Gesundheitswirtschaft
Aus den Unternehmen: Wunschkonzert der Enzyme

Biotech Start-up erfolgreich nach Teilnahme am BRUT Programm
Sie sind hilfreich bei der Arzneimittelherstellung, dienen als Backmittel und sind aus Waschmitteln nicht mehr wegzudenken: Enzyme steuern Abläufe - in Lebewesen und der Industrie. Kaum ein Wirtschaftszweig kommt heute ohne diese biologischen Katalysatoren aus. Doch oft genügen natürliche Enzyme nicht den Anforderungen der Industrie. Die Bremer SeSaM-Biotech GmbH hat sich daher auf ihre Optimierung für die industrielle Produktion spezialisiert. Seinen erfolgreichen Start verdankt das Unternehmen nicht zuletzt der Teilnahme an einem Existenzgründerprogramm der WFB Wirtschaftsförderung Bremen.
Im Oktober 2008 gründete Dr. Alexander Schenk die SeSaM-Biotech GmbH als Spin-Off an der Jacobs University (JUB) in Bremen. Schenk studierte Biologie in Marburg und promovierte 2005 an der privaten JUB in Bremen. Parallel zur Firmengründung hat der Mikrobiologe das BRUT Programm der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH absolviert. Das Förderprogramm unterstützt Unternehmensgründungen von Hochschulabsolventen, Young Professionals und innovativen Handwerksmeistern. „Wenn man aus der Wissenschaft kommt, hat man häufig nicht das nötige Wissen wie ein Unternehmen aufgebaut wird“, meint Schenk. Dort habe er gelernt wie man Kosten berechnet, Tipps für effektive administrative Abläufe bekommen, erfahren welche Fallstricke es bei der Gründung gebe und an wen man sich bei Fragen wenden könne. „Das Förderprogramm ist extrem hilfreich für eine erfolgreiche Firmengründung“, betont Schenk. Denn ohne betriebswirtschaftliches Grundwissen sei es sehr schwierig, ein Start-up zu gründen. Mit dem dort erarbeiteten Businessplan kam die Gründungsfirma bei ‚Science4Life’ im März 2007 in die Endausscheidung und zählte zu den zehn besten Konzepten. Der angesehene bundesweite Wettbewerb zeichnet jährlich die erfolgreichsten Existenzgründer auf den Gebieten Life Science und Chemie aus. Während Schenk mehr für die Wissenschaftliche Expertise zuständig ist, hat er mit Dr. Kang Lan Tee inzwischen Verstärkung für den betriebswirtschaftlichen Part erhalten. Als zweite Geschäftsführerin kümmert sich die Biotechnologin seit Mai 2009 hauptsächlich um die Kundenkontakte und Aufträge. Sie hat in Singapur chemisches Ingenieurwesen studiert, bevor sie ebenso an der Jacobs University auf dem Gebiet Biochemical Engineering promovierte. Die beiden Unternehmer beteiligen sich auch aktiv am Norddeutschen Cluster ‚BIOKATALYSE2021’, das Forschungsarbeiten zur industriellen Biotechnologie gezielt vorantreibt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 20 Millionen Euro unterstützt wird. Einer der Firmengesellschafter neben der Jacobs University-Beteilugungsgesellschaft ist außerdem der Biotechnologe Professor Dr. Ulrich Schwaneberg. Als Ideengeber und geistiger Vater hat er die patentierte SeSaM-Technologie, gemeinsam mit Schenk entwickelt.
SeSaM-Technologie: Ein Enzym - viele Varianten Der Name SeSaM-Biotech GmbH ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben des biotechnologischen Verfahrens: „Sequence Saturation Mutagenesis“, zu deutsch Sequenz Sättigungs Mutagenese. Bei der Methode werden durch zufällige genetische Veränderungen (Mutationen) am Erbcode des ursprünglichen Enzyms sehr viele Varianten von ihm hergestellt. Enzyme sind Proteine, die biochemische Reaktionen steuern. Solche Katalysatoren beeinflussen beispielsweise als Reaktionsbeschleuniger heute schon mehr als 80 Prozent aller großtechnischen Prozesse in der chemischen Industrie.Das, was die Natur zufällig im Rahmen der Evolution hervorbringt, wird hier also mit Hilfe von gentechnischen Methoden im Zeitraffer nachgeahmt. Die Biotechnologen sprechen auch von ‚gelenkter Evolution’. „Was wir machen besteht zum großen Teil in praktischer Arbeit im Labor“, erklärt Schenk sein Einsatzgebiet. Meistens schickt uns der Kunde das Ausgangsenzym, das verändert werden soll, mit einer bestimmten Fragestellung, erklärt der Mikrobiologe. Oft ginge es darum, die Produktion effizienter, kostengünstiger und umweltfreundlicher zu gestalten als es mit dem bekannten Enzym möglich sei. Aus dem genetischen Bauplan des zu verbessernden Enzyms, stellt Schenk mit Hilfe der SeSaM-Technologie viele Varianten her. Bei dem speziellen gentechnischen Verfahren entsteht jedes Mal ein anderer Erbcode und dadurch Enzyme mit verschiedenen Eigenschaften.
