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EU-Fördergelder für den Mittelstand

Entbürokratisierung geplant:
Im drittgrößten EU-Fördertopf befinden sich große Summen für den Mittelstand
Als mittelständischer Unternehmer muss man sie nicht unbedingt kennen, zumal ihr Name auch nicht leicht zu behalten ist: Máire Geoghegan-Quinn. Aber man sollte von ihren Aufgaben wissen und von den Geldern, über die sie verfügt. Máire Geoghegan-Quinn ist in der EU-Kommission für das Ressort Forschung zuständig. Dort ist ein Programm aufgelegt mit einem Gesamtbudget von rund 53 Milliarden Euro. Dieses Programm richtet sich - und da wird es für die KMU-Betriebe interessant - nicht nur an Universitäten und einschlägige Forschungsinstitute, sondern will gezielt auch kleine und mittelständische Unternehmen ansprechen. Weil das bei diesen nicht hinreichend bekannt ist, und weil die Verfahren schlechthin kompliziert und langwierig sind, hat die Europäische Kommission, dezidiert mit Blick auf die KMU, einen „Vereinfachungsplan" beschlossen. Der Zugang der Mittelständler zu den EU-Forschungsgeldern soll problemloser werden.
Offensichtlich haben die Zwischenstands-Daten die Kommission alarmiert. Das 7. Forschungsrahmenprogramm gibt es bereits seit 2007, es läuft bis 2013, man hat bisher fast 8 000 Projekte gefördert - aber nur 15 Prozent der Projektnehmer kamen aus dem KMU-Bereich, obwohl gerade die mittelständischen Betriebe angesprochen und motiviert werden sollten. Um im letzten Drittel des Förderzeitraums zu besseren Nachfragewerten zu kommen, will Kommissarin Geoghegan-Quinn die Wege zu den Fördermitteln ebnen, damit die Interessenten,namentlich KMU-Betriebe, „weniger Zeit und Kraft mit Papierkram verschwenden". Unternehmen also, die sich auf innovative Verfahren, Technologien oder Produkte konzentrieren, dies mit ausländischen Partnern betreiben, sind potenzielle Kandidaten für Mittel aus dem Topf des EU-Forschungsprogramms.
Mit drei Verfahrensverbesserungen soll der Weg ins „Reich der EU-Förderung" leichter werden:
- Die Kommission garantiert eine größere Flexibilität bei der Berechnung der Personalkosten. Im Klartext: Personalkosten können nach den Modalitäten der KMU-Buchhaltung kalkuliert und abgerechnet werden.
- KMU-Unternehmer können für ihren Beitrag im Rahmen eines Projektes eine Pauschalerstattung erhalten, auch wenn sie sonst in der Gehaltsliste ihres Betriebes nicht verbucht werden.
- Unstimmigkeiten bei den Vorschriften zu Forschungsförderung werden von einer besonderen Lenkungsgruppe der EU-Kommission geprüft und gegebenenfalls beseitigt.
„So werden wir", hofft die Forschungskommissarin, „noch mehr und bessere Bewerber finden, eben auch dynamische kleine Unternehmen, die einer überbordenden Bürokratie nicht gewachsen sind". Trotz dieser Vereinfachungen gibt es natürlich Konditionen, auch für die mittelständischen Unternehmen. Sie kommen als Förderkandidaten, jenseits einer Bewertung der konkreten Projektvorhaben, nur dann in Betracht, wenn sie nicht mehr als 250 Beschäftigte haben, einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro oder eine Bilanzsumme von 43 Millionen Euro nicht überschreiten. Eine andere Voraussetzung ist die Internationalität der Projekte, also eine Kooperation mit ausländischen Partnern.
Die für KMU-Betriebe interessanten Projektfelder lassen sich über drei Bereiche skizzieren
1. Vorhaben, die sich mit der Optimierung unternehmerischer Initiativen und Innovationen befassen,
2. Projekte im Bereich der Kommunikationstechnologien,
3. Aufklärungs- und Qualifizierungsmaßnahmen im Sektor Erneuerbarer Energien.
Für interessierte Unternehmen gibt es nationale Kontaktstellen, die über das Europäische Forschungsprogramm und Details der Projektförderung informieren. Die deutsche Kontaktstelle ist beim Bundesministeriumfür Forschung und Technologie angesiedelt. Im Sinne einer Unterstützung der internationalen Kooperationen arbeitet ein von der EU initiiertes Netzwerk, das Enterprise Europe Network.
Mit den rund 53 Milliarden Euro ist die Forschungsförderung immerhin der drittgrößte Etatposten nach Agrarförderung und den Mitteln für die Strukturpolitik im EU-Haushalt. Die Mittel sind noch nicht ausgeschöpft, der Zeitrahmen gilt bis 2013.
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