Fragen stellen sich insbesondere alleinstehende Menschen vor einem Krankenhausaufenthalt. Im Rahmen eines Modellprojektes hat das Bremer Dienstleistungsunternehmen »mein zuhause« jetzt eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, die Antworten auf solche Fragen gibt. In Kooperation mit der Bremer Wohnungsgesellschaft GEWOBA gestaltete es für deren Mieter ein spezielles Dienstleistungsangebot. Mit dem Produkt »Saluto« bietet »mein zuhause« in Ergänzung zu dem bestehenden Servicemanagement der GEWOBA einen bundesweit einzigartigen Service zur Gesundheitsversorgung mit Partnern aus dem Stadtteil. Es geht weit über die ambulante Pflege hinaus und stellt die gesundheitliche Prävention in den Vordergrund. Von der ambulanten Massage, über die Ernährungsberatung bis hin zu speziellen Paketen rund um einen Krankenhausaufenthalt richtet sich das Angebot nach den individuellen Bedürfnissen der Kunden. Seit dem 05. März 2010 können sich sowohl GEWOBA-Mieter aus den Stadtteilen Huchting und Gartenstadt Vahr mit Anfragen als auch Dienstleister mit Angeboten bei einer Koordinierungsstelle melden. „Wir bringen Kunden und Dienstleister zusammen. Damit wollen wir vor allem älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben in der gewohnten Umgebung ermöglichen“, erklärte Jürgen Weemeyer anlässlich einer feierlichen Auftaktveranstaltung am 04. März im Bremer World Trade Center. Der Gerontologe ist Leiter des Verbundprojektes, das aus der Initiative zweier Pflegedienste entstand und vom Institut für Publik Health und Pflegeforschung (ipp) an der Bremer Universität wissenschaftlich
unterstützt wird. „Dass hier wissenschaftliche Einrichtungen, Firmen und die GEWOBA erfolgreich zusammenarbeiten, spricht einmal mehr für das Know-how und die innovative Kraft unseres Bundeslandes auf dem Gebiet“, lobte Bremens Gesundheitssenatorin Ingelore Rosenkötter das Projekt zu Beginn der Veranstaltung. An der Fachtagung nahmen rund 100 Vertreter aus Politik, Gesundheitswesen und Wohnungswirtschaft teil. Fachleute erläuterten das Projekt anschließend in Vorträgen:
Professor Dr. Stefan Görres, Direktor des ipp an der Universität Bremen ging auf die wissenschaftlichen Ergebnisse einer Befragung ein, die das Institut unter den Mietern der GEWOBA im Sommer 2009 durchgeführt hat. Anhand von Interviews analysierten die Wissenschaftler die aktuelle Situation und die Bedürfnisse der Mieter über 65 Jahre, bezogen auf die häusliche Situation, Gesundheitsfragen, Informationsvermittlung und das Freizeitverhalten. Der durchschnittliche Befragte ist demnach weiblich, 75 Jahre alt, Rentnerin, verwitwet, hat regelmäßig Kontakt zu entfernt lebenden Kindern und lebt allein im Haushalt. „Diese Erhebung spiegelt den allgemeinen Trend im Bundesgebiet wieder“, meinte Görres. Bei der Erhebung sei vor allem der Wunsch nach mehr Entlastung im Haushalt und einer umfassenden Gesundheitsversorgung aufgefallen. Angesichts der kürzeren Verweildauer der Patienten im Krankenhaus in den letzten Jahren sei eine Unterstützung bei der Aufnahme und Entlassung aus dem Krankenhaus gefordert. „Wir müssen neue Produkte und Hilfen entwickeln, weil die bisherigen Abläufe zukünftig nicht mehr greifen werden“, so Görres. Schon heute befänden sich viele Familien an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Daher werde ein Hilfemix aus Familie mit einem unterstützenden Netzwerk verschiedenster Dienstleister die Zukunft sein. „Ich glaube, dass dieses Projekt Alternativen zu den bisherigen Versorgungsformen bietet. Außerdem fördert das Modell die Selbständigkeit in hohem Maße und wirkt präventiv“, ist Görres überzeugt.
Die Notwendigkeit für Innovationen betonte auch Dr. Volker Riebel, Vorstandsvorsitzender der GEWOBA Aktiengesellschaft. Die GEWOBA vermietet als kommunaler Anbieter 40 000 Wohnungen und ist damit im Bundesland Bremen der Marktführer. Zwar würden viele Wohnungsgesellschaften in innovative Felder expandieren. „Bisher gibt es jedoch keine Verknüpfung zwischen der klassischen Wohnungswirtschaft und der Gesundheitswirtschaft“, sagte Riebel. Doch angesichts einer immer größeren Gruppe älterer Mieter müsse sich die Wohnungswirtschaft den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen. Riebel glaubt, dass dieses Projekt von den Kunden angenommen wird, weil es genau diese Anforderungen berücksichtige. Ein Vorteil für das Gelingen seien die günstigen Strukturen im Bundesland mit großen Wohnquartieren und einer überdurchschnittlichen Gesundheitsversorgung. Eine wesentliche Voraussetzung sei allerdings die gute Vernetzung der Akteure untereinander. „Deshalb sind wir gerne als Pilotanwender bei dem Projekt dabei“, sagte Riebel.
Auch Kai Stührenberg von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH unterstrich die Bedeutung von Kooperationen und Vernetzungen. „Wer sich den Veränderungen der Gesellschaft nicht stellt, hat als Unternehmen auf dem Markt keine Zukunft“. In diesem Zusammenhang sieht er das Projekt auf einem sehr guten Weg. Mit dem Schwerpunkt „Der Gesundheitsstandort zu Hause“ setzte die WFB gemeinsam mit den Bremer Ressorts für Gesundheit und Wirtschaft seit 2008 auf innovative Projekte zur Gesundheitsförderung am Wohnort insbesondere für ältere Menschen. Das Verbundprojekt „Zuhause im Quartier“ sei ein erfolgversprechendes Beispiel. Nicht ohne Grund gehöre es zu den 2009 ausgezeichneten Siegern des Ideenwettbewerbs „Gesund und selbständig – zu Hause leben“, den die Gesundheitssenatorin gemeinsam mit der WFB ausgeschrieben habe. Die WFB unterstützte das Vorhaben aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) noch bis Oktober 2010. Nach Stührenbergs Einschätzung hat das Förderprojekt das Potenzial, Beschäftigung und Arbeitsplätze zu schaffen und die Idee zukünftig auch über Bremen hinaus zu etablieren.
In einem Ausblick stellte Susanne Sünderkamp, stellvertretende Projektleiterin, die Ausdehnung des Angebots für GEWOBA-Kunden in weiteren Stadteilen ab Juli 2010 in Aussicht. Darüber hinaus werde die Zusammenarbeit mit der kommunalen Krankenhausgesellschaft Gesundheit Nord gGmbH ausgebaut. Im Sommer dieses Jahres stehe eine weitere wissenschaftliche Befragung der GEWOBA-Mieter zur Überprüfung an. „Aus den Ergebnissen kann das Produkt angepasst und schließlich ab Januar 2011 auf ganz Bremen ausgedehnt werden“, erklärte Sünderkamp. Ab 2011 werde »mein zuhause« dann eine Dienstleistungspalette für das gesamte Bundesgebiet entwickeln.
Kontakt:
»mein zuhause«
Jürgen Weemeyer, Dipl. Soz. Päd./Gerontologe, Projektleiter
Susanne Sünderkamp, Dipl. Pflegewirtin, stellv. Projektleiterin
E-Mail: mail@mein-zuhause.info