Maßgeschneiderte Enzyme je nach Wunsch des Kunden Das Alles findet in Mikroorganismen wie Kolibakterien besonders schnell und effizient im Hochdurchsatzverfahren statt. Die Idee der ‚gelenkten Evolution’ gibt es schon länger. Neu am SeSaM-Verfahren ist, das in der DNA, die als Bauplan für die Enzyme dient, Mutationen mit der gleichen Wahrscheinlichkeit an jeder Position des DNA-Moleküls entstehen können. Die mit SeSaM erzeugten DNA-Molekülvarianten werden als Mutanten- oder Gen-Bibliothek bezeichnet. Diese bekommt der Kunde als Produkt geliefert. „Solche Gen-Bibliotheken können wir in wenigen Tagen herstellen“, meint Schenk. Daran anschließend gilt es die am besten geeigneten Enzymvarianten in Nachweisverfahren aufzufinden. Normalerweise führt der Kunde diese selbst durch. „Wir bieten aber auch einen Vollservice für Auftragsforschungen an“, erläutert Schenk die Angebotspalette der SeSaM-Biotech GmbH. In diesem Fall erzeugen die Biotechnologen die Enzymvarianten und suchen anschließend mit geeigneten Nachweisverfahren nach dem maßgeschneiderten Enzym, etwa für Betriebe, die über keine eigenen Laborkapazitäten verfügen. Für diese gezielte Selektion nach bestimmten Funktionen benötigt der Mikrobiologe allerdings mehrere Monate. „Der Kunde bekommt bei uns kein Standardprodukt von der Stange. Bei jedem Enzym müssen wir überlegen, wie wir die Abläufe im Labor realisieren“, erklärt Schenk.
Kunden und Marktaussichten Zu den Kunden der SeSaM-Biotech GmbH zählen nationale Unternehmen der chemischen Industrie, darunter auch große Chemiekonzerne wie Evonik Industries AG. Der wirtschaftlichen Zukunft sieht Schenk zuversichtlich entgegen: „Der Markt für Enzyme und andere Biokatalysatoren ist sehr gut, weil es so viele Ansätze für ihre Nutzung gibt.“ Von der chemischen Industrie über die Lebensmitteltechnologie, Tierfutterindustrie, Papierverarbeitung, Textil- und Lederverarbeitung, Waschmittelindustrie bis hin zur Pharma Branche bietet sich ein riesiger Markt für die Produkte und Dienstleistungen des jungen Bremer Unternehmens. „Enzyme werden in der industriellen Biotechnologie eine immer größere Rolle spielen. Der Bedarf die Biokatalysatoren an die Produktionsabläufe anzupassen ist groß“, äußert sich Schenk überzeugt. Wegen der wachsenden Zahl von Aufträgen wird die Bremer Firma daher ab Oktober 2009 einen Techniker einstellen. Zukünftig will sich die SeSaM-Biotech GmbH darüber hinaus auch in im europäischen Ausland und international ausrichten. Einen ersten Schritt für eine internationale Darstellung beschreitet sie mit der Teilnahme an der BIOTECHNICA 2009, einer der bedeutendsten europäischen Biotechnologiemessen. Auf dem vom 06.-08. Oktober 2009 stattfindenden Branchenforum kann man die SeSaM-Biotech GmbH dort am Gemeinschaftsstand des Norddeutschen Clusters ‚BIOKATALYSE2021’ finden.
Kontakt: Dr. Alexander Schenk & Dr. Kang Lan TeeSeSaM-Biotech GmbHCampus Ring 1D-28759 BremenTel. +49 (0) 421- 200-3669Fax.+49 (0) 421-200-3673E-Mail: schenk@sesam-biotech.com I tee@sesam-biotech.comwww.sesam-biotech.com







